Der Wal, der uns alle zu besseren Menschen macht (für ungefähr fünf Minuten)

Ein Buckelwal. Quelle: Wikipedia, Foto: Charles J. Sharp, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ganz Deutschland hält den Atem an. In Timmendorfer Strand ringt ein junger Buckelwal mit dem Tod – und plötzlich sind wir alle wieder ein bisschen mehr Mensch. Ich auch. Wirklich. Mich lässt das Schicksal des Tieres nicht kalt. Ein 12 bis 15 Meter langer Koloss, gestrandet im viel zu flachen Wasser der Lübecker Bucht, der den Kopf hebt, schnaubt, kämpft – das geht einem nahe.

Und natürlich klicken wir. Liveticker. Livebilder. Experteneinschätzungen. Große Maschinen rollen an, zwei Bagger graben eine Rettungsrinne, Taucher prüfen den Zustand, Helfer geben Interviews, irgendwo sagt jemand: „Aufgeben ist keine Option.“ Es ist das perfekte Drama. Natur, Gefahr, Hoffnung – und ein einzelnes, identifizierbares Opfer.

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‚Mythos Wald‘ im Gasometer Oberhausen: Zwischen beeindruckender Kulisse und Déjà-vu

In der Ausstellung ‚Mythos Wald‘ im Gasometer Oberhausen im März 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Der März 2026 zeigt sich gerade von seiner besten Seite für Kulturinteressierte im Ruhrgebiet. Während in Dortmund mit der neuen Show im Phoenix des Lumières frische visuelle Reize locken, zieht auch der Gasometer in Oberhausen mit seiner neuen Ausstellung „Mythos Wald“ die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Erwartungen sind hoch – schließlich hat sich das Industriedenkmal in den letzten Jahren zu einer der spektakulärsten Ausstellungslocations der Region entwickelt, und erst mit der Vorgängerausstellung ‚Planet Ozeanneue Rekorde aufgestellt. Doch wer die aktuelle Schau kurz nach ihrer Eröffnung besucht

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Book-Verpflichtung als Chance auf frischen Wind beim BVB

Sebastian Kehl konnte den BVB als Funktionär nicht wirklich weiterentwickeln. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Der Neustart beim BVB ist da – und er kommt schneller als erwartet. Mit der Verpflichtung von Nils-Ole Book als neuem Sportdirektor hat Borussia Dortmund nicht nur eine personelle Entscheidung getroffen, sondern ein klares Signal gesendet: Dieser Klub will raus aus der Stagnation. Und auch wenn jeder Umbruch Risiken birgt, überwiegt diesmal vor allem eines – die Chance.

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Phoenix des Lumières in Dortmund: Ein vertrautes Staunen im neuen Gewand

Zu Besuch bei Phoenix des Lumières in Dortmund im März 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Seit vergangener Woche läuft im Phoenix des Lumières in Dortmund-Hörde das neueste Programm – und für die Ruhrbarone war ein Besuch natürlich Pflicht. Die Erwartungshaltung war dabei durchaus hoch, auch wenn sich bei mir, wie vermutlich bei vielen regelmäßigen Besuchern, längst ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat. Wer bereits frühere Produktionen wie die naturwissenschaftlichen Themenwelten rund um Ozeane oder das Weltall erlebt hat, weiß schließlich, was dort technisch möglich ist – und wird entsprechend schwerer zu überraschen sein.

Das neue Programm „Dinosaurier: Das immersive Erlebnis“ liefert

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Der BVB wirkt immer mehr wie ein Klub ohne Plan

Emre Can bei seiner Vorstellung in Dortmund. Archiv-Foto: BVB

Bei Borussia Dortmund deutet sich schon länger ein personeller Umbruch an, der auf den ersten Blick längst überfällig wirkt. Leistungsträger wie Julian Brandt, Niklas Süle oder Salih Özcan stehen vor dem Abschied – und das ausgerechnet ablösefrei. Ein sportlicher Aderlass, der nicht nur Qualität kostet, sondern auch Fragen zur strategischen Planung der Vereinsführung aufwirft.

Noch gravierender: Während die Abgänge feststehen, fehlt es bislang an klaren Signalen für gleichwertigen Ersatz. Der Kader droht an Substanz zu verlieren, ohne dass ein überzeugendes Zukunftskonzept erkennbar wäre. Für einen Klub, der regelmäßig den Anspruch formuliert, um Titel mitzuspielen, ist das ein alarmierendes Zeichen.

Die Can-Verlängerung als Symbolpolitik

In dieses ohnehin fragile Gesamtbild platzt nun die Vertragsverlängerung von Emre Can – und sorgt für Verwunderung.

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Frühling im Westfalenpark in Dortmund: Warum sich ein Besuch auch schon im März lohnt

Im Westfalenpark in Dortmund im März 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Der Kalender sagt fast noch Winter, doch wer im März durch den Dortmunder Westfalenpark spaziert, merkt schnell: Der Frühling steht bereits in den Startlöchern.

Während viele Menschen Parks und Gärten erst ab April oder Mai auf dem Zettel haben, entfaltet dieser weitläufige Park schon deutlich früher seinen ganz eigenen Reiz. Gerade jetzt liegt eine besondere Stimmung über den Wegen, Wiesen und Beeten – eine Mischung aus Ruhe, Erwartung und den ersten Farbtupfern des neuen Gartenjahres.

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Schalke, der VAR und das große Schneckenrennen in der 2. Liga

Auf Schalke ging es am Sonntag einmal wieder turbulent zu. Foto: Michael Kamps

Wer in den vergangenen Wochen einen Beweis dafür gesucht hat, dass die 2. Bundesliga in dieser Saison ein einziges großes Schneckenrennen ist, der wurde am 26. Spieltag an diesem Wochenende bestens bedient. Keiner aus den Top sechs gewann sein Spiel. Niemand nutzt die Chance, sich entscheidend abzusetzen. Stattdessen stolpern sie alle gleichzeitig – mal elegant, mal spektakulär.

Und mittendrin natürlich der FC Schalke 04. Ein Verein, der es seit Jahren schafft, sportliche Dramen mit einer gewissen theatralischen Wucht zu inszenieren. Beim 2:2 gegen Hannover 96 lieferte Schalke die perfekte Zusammenfassung dieser absurden Liga: dominant, führend, dann dezimiert, schließlich in letzter Sekunde bestraft.

Oder anders gesagt: Zweite Liga in Reinform.

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Popp nach Dortmund – PR-Coup oder der Beginn einer echten Fußballgeschichte?

Das Stadion in Dortmund im Februar 2025. Foto: Robin Patzwaldt

Während sich der Männerfußball am Samstag wieder einmal in gewohnter Lautstärke um sich selbst drehte, schob sich plötzlich eine Nachricht in die Schlagzeilen, mit der wohl kaum jemand gerechnet hatte: Alexandra Popp wechselt zu Borussia Dortmund. Und zwar nicht zu irgendeinem ambitionierten Frauen-Bundesligisten – sondern zu einem Team, das aktuell noch in der Regionalliga herumturnt. Drittklassig.

Das ist ungefähr so, als würde plötzlich ein ehemaliger Champions-League-Sieger beschließen, seine Karriere in der Kreisliga zu beenden – nur mit deutlich größerer medialer Begleitung. Denn eines ist dem BVB mit diesem Transfer definitiv gelungen: Ganz Fußball-Deutschland schaut plötzlich auf eine Mannschaft, die bisher eher ein Randdasein fristete.

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Abschied ohne Applaus: Die nächste BVB-Abrechnung

BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken steht vor großen Herausforderungen. Foto: Robin Patzwaldt

Bei Borussia Dortmund lässt sich die verfehlte Personalpolitik der vergangenen Jahre inzwischen kaum noch kaschieren. Der kommende Sommer droht zu einer Art Sammelstelle für Fehlentscheidungen zu werden. Mehrere Spieler verlassen den Klub ablösefrei – und hinterlassen dabei vor allem eines: ein finanzielles Loch.

Millionenverluste sind programmiert. Nicht nur, weil mögliche Ablösesummen ausbleiben. Sondern auch, weil einige dieser Profis über Jahre hinweg Gehälter kassierten, die im Rückblick nur schwer zu rechtfertigen sind. Während der Kader sportlich immer dünner an wirklichen Unterschiedsspielern wird, muss der Klub gleichzeitig versuchen, ohne entsprechende Einnahmen eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Der einstige Ruf als Sprungbrett für Weltstars wirkt inzwischen wie eine ferne Erinnerung.

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Spargel-Hysterie in Deutschland: Wenn der Hype einem den Appetit verdirbt

Ein klassisches Spargel-Gericht. Quelle: Wikipedia, Foto: Elya (talk), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eines mal gleich vorneweg: Ich mag Spargel. Wirklich. Schon seit meiner Kindheit in den 1970er-Jahren gehörte es bei uns zur Tradition, sich im Frühjahr zwei- oder dreimal dieses sogenannte „königliche Gemüse“ zu gönnen. Trotz der Preise. Denn billig war Spargel noch nie. Für ein Kilo bekommt man im Zweifel auch ein ordentliches Stück Fleisch.

Und trotzdem: Spargel schmeckt hervorragend. Gerade rund um Ostern stand er früher bei uns gelegentlich auf dem Tisch, und diese Mahlzeiten hatten tatsächlich etwas Besonderes. Man freute sich darauf – aber eben so, wie man sich auf viele gute Dinge freut: ohne großes Tamtam.

Heute allerdings ist aus dieser angenehmen Tradition etwas geworden, das man kaum noch ertragen kann.

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