Jenseits der Ruhrgebiets-Jammerlappen: So geht Oberbürgermeisterin

Erste öffentliche Amtshandlung von Henriette Reker nach der Wahl: Die Verleihung des Heinrich-Böll-Preises an Herta Müller (l.) Foto: © Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0

Oberbürgermeister im Ruhrgebiet können zwei Dinge gut: Jammern und betteln.  Dass diese beiden Fähigkeiten offensichtlich nicht ausreichen, um erfolgreich an der Spitze einer Stadt zu stehen ist offensichtlich: Die Städte im Ruhrgebiet sind bettelarm, die Arbeitslosigkeit ist hoch und es gibt nicht den Hauch einer Idee, wie sich die Region entwickeln soll. Anders in Köln: Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat in einem Gastbeitrag im Berliner Tagesspiegel angekündigt, dass Köln bei IT-Startups erfolgreicher werden soll als Berlin:

Köln hat viele Stärken und gute Voraussetzungen, um ein Motor dieses Rheinland Valley zu sein. Als größte Stadt Nordrhein-Westfalens gibt es hier die einzigartige Möglichkeit, die Erfahrungen aus der klassischen Industrie mit den Ideen und Innovationen der Gründer zu verknüpfen. Das kann Berlin nicht bieten. In Köln haben wir einen gewachsenen Industrie- und Wirtschaftsstandort mit großen Unternehmen und vielen Hidden Champions. Wenn wir es schaffen, diese mit den Universitäten, Technischen Hochschulen und den Gründerinnen und Gründern zu verbinden, bekommen wir eine großartige Dynamik.

Egal ob das realistisch ist oder nicht, Reker hat eine Idee, Mut und Selbstbewusstsein. Sie jammert nicht nach Förderung oder Hilfe sondern formuliert eine Anspruch – an an sich und ihre Stadt. Etwas vergleichbares hat  man von den Oberbürgermeistern im Ruhrgebiet noch nie gehört – ihr einziges Ansinnen ist es, Subventionen aus irgendwelchen Programmen abzuziehen. Warum und wozu ist ihnen egal.

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8 Kommentare

  1. #1 | Reinhard Matern sagt am 15. August 2017 um 10:30 Uhr

    Ein wichtiger Unterschied zu Köln ist, dass das Ruhrgebiet ein alter Industriestandort mit freigesetzten, übriggebliebenen Arbeitern ist. Die hiesigen Universitäten sind so gut wie gar nicht integriert. Sie führen ein separates Dasein, obgleich Potenzial, auch ein wirtschaftliches, geschaffen wird. Der Bildungsunterschied ist viel zu groß. Mit den Ideen aus den Universitäten lässt sich im Ruhrgebiet nur wenig anfangen. Von Duisburg aus gesehen, bietet bereits Düsseldorf eine ganz andere Umgebung. Das Ruhrgebiet ist bestenfalls eine Bronx!

  2. #2 | GMS sagt am 15. August 2017 um 10:33 Uhr

    Die Hymnen an Frau Reger wären angebracht, wenn sie in Köln etwas bewegen würde. Zwar geht es der Stadt gut, das ist aber kein Verdienst der Politik. Dort ist das dasselbe laizes faire zu finden wie in Berlin.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 15. August 2017 um 10:39 Uhr

    @GMS: Laissez Faire scheint sich zu lohnen

  4. #4 | Frank Stenglein sagt am 15. August 2017 um 11:55 Uhr

    Gute Güte, Stefan. Solche Floskeln sagt dir auch jeder Ruhrgebiets-OB im Schlaf auf. Das haben die alle bei Dieter Gorny gelernt. Andererseits schön, dass mal eines was Positives über Frau Reker schreibt.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 15. August 2017 um 12:05 Uhr

    @Frank Stenglein: Keiner von denen käme auf die Idee, sowas in einer Berliner Zeitung zu schreiben. Und Wettbewerb hassen sie alle wie die Pest.

  6. #6 | GMS sagt am 15. August 2017 um 14:24 Uhr

    @Stefan Laurin Das muss man aber nicht gut finden oder loben. Köln ist eine Stadt die TROTZ Politik prosperiert.

  7. #7 | Aquii sagt am 15. August 2017 um 14:33 Uhr

    es geht doch auch so, eine Wiederwahl und die kommunale Altersversorgung greift, der Rest ist dann egal…

  8. #8 | Klaus Lohmann sagt am 16. August 2017 um 22:07 Uhr

    "Mit den Ideen aus den Universitäten lässt sich im Ruhrgebiet nur wenig anfangen"

    Richtig, Reinhard. Und das gilt seit mind. 20 Jahren.
    Als vor dieser Zeitspanne auf einem Erweiterungsareal des Dortmunder technoParks, also direkt neben der TU (damals noch stinknormale "Universität";-), ein Neubau eines Internetproviders – Ausgründung aus der Uni – mit der lokalen (meist SPD-)Politprominenz eingeweiht wurde, hatte diese die Ansiedlung von ca. 300 neuen Arbeitsplätzen überhaupt nicht auf dem Radar, sondern mokierte sich süffisant über den "Stress mit den ganzen Arbeitern, die gezz wegen Rationalisierung mit eurem Netzzeuchs ihren Job verlieren".

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