Überzogener Trikot-Frust trübt die eigentlich sehr erfreuliche Lage beim BVB in der Länderspielpause

Reizfigur Carsten Cramer. Foto: BVB

Eigentlich hätten sie beim BVB in Dortmund reichlich gute Gründe um zufrieden in die jetzt anstehende zweite Länderspielpause der Saison 2021/22 zu gehen. Die ersten beiden Gruppenspiele in der UEFA Champions League konnten gewonnen werden. In der Fußball-Bundesliga siegten die Schwarzgelben am Samstag, im inzwischen wieder mit gut 40.000 Fans gefüllten Westfalenstadion, gegen den FC Augsburg mit 2:1 und bewiesen damit, dass die Mannschaft zur Nor eben doch auch ohne Top-Stürmer Erling Haaland zu mehr als einem eigenen Treffer pro Spiel und zum Sieg reichen kann.

Unter Neu-Trainer Marco Rose präsentiert sich der BVB zuletzt insgesamt überraschend stabil, der erforderliche harte Cut nach der vergangenen Saison scheint gelungen. Viele positive Aspekte also, die Fans, Spieler und Verantwortliche optimistisch und positiv gestimmt in den Herbst gehen lassen könnten. Doch ist die Stimmung rund um die Strobelallee aktuell deutlich weniger gut, als sie es sein könnte.

Seit Wochen schon sind weite Teile der Fanszene stocksauer auf den Klub. Dieser hatte sich vor ein paar Wochen erdreistet, dem Anhang ein frisches Trikotdesign zu präsentieren, das nicht den allgemeinen Erwartungen entsprach. Das Thema ist dabei inzwischen intern wohl so sensibel, dass auch die BVB-Pressestelle, die ansonsten stets sehr umgänglich ist, unserem Wunsch nach entsprechendem Bildmaterial zum neues Jersey bisher leider nicht entsprach, so dass wir das Trikot hier heute in diesem Beitrag leider auch nicht abbilden können.

Ausrüster Puma steht seit Jahren vor der Herausforderung die Mannschaft der Dortmunder regelmäßig mit neu designten Leibchen zu versorgen. Für jede neue Saison sind gleich mehrere frisch entworfene Trikots zu präsentieren. Da ist es nach ein paar Jahren naturgemäß nicht mehr so einfach, sich stets etwas Neues einfallen zu lassen, was auch den Geschmack der Fans trifft.

In Dortmund sorgte das kürzlich neu präsentierte ‚dritte Trikot‘, das für die Pokalspiele, in dieser Saison für viel Ärger. Dieses zeigte sich in einem zuvor so noch nie gesehenen Design, ohne Vereinswappen, dafür mit einem Schriftzug des Vereinsnamens zusätzlich zum Sponsorenaufdruck auf der Brust. Das sah und sieht, für Trikotliebhaber und Sammler wirklich befremdlich aus.

Wie die Planer bei Puma und auch im Verein diese Idee so bis in die Fanshops und auf den Rasen durchwinken konnten, ist in der Tat komisch. Das Trikot, das in ähnlichen Varianten, auch in anderen von Puma ausgestatteten Vereinen zum Einsatz kam und kommt, wirkt in den augen vieler ungewöhnlich billig. Das man sich da als Fan nicht gerade drüber freut, ist logisch.

Doch beim BVB geht der Protest der Anhängerschaft in dieser Angelegenheit inzwischen weit über das bisher übliche Maß hinaus. Es ist ein regelrechter Fanaufstand daraus hervorgegangen. Dieser erscheint bei näherer Überlegung jedoch ziemlich unverhältnismäßig.

Auch am Samstag beim Heimspiel gegen Augsburg sorgte ‚die Südtribüne‘ diesbezüglich einmal mehr für viel Aufsehen, kritisierte den BVB-Marketingchef Carsten Cramer auf einem riesigen Transparent.  „Cramer: Wieder mal ein „Fehler unterlaufen“ – Wieder versucht, Fans für dumm zu verkaufen“, war dort zu lesen. Carsten Cramer, seines Zeichens Marketingdirektor und Mitglied der Geschäftsführung bei Borussia Dortmund, zeichnet in Dortmund auf Vereinsseite für die Trikots verantwortlich.

Offenbar ärgert sich ein Teil des Anhangs noch immer mächtig. Selbst die inzwischen vom Verein präsentierte, leicht ‚nachgebesserte‘ Trikotvariante (zuletzt wurde ein BVB-Logo auf das Trikot mit eingearbeitet) gefällt den Fans nicht. Zudem stört viele offenbar Cramers grundsätzliche Art, der auch von ihm entscheidend vorangetriebene Weg des Klubs in Richtung Kommerzialisierung.  Viele im BVB-Umfeld monieren zuletzt bei unterschiedlichen gelegenheiten die Entfremdung zwischen Klub und Anhang. Der Marketingchef ist in diesem Spannungsfeld für viele Fans seit langem schon eine umstrittene Reizfigur.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang relativierend aber nur kurz einmal an die Tatsache, dass es auch in der Vergangenheit schon häufiger emotionale Diskussionen rund um neue Trikotvarianten gab. Das ist stets ein sensibles Thema.

Ich persönlich erinnere mich zum Beispiel noch recht gut an die 1990er-Jahre, als ich selber noch regelmäßig Gast auf der Südtribüne im Westfalenstadion war. Damals ‚erdreistete‘ sich der Verein einmal als Ausweichtrikot eine Variante in der Farbe Lila anzubieten, was im Vergleich zu den üblichen gelben Leibchen ein regelrechter Kulturschock war.

Auch damals schon zeigten sich große Teile der Anhängerschaft regelrecht geschockt, sangen im Stadion lautstark ‚Wir wollen schwarzgelbe Trikots‘, machten in Anlehnung an die ‚Milka‘-Kuh stets ein langezogenes Muh-Geräusch, wenn ein BVB-Spieler an den Ball kam und wurden in der Folgezeit erhört. Die von der Mehrheit der Fans seinerzeit abgelehnte Variation des Sportdresses verschwand schnell wieder in der Mottenkiste. In Sachen Kommerzialisierung änderte das jedoch grundsätzlich nicht viel. Ganz im Gegenteil. Die Entwicklung beschleunigte sich seither sogar noch deutlich, die Umsätze explodierten seit den 1990er-Jahren regelrecht. Und der Verein präsentierte immer wieder Ausweichtrikots in ungewohnten Farben, die dann allerdings nur sehr selten zum Einsatz kamen.

Zurück in die Gegenwart: Dass der Klub sich von Puma offenbar unwidersprochen mit dieser ‚Billig‘-Variante eines Trikots versorgen ließ, ist aus Fan-Sicht ärgerlich. Allerdings gibt es auch deutlich schlimmeres im Leben eines leidenschaftlichen Borussen.

Die sportliche Entwicklung des Vereins sollte für alle Beteiligten immer noch klar im Vordergrund der Aufmerksamkeit stehen. Die Kommerzialisierung im Profifußball ist nicht aufzuhalten, wenn der Klub weiterhin in der Champions League spielen und akteure wie Erling Haaland im Kader haben soll. Kommerzielle Auswüchse können natürlich kritisiert und Fehlentwicklungen sollten korrigiert werden. Den Lauf der Geschichte wird das jedoch nicht grundsätzlich ändern.

Außerdem kann sich der kritische Teil des Anhangs ja auch sehr leicht gegen diese von ihm unerwünschten Ausprägungen des Kommerzes wehren. Wenn so gut wie kein Fan ein Trikot dieser ungeliebten Variante kauft, wäre das Problem zur neuen Saison rasch wieder behoben. Garantiert! 😉

Dir gefällt vielleicht auch:

3 Kommentare

  1. #1 | Werntreu Golmeran sagt am 3. Oktober 2021 um 10:38 Uhr

    Im Mittelmeer ertrinken übrigens jeden Tag Menschen, darunter auch Viele Kinder…

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 3. Oktober 2021 um 10:45 Uhr

    @Werntreu Golmeran: Ich bin da grundsätzlich bei Ihnen, aber mit dem Ansatz dürften wir alle ja auch nicht mehr in Theater und Kinos gehen…. Unterhaltung hat schon ihren Wert für uns alle. Und Profisport ist vielen auf der Welt in diesem Zusammenhang eben sehr wichtig und schafft zugleich einen wichtigen Ausgleich zu den Belastungen des Alltags….

  3. #3 | Hat der BVB genügend Biss für einen Erfolg bei RB Leipzig? – Es gibt begründete Zweifel! | Ruhrbarone sagt am 7. November 2021 um 21:38 Uhr

    […] für die Gäste nicht um allzu viel. Der BVB rangiert vor dem letzten Spieltag vor der nächsten Länderspielpause im Fußballoberhaus mit sieben Zählern Vorsprung auf einen Nicht-Champions-League-Platz recht […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.