Kneecap in Oberhausen: „Israel Nazis“ und die Sache mit den „Lobbygruppen“

<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WideAwakeBrockP230525_(131_of_185).jpg">Raph_PH</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0">CC BY 2.0</a>, via Wikimedia Commons
Kneecap soll am 20.08.2026 in der Turbinenhalle Oberhausen auftreten (Foto: Raph_PH, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Am 20. August 2026 sollen die Rapper von Kneecap in der Turbinenhalle Oberhausen spielen.

Die Debatte um das Konzert ist inzwischen ein eigener Programmpunkt.

Mit organisierten Absageforderungen, einem konkreten Protestaufruf – und Reaktionen in den Kommentarspalten von Instagram und Facebook – bei denen niemand groß rätseln muss, was gemeint sein könnte.

Kneecap in Oberhausen

Kneecap kündigt ein Konzert am 20. August 2026 in der Turbinenhalle Oberhausen an
Kneecap kündigt den Oberhausen-Auftritt für den 20. August 2026 an. (Screenshot: Instagram)

Die nordirische Rapgruppe kündigte das Konzert am 10. August 2026 auf Instagram an. Vier Tage später bekräftigte sie den Termin noch einmal. Es sei der einzige Deutschlandauftritt der Band im restlichen Jahr 2026.

Der Veranstalter, die Kingstar GmbH, und der Betreiber der Halle erklärten gegenüber der Jüdischen Allgemeinen und der WAZ, eine Absage des Auftritts der mit Terrorästhetik kokettierenden Rapgruppe Kneecap sei nicht vorgesehen.

Offen beworben wird das Event auf der Website und der Facebook-Seite zur Turbinenhalle Oberhausen nicht. Was mit den zu erwartenden Reaktionen auf das Konzert zusammenhängen könnte.

Der Streit scheint dem Vorverkauf bislang jedenfalls nicht geschadet zu haben. Eventim kennzeichnet die Veranstaltung aktuell als „Sehr beliebt“ und meldet eine „hohe Nachfrage“. Belastbare Verkaufszahlen nennt die Plattform auf der Seite nicht.

Eventim kennzeichnet das Kneecap-Konzert in Oberhausen als „Sehr beliebt“ und meldet eine hohe Nachfrage
Eventim kennzeichnet das Kneecap-Konzert in der Turbinenhalle Oberhausen als „Sehr beliebt“ und meldet „Hohe Nachfrage für dieses Event!“. (Screenshot: Eventim)

Kneecap

Der Bandname ist eine Anspielung auf eine Bestrafungsmethode der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) zu Zeiten des Nordirlandkonflikts. Beim sogenannten Kneecapping schossen nordirische Paramilitärs ihren Opfern – je nach verhängtem „Strafmaß“ – in ein (wenn man Glück hatte) oder beide (wenn man weniger Glück hatte) Knie beziehungsweise in die Kniekehlen. Die Kniescheiben selbst wurden dabei keineswegs immer getroffen.

Solidarität am 8. Oktober 2023

Am 8. Oktober 2023, einen Tag nach dem Hamas-Massaker in Israel, veröffentlichte Kneecap auf Instagram eine Bilderstrecke unter einer palästinensischen Flagge. Der knappe Begleittext: „Solidarity with the Palestinian struggle ✊“ – Solidarität mit dem palästinensischen Kampf.

Kneecap-Instagram-Beitrag vom 8. Oktober 2023: Solidarität mit dem palästinensischen Kampf; Kommentatorennamen anonymisiert
Kneecap erklärt am 8. Oktober 2023 seine „Solidarität mit dem palästinensischen Kampf“ – einen Tag nach dem Hamas-Massaker in Israel. Die Namen der Kommentierenden wurden unkenntlich gemacht. (Screenshot: Instagram)

Dieser Beitrag erschien auf Instagram, während in Israel noch die Leichen der über 1200 ermordeten Menschen geborgen wurden und mehr als 200 Verschleppte gerade erst nach Gaza gebracht worden waren.

Darunter auch deutsche Staatsbürger. Carolin Bohl wurde im Kibbuz Nir Oz durch die islamistischen Extremisten ermordet. Shani Louk wurde auf dem Nova-Festival von den Terroristen der Hamas nach Gaza verschleppt und ermordet.  Zu den Verbrechen des 7. Oktober 2023 gehörten auch Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt. In diesem Beitrag galt Kneecaps öffentlich erklärte Solidarität am folgenden Tag nicht den ermordeten, vergewaltigten und verschleppten Israelis. Sie galt dem „palestinian struggle“.

„Scheiß auf Israel“

Die Kommentare zur Kritik an der Einladung der nordirischen Band, lassen das Schlimmste für das Konzert befürchten.

Unter einem Instagram-Beitrag von WAZ Oberhausen zum Konzert steht die Reaktion: „Scheiß auf Israel!!!“ Kein schwieriger Kontext.

Instagram-Kommentar mit dem Wortlaut Scheiß auf Israel
Unter dem WAZ-Beitrag zum Kneecap-Konzert steht die Reaktion „Scheiß auf Israel!!!“. (Screenshot: Instagram)

Im selben Kommentarstrang bezeichnet ein anderer Nutzer Israel als „Nazistaat“ und schreibt von „Israel Nazis (neo-nazis)“. Das sind antisemitische NS-Vergleiche. Keine Äußerungen der Band, sondern Kommentare unter der lokalen Berichterstattung.

Instagram-Kommentare bezeichnen Israel als Nazistaat und Israelis als Nazis
Ein Nutzer bezeichnet Israel als „Nazistaat“ und schreibt von „Israel Nazis (neo-nazis)“. (Screenshot: Instagram)

Unter Kneecaps eigener Konzertankündigung auf Facebook nennt eine Nutzerin die israelische Flagge eine widerwärtige Flagge eines grausamen Volkes. Die Hölle warte, schreibt sie. Falls jemand noch auf ein Missverständnis hoffen möchte: In einer zweiten Antwort stellt sie ausdrücklich klar, dass sie die israelische Flagge meint.

Facebook-Kommentare nennen die israelische Flagge widerwärtig und erklären ausdrücklich, dass die israelische Flagge gemeint ist
Eine Nutzerin nennt die israelische Flagge widerwärtig und erklärt anschließend, dass sie ausdrücklich diese Flagge meint. (Screenshot: Facebook)

Weitere Kommentare sprechen von „GermanZio police“, „Zio-Bots“ und einem „Zio crashout“. Chiffrenkunde, wofür „Zio“ stehen könnte, ist nicht notwendig.

Instagram-Kommentar mit der Formulierung GermanZio police
Ein Instagram-Kommentar warnt vor der „GermanZio police“. (Screenshot: Instagram)

 

Facebook-Kommentar mit der Formulierung Zio-Bots
Ein Facebook-Kommentar beklagt angebliche „Zio-Bots“. (Screenshot: Facebook)

 

Instagram-Kommentar mit der Formulierung Zio crashout
Ein weiterer Kommentar spricht von einem bereits laufenden „Zio crashout“. (Screenshot: Instagram)

Die „Lobbygruppen“

Kneecap reagierte am 14. August. Die Band sei sich „individuals and lobby groups“ bewusst, die versuchten, Kneecap in Deutschland falsch darzustellen.

Beitrag von Kneecap: "Wenig überraschend ist uns bekannt, dass Einzelpersonen und Lobbygruppen versuchen, Kneecap in Deutschland falsch darzustellen."
„Wenig überraschend ist uns bekannt, dass Einzelpersonen und Lobbygruppen versuchen, Kneecap in Deutschland falsch darzustellen.“ (Screenshot: Instagram)

Forderungen nach einer Konzertabsage

Organisierte Gegner existieren trotzdem. Die SPD Oberhausen forderte am 14. August 2026, Kneecap in Oberhausen keine Bühne zu bieten. Am 10. August 2026 verlangten sechs Instagram-Accounts (defend.zionism, oberhausen_gegen_rechts, bgakoblenz, idf_sticker_committee, jewsofberlin und themacabeanmessage) in einem gemeinsamen Beitrag die Absage des Konzerts. Die früheren terrorverherrlichenden Aktionen der Band werden ebenfalls im Beitrag dokumentiert.

Instagram zeigt sechs Mitverfasser eines Absageaufrufs gegen das Kneecap-Konzert in Oberhausen
Sechs Accounts veröffentlichen gemeinsam einen Absageaufruf gegen das Kneecap-Konzert. (Screenshot: Instagram)

Am 15. August folgte ein zweiter Aufruf. jewsofberlin und defend.zionism sind an beiden Beiträgen beteiligt. Das belegt Koordination, keine zentrale Organisation. Der zweite Aufruf will den Auftritt „mit allen Mitteln“ verhindern; die weiteren Grafiken konkretisieren dezentralen Protest, eine Anreise ab etwa 18 Uhr und kurzfristig mitgeteilte Treffpunkte.

In einem Beitrag der Gruppe Es reicht – Oberhausen gegen Rechts vom 11. August 2026 ist, auf Bildern, nochmals die Terrornähe der Band dokumentiert.

Man sieht dort, unter anderem, ein Mitglied der Rap-Combo dort, mit dem Hisbollah-Propagandaschinken „Voice of Hezbollah“.

Kein Freispruch

Zum britischen Verfahren gegen das Kneecap-Mitglied Liam Óg Ó hAnnaidh kursieren zwei Versionen: Er sei freigesprochen worden – oder das Verfahren laufe noch. Beides ist falsch.

Der britische High Court stellte am 11. März 2026 ausdrücklich fest: Ó hAnnaidh wurde wegen des vorgeworfenen Verhaltens nicht vor Gericht gestellt, nicht verurteilt und nicht freigesprochen. Die Sache endete wegen einer engen technischen Frage zu Zustimmung, Frist und Zuständigkeit. Das amtliche Urteil betont außerdem, die Entscheidung sage nichts darüber aus, ob die vorgeworfene Tat begangen wurde.

Die Anklage bezog sich auf das Zeigen einer Hisbollah-Flagge unter Umständen, die den Verdacht der Unterstützung einer verbotenen Organisation erwecken konnten. Einen Schuldspruch gab es nicht. Einen Freispruch auch nicht. Es ging in dem Verfahren um die Hisbollah-Flagge, die hier im Video zu sehen ist:

Was droht Oberhausen?

Für den 20. August 2026 ist das Konzert weiterhin angekündigt.

Auf die Krisenkommunikation des Veranstalters und des Betreibers der Turbinenhalle darf man am Freitag gespannt sein:

Ob einer der zitierten Accounts an diesem Abend in Oberhausen sein wird, weiß niemand. Ob die Parolen in der Halle auftauchen, ebenfalls nicht.

Wer vor einem Konzert allerdings „Scheiß auf Israel“, „Nazistaat“, „GermanZio police“ und „Zio-Bots“ liest, hat jeden Grund, für die Stimmung in der Turbinenhalle das Schlimmste zu befürchten.

Ob Bandmitglieder mit Flaggen von islamistischen Terrorgruppen über die Bühne laufen werden, ist nicht gewiss. Falls das passiert: Die passende Headline ist so gut wie fertig getextet.

Das ist keine Vorhersage eines bestimmten Vorfalls. Es ist eine Befürchtung, die sich auf öffentlich sichtbare Reaktionen und bisherige „Events“ der Band stützen.

Die antiisraelischen und teilweise antisemitischen Signale stehen nicht irgendwo in einer staubigen Telegram-Gruppe. Sie stehen direkt unter den Beiträgen zum Konzert.

Sollte Kneecap am Donnerstag auftreten, kann jedenfalls niemand behaupten, es habe vorher keine Warnzeichen gegeben.

Sie waren tagelang öffentlich, auch für den Veranstalter, zu sehen.

Mit Profilnamen, Ausrufezeichen und Herzchen-Reaktionen.

 

Eine Anfrage der Ruhrbarone an den Hallenbetreiber zur geplanten Veranstaltung in der Turbinenhalle wurde bisher nicht beantwortet.


Weitere Beiträge auf Ruhrbarone zum Kneecap-Konzert in der Turbinenhalle Oberhausen:

Proteste gegen Kneecap-Konzert in Oberhausen angekündigt

Die Turbinenhalle Oberhausen bietet den Israelhassern Kneecap eine Bühne

 

In der App öffnen Autorenseite: Peter Ansmann
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