
Die Bundesregierung macht Russland für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. AfD-Abgeordneter Götz Frömming brachte auf X eine ukrainische Täuschungsoperation ins Spiel. Auch die AfD Hamm verlangt, dieses Szenario zu prüfen.
Konkrete Belege dafür nennen beide Beiträge nicht.
Für den Kreml ist das Propaganda frei Haus: Die AfD liefert den Nebel, die Ukraine bekommt den Verdacht.
Der Verdacht kommt als Frage
Götz Frömming formulierte seinen Verdacht als Frage: „Wie hat man die Möglichkeit einer false flag Operation der Ukraine ausgeschlossen?“ Der AfD-Bundestagsabgeordnete veröffentlichte sie am 1. September 2026 auf X, in einem Zitatbeitrag zu einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums.
Götz Frömming sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag und gehört als Parlamentarischer Geschäftsführer seit 2019 dem Fraktionsvorstand an.

Seine Begründung folgt einer vermuteten Interessenlage: Ein durch den Anschlag ausgelöstes stärkeres deutsches Vorgehen gegen Russland könne der Ukraine nützen. Russland dagegen habe daran kein Interesse. Frömming zieht außerdem die Sprengung der Ostsee-Pipelines als Vergleich heran und verweist auf Ermittlungen gegen ein ukrainisches Sabotageteam.
Einen konkreten Hinweis auf ukrainische Auftraggeber oder Täter in Leipzig enthält sein Beitrag nicht. Die Überlegung, wem ein Ereignis politisch nutzen könnte, ersetzt einen solchen Hinweis auch nicht. Selbst Erkenntnisse über einen anderen Anschlag würden für sich genommen keine Täterschaft in Leipzig belegen.
Der Anlass ist eine schwerwiegende Zuschreibung der Bundesregierung. Nach ihrer Darstellung vom 4. September 2026 scheiterte der Anschlag am 4. August 2026. Am 1. September 2026 erklärten Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul Russland für verantwortlich. Die Regierung beruft sich auf polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse.
Sie unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen ihrer politischen Zuschreibung und dem noch laufenden Strafverfahren. Ein rechtskräftiges Urteil ist damit nicht behauptet. Die Regierung verweist außerdem auf den Austausch mit NATO- und EU-Partnern.
AfD Hamm: Gegenverdacht mit Wahlkampfbezug
Auch im Ruhrgebiet steht die Ukraine als Ersatzverdächtige im Schaufenster – konkrete Belege gehören offenbar nicht zum Sortiment. Auf ihrer Website fordert die AfD Hamm, eine ukrainische Beteiligung oder Täuschungsoperation in die Prüfung einzubeziehen. Der Beitrag trägt das Veröffentlichungsdatum 5. September 2026, ist im Text aber auf den 2. September 2026 datiert.

Der Kreisverband verbindet die Sache mit der damaligen bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Er bezweifelt die Unabhängigkeit des Veröffentlichungszeitpunkts von politischen Interessen und verlangt offengelegte Beweise sowie parlamentarische Kontrolle. Konkrete Anhaltspunkte für eine ukrainische Beteiligung liefert er nicht.
Zur vollständigen Darstellung gehört allerdings: Die AfD Hamm warnt ausdrücklich auch davor, eine ukrainische Täterschaft ohne Beweise zu behaupten. Ihr Text ist damit zurückhaltender als eine direkte Schuldzuweisung.
Zwei Beiträge, dieselbe Beweislücke
Der Unterschied zwischen beiden AfD-Beiträgen ist relevant. Frömming argumentiert auf X mit einem angeblich fehlenden russischen Interesse und einem möglichen ukrainischen Nutzen. Der Hammer Kreisverband präsentiert die Ukraine als zu prüfende Alternative und stellt die Veröffentlichung der Russland-Vorwürfe in einen Wahlkampfzusammenhang.
Über dokumentierte Russlandkontakte und propagandistische Schnittmengen von AfD und BSW haben wir in „Russlands nützliche Netzwerke“ berichtet.
Regierungsangaben kritisch zu prüfen, gehört zur Aufgabe der Opposition.
Daraus folgt aber keine Begründung für jeden beliebigen Gegenverdacht.
Wer die Ukraine als mögliche Verantwortliche ins Gespräch bringt, sollte erklären können, welche Erkenntnis über diesen konkreten Anschlag dafür spricht.
In den beiden vorliegenden Beiträgen fehlt sie.
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