
Am 19. September 2026 soll in Konstanz eine „Internationale Friedenskette“ entstehen. Die Werbung klingt nach Verständigung und Gemeinschaft. Auf der Teilnehmerseite stehen Querdenken und eine Druschba-Gruppe. Der offizielle Telegram-Kanal verbreitet kla.tv und einen Aufruf, die Unterstützung der Ukraine einzustellen.
Querdenken steht im Programm
Die Veranstalter kündigen die Menschenkette für den 19. September 2026 am Konstanzer Trichter an. Moderieren soll Gerry Mayr. Auf der Rednerliste steht Helmut Bauer mit dem unmissverständlichen Zusatz „Querdenken Weiden“. Karl-Friedrich Rothe und Tanja Lichtl werden FreiEinig zugeordnet.
Unter den für 2026 angekündigten Gruppen finden sich außerdem die Freiheitstrychler. Ihre Rolle bei den Protesten gegen Corona-Maßnahmen hat SRF am 8. September 2026 beschrieben. Die Verbindung zu diesem Protestmilieu muss man also nicht aus Symbolen oder gemeinsamen Fotos herauslesen. Sie steht auf der eigenen Website.
Die Ukraine soll ohne Hilfe auskommen
Dort prangt auch das Logo der Druschba-Gruppe Heidelberg-Mannheim. Druschba-Global führt diese Regionalgruppe selbst auf und wirbt für deutsch-russische Freundschafts- und „Friedensfahrten“.
Politisch deutlicher wird der offizielle Telegram-Kanal der Friedenskette. Am 8. Juli 2026 verbreitete er einen Aufruf von „Wir sind Viele“. Darin stehen die Forderungen: „Keine weitere Unterstützung der Ukraine!“ und „Stopp der Unterstützung Israels!“ Es handelt sich um eine Weiterleitung. Die Forderungen stammen aus dem beworbenen Aufruf; der Friedenskette-Kanal verschafft ihnen eine zusätzliche Bühne.
Am 7. September 2026 folgte ein Petitionsaufruf zum Erhalt des Russischen Hauses in Berlin, weitergeleitet von „Zusammen für Frieden! JETZT!“. Der Text verlinkt auch ein Interview mit dem russischen Botschafter. Die angekündigte Druschba-Gruppe und diese Veröffentlichungen geben der Friedenswerbung eine erkennbare Nähe zum Reich des Bösen: Russland.

Wer zugleich die Forderung nach einem Ende der Ukraine-Unterstützung verbreitet, sollte erklären, wie sich das angegriffene Land dann schützen soll.
Frieden mit kla.tv
Auch die verbreiteten Medieninhalte sind aufschlussreich: Am 9. September 2026 teilte der Kanal einen kla.tv-Beitrag, der für die diesjährige Friedenskette wirbt. Auf der Presseseite des Veranstalters wird zudem ein Interview mit Gerry Mayr vom 25. September 2022 verlinkt. Das Gespräch betrifft die damalige Veranstaltung, nicht die kommende.
Der Bayerische Rundfunk beschrieb kla.tv bereits am 30. November 2016 als Angebot aus dem Umfeld Ivo Saseks und der Organischen Christus-Generation, das Verschwörungsnachrichten verbreitet.
Am 11. September 2026 erschien im offiziellen Kanal außerdem eine Weiterleitung aus Gerry Mayrs Kanal mit einem Daniele-Ganser-Video über den 11. September 2001. Die angezeigte Videovorschau bringt WTC 7 mit „Staatsterrorismus, ausgehend von den USA“ in Verbindung. Das ist der Text der Vorschau, kein hier belegtes wörtliches Zitat Gansers. Als Veranstaltungshinweis wäre jedenfalls auch ein Lageplan gegangen.
Eine Flagge fehlt

Auf dem von Mayr auf Facebook verbreiteten Plakat stehen die Flaggen Liechtensteins, Österreichs, Frankreichs, Deutschlands, der Schweiz und des Fantasiestaats Palästinas. Die israelische fehlt auf diesem Motiv. Warum diese Auswahl getroffen wurde, geht aus dem Aufruf nicht hervor.
Für eine Veranstaltung, die Menschen verbinden will, hinterlässt diese Auswahl einen schalen Beigeschmack. Die politische Kritik braucht allerdings keine Vermutung über die Motive der Gestalter. Querdenken in der Rednerliste, Druschba unter den angekündigten Gruppen und die Forderung nach einem Ende der Ukraine-Unterstützung im offiziellen Kanal liefern bereits genügend Stoff.
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