Recklinghausen leuchtet – ein Besuch wider besseres Wissen

‚Recklinghausen leuchtet‘ im Oktober 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, mir den Trip nach Recklinghausen in diesem Herbst zu sparen. Zu enttäuschend waren meine letzten Besuche in unserer Kreisstadt gewesen. Doch auf Wunsch meiner Begleitung machte ich mich am Mittwoch dann doch noch einmal auf den Weg. Schließlich heißt es ja nicht umsonst „Recklinghausen leuchtet“. Vielleicht gab es ja doch noch etwas zu entdecken.

Die Hoffnung war allerdings größer als die spätere Begeisterung. Nach unserem Rundgang stand fest: Auch dieser Besuch hat meine Meinung über die einst so reizvolle Stadt nicht verbessert. „Nächstes Jahr brauchen wir hier aber dann nicht mehr hin“, lautete das ernüchterte Fazit meiner Begleiterin. Widersprechen konnte und wollte ich ihr nicht. Ein paar hübsche Bilder habe ich trotzdem mitgebracht. Genießt sie ruhig. Es könnten meine letzten aus Recklinghausen sein, wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht.

Von alten Erinnerungen lebt keine Innenstadt

Das ist durchaus schade. Denn Recklinghausen war für mich über Jahrzehnte mehr als irgendeine Stadt im Ruhrgebiet. Als Kind und Jugendlicher gehörte die Kreisstadt ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Hier wurde eingekauft, gebummelt, gegessen und ausgegangen. Die Altstadt besaß Atmosphäre, Ecken mit Charakter und einen Charme, den man nicht überall fand.

Heute ist davon erschreckend wenig übrig. Leerstände, austauschbare Geschäfte und eine Innenstadt, die viel zu oft eher zum Durchlaufen als zum Verweilen einlädt, prägen das Bild. Natürlich kämpft nicht nur Recklinghausen mit solchen Problemen. Aber gerade deshalb ist es bitter, wenn eine Stadt mit so viel Geschichte und einstiger Anziehungskraft offenbar immer weniger Gründe liefert, sie überhaupt noch zu besuchen.

Lichterglanz mit überschaubarer Wirkung

Bleibt „Recklinghausen leuchtet“. Tatsächlich gelingt es der Veranstaltung noch immer, der Altstadt für einige Wochen einen gewissen Zauber zu verleihen. Hübsche Projektionen, angestrahlte Fassaden und ein paar schöne Fotomotive sind durchaus vorhanden. Wer zum ersten Mal kommt, kann daran sicher Freude haben.

Doch nach mehreren Besuchen stellt sich unweigerlich ein Abnutzungseffekt ein. Vieles kennt man bereits, echte Überraschungen bleiben rar. Und wenn die Illuminationen nicht mehr ganz neu wirken, fällt umso stärker auf, was dem städtischen Alltag fehlt: lebendige Geschäfte, einladende Gastronomie und eine Innenstadt, in der man auch jenseits eines Events gerne Zeit verbringt.

Licht kann Atmosphäre schaffen. Es kann aber keine fehlende Aufenthaltsqualität herbeizaubern. Wer das eine mit dem anderen verwechselt, macht es sich zu einfach.

Ein Abschied auf Raten

Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach zu nostalgisch. Möglich, dass andere Besucher Recklinghausen weiterhin genießen und dem Lichterfest deutlich mehr abgewinnen können als ich. Das sei ihnen gegönnt. Meine eigenen Erwartungen sind jedenfalls inzwischen auf einem Tiefpunkt angekommen.

Besonders traurig macht mich dabei nicht einmal, dass ein einzelner Besuch enttäuschend verlaufen ist. Es ist vielmehr das Gefühl, dass sich trotz jahrelanger Kritik kaum etwas zum Besseren wendet. Eine Stadt kann nicht ewig von ihrer Vergangenheit zehren und darauf hoffen, dass ein paar Wochen Lichterglanz die strukturellen Probleme vergessen lassen.

Recklinghausen leuchtet also noch. Zumindest ein wenig. Für mich reicht das inzwischen kaum noch für einen weiteren Besuch. Die Bilder dieses Jahres bleiben als Erinnerung an eine Stadt, die ich einmal wirklich gerne besucht habe.

Vielleicht sieht man sich irgendwann wieder, Recklinghausen. Aber dafür müsstest du mir erst einmal einen überzeugenden Grund liefern.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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