Böhmermann, Ukraine und die deutsche Reaktion oder: Aristoteles Poetik als Politikum

Büste von Aristoteles, Rom Foto: Giovanni Dall’Orto Lizenz: Copyright

Leichenberge werden nach Abzug der russischen Truppen rund um Kiew geborgen, Böhmermann berichtet von der Umstrukturierung Ungarns durch Viktor Orban in einen autokratischen Staat und die EU glänzt im Zeichen absoluter Passivität. Die Reaktionen auf die momentanen Weltgeschehen stehen im Zeichen ihrer eigenen Unzulänglichkeit. Von unserem Gastautor Ioannis Dimopulos.

Nachdem Bilder ekelhaftester Barbarei durch die deutsche Medienlandschaft spukten, ist das Bedürfnis sich zu echauffieren groß. Unmenschlich sei das alles, man müsse jetzt solidarisch sein und sich – gerade in Deutschland – aktiv an der Verbesserung der Lage beteiligen. Damit

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„In den letzten drei Jahren haben wir die komplette Fetischisierung der Farbe Schwarz erlebt“

Der deutsche Literaturkritiker Ijoma Mangold bei einem Vortrag in Osnabrück im Februar 2016 Foto: Krimidoedel Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ijoma Mangold ist Autor und Literaturkritiker. Im Interview spricht er über seine Kindheit in Heidelberg, über Identität und Zugehörigkeit sowie über heutige antirassistische Diskurse.

Herr Mangold, in „Das deutsche Krokodil“ erzählen Sie, wie Sie als Sohn einer Schlesierin und eines Nigerianers in den 1970er Jahren in Heidelberg aufgewachsen sind. Sie beschreiben darin, dass Sie sich für alles Afrikanische an sich oder an Ihrem Zuhause häufig eher geschämt haben. Können Sie sich heute erklären, warum das so war?

Ijoma Mangold – Ja, natürlich. Es ist ganz einfach: Menschen oder zumindest Kinder wollen gerne Normalität in ihren eigenen Verhältnissen haben, weil sie ein unbewusstes Gespür dafür haben, dass Abweichung immer mit einer Erhöhung des Risikos einhergeht. Das hat sich heute

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„Wir können für die Freiheit auch mal frieren“

Joachim Gauck Foto: Kleinschmidt / MSC Lizenz: CC BY 3.0 DE


Als Joachim Gauck diesen Satz am Mittwochabend in dem ihm eigenen pastoralen Duktus sagte, konnte man davon ausgehen, dass er in vielen Ländern der Erde so verstanden wurde, wie er gemeint war. Nicht so in Deutschland. So erwartbar wie deprimierend. Von unserem Gastautor Dietmar Herzog.

Die Süddeutsche nannte es „moralisch wohlfeil“ und zieh ihn der „Selbstaufwertung“, der notorische Christoph Butterwegge stellt selbstverständlich auf „seine Bezüge bis zum Lebensende“ ab und natürlich ist es „zynisch“. In der allgemeinen Wallung gibt es die Ratschläge der „führenden, deutschen Energieökonomin“, die vom Autofahren in der Freizeit abrät, andere bemühen den Evergreen von den Fahrgemeinschaften.

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McDonalds in Russland: Zurück in den trüben, sowjetischen Alltag

McDonalds in in Sankt Petersburg Foto: Dirk Ingo Franke Lizenz: CC BY-SA 1.0


Man kann zu McDonalds stehen wie man will. Ich esse da ja auch nur, wenn ich verreise, und eigentlich bestehen auch dann eher die Kinder darauf. Aber für Russland hat die jetzige Schließung von McDonalds eine historische Dimension. Von einem Freund dieses Blogs.

McDonalds öffnete sein erstes Restaurant noch in der ausgehenden Sowjetunion. Es war nicht nur ein weiteres Moment der Öffnung des Landes im Zuge der Perestroika, es war auch ein Moment, an dem die Sehnsucht nach dem Westen, nach Freiheit, nach Ausweg aus dem trüben sowjetischen Alltag plötzlich zu einer viel unmittelbareren Sinneserfahrung wurde, als schlecht überspielte Aufnahmen westlicher Rockstars. Es bedeutete für viele Menschen in der

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„Bei vielen NGOs herrscht die pure Verschwendung“

Ukrainische Kinder fliehen vor der russischen Aggression. Przemyśl, Polen 27.02.2022 Foto: Mirek Pruchnicki Lizenz: Mirek Pruchnicki CC BY 2.0

Der Krieg in der Ukraine zwingt viele Menschen zur Flucht. Hilfsorganisationen stehen bereit, sie zu unterstützen. Doch bevor man sein Geld spendet, sollte man genau hinschauen, wem man es gibt. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.

Bei Finanzberichten  von Hilfsorganisationen genau gucken, ob sie Ausgaben verschleiern und wie hoch Verwaltungs-, Werbe- und andere Kosten sind.

Gute Arbeit kostet Geld, bei vielen NGOs herrscht allerdings die pure Verschwendung. Wichtig zu wissen: Autos, Büros etc. vor Ort werden in der Regel als Projektkosten abgerechnet.

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Das nervige Gemaule linker und woker Kreise

Thomas von der Osten-Sacken Foto: Privat

Was mir gerade gewaltig auf den Keks geht: So maulige linke und woke Kreise, die jetzt anfangen zu sagen, es gäbe eben Solidarität, weil Ukrainerinnen und Ukrainer weiß und christlich seien.

Das ist nicht nur dumm und zynisch, sondern auch faktisch falsch: Tausende amerikanischer, britischer und anderer Soldaten sind beim Kampf etwa zur Unterstützung von Kurden im Irak und Syrien gefallen, als es darum ging der libyschen Opposition beizustehen, den IS zu bekämpfen oder selbst im Kosovo und Bosnien zu intervenieren ging es NICHT um Christen.
Nicht zu vergessen auch – was sie alle immer tun – die Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan im Kampf gegen die Taliban ihr Leben ließen.

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Vorspiel zum Ukraine-Krieg: Die Kampagne gegen die syrischen Weißhelme

Angehörige der Weißhelme in Kafr Oweid im Gouvernement Idlib im November 2017 Foto: Qasioun News Agency Lizenz: CC BY 3.0

Für den Ukraine-Krieg wärmt Russland die Propagandalügen über die syrischen Weißhelme neu auf. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken

Als russische Angriff auf die Ukraine war schon im vollen Gange war, meldete der Kreml-Sender Sputnik, der ukrainische Geheimdienst plane Provokationen, wie es die »White Helmets« in Syrien getan hätten. Der Tweet zeigt, wie sicher sich die russischen Desinformationskrieger fühlen – und welche Rolle Syrien als Testgelände nicht nur für neue russische Waffensysteme, sondern auch für den ganz spezifischen Krieg gegen die Wahrheit gespielt hat.

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Wiedereinführung der Wehrpflicht?

Sercan Celik Foto: Privat

Eine der größten Schwächungen der Bundeswehr war die Abschaffung der Wehrpflicht. Zumindest über ein soziales Pflichtjahr muss spätestens jetzt nachgedacht werden, auch dies ist eine Erkenntnis des Ukraine-Krieges, sagt unser Gastautor Sercan Celik.


Art. 4 III 1 GG – eines der höchsten Güter und Fundamente unseres Rechtsstaats – sagt, dass niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden darf und das ist auch gut so. Es ist eines der höchsten Güter unseres Rechtsstaates sich aus freien Stücken gegen den Dienst mit der Waffe entscheiden zu dürfen. In der Hinsicht sind wir Vorreiter und vielen anderen Staaten voraus. Und dennoch war die Aussetzung der Wehrpflicht und des damit verbundenen Zivildienstes ein grober, nahezu undurchdachter und sich bis heute erstreckender gesellschaftlicher Fehler, insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland einen akuten, kaum zu kompensierenden Personalmangel in beiden Bereichen haben. Hinzu kommt, dass wir seit der Aussetzung im Jahre 2011 große Probleme haben für diesen Bereich qualifizierten und vor allem interessierten Nachwuchs zu finden. Die Probleme unserer Bundeswehr liegen somit nicht nur in der – zum Teil – mangelhaften Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten, sondern auch in einer faktischen Unterbesetzung.

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Keine Amnestie für Amnesty International

Amnesty International bei der Frankfurter Buchmesse 2018 Foto: : © JCS Lizenz: CC BY 3.0

Auf Amnesty Internationals jüngste Attacke gegen Israel einzugehen ist müßig. Die Erde ist selbstverständlich nicht flach und in Israel herrscht selbstverständlich keine Apartheid. Von unserem Gastautor Leo Sucharewicz.

Was treibt aber Amnesty dazu, die Schlinge um den Hals der eigenen Glaubwürdigkeit zuzuziehen? Umgelegt war sie schon lange und nicht nur wegen der Nähe zu BDS, Beteiligung an -Propagandaaktionen palästinensischer Gruppen und früherer Anti-Israel-Tiraden.

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Herablassender Paternalismus

Antisemitisches Plakat auf einer Gaza-Demonstration in Dortmund

Buchstäblich niemand will Palästinensern die Kritik an israelischer Politik verbieten. Antisemitismus ist aber etwas anderes als Kritik. Von unserem Gastautor Thomas von der Osten-Sacken.

Der Duden definiert »Kritik« folgendermaßen: »[fachmännisch] prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten«. Dann gibt es noch ein paar Unterdefinitionen. Eine bezieht sich auf »frühere sozialistische Staaten«, die andere führt aus, das Wort »kritisieren« könne in gewissen Fällen auch ein Ersatz für »bemängeln« oder »beanstanden« sein.

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