
Der Berliner SPD-Chef Steffen Krach will Ferat Koçak nicht länger in der Bundestagsfraktion der Linken sehen. Bei der Vorstellung der Vereinbarungen für die Berliner Sondierungen am 8. Oktober 2026 verlangte er dessen Ausschluss. Die Berliner Linken-Vorsitzende Kerstin Wolter erklärte, Koçak habe Fehler gemacht.
Die Aufarbeitung sei „noch nicht zu Ende“, berichtet die Jüdische Allgemeine.
Die SPD formuliert eine Konsequenz. Die Linke meldet einen Bearbeitungsstand.
Hintergrund sind Koçaks Nachrichten an Firas Remmo, einen Sohn von Issa Remmo. Koçak hat den Kontakt eingeräumt und als Fehler bezeichnet. Seinen Sitz im Innenausschuss gab er auf. Er bestreitet, organisierte Kriminalität zu unterstützen. Zur Debatte steht seine politische Verantwortung.
Krach geht nun über den Rückzug aus dem Ausschuss hinaus. Seine Forderung betrifft die Mitgliedschaft in der Bundestagsfraktion. Ein Parteiausschluss oder die Rückgabe des Mandats sind andere Fragen.
Personelle Konsequenzen sind allerdings schon länger Gegenstand einer innerparteilichen Auseinandersetzung. Ein von Palästina-Zusammenschlüssen der Linken beworbener Solidaritätsbrief verlangt Aufarbeitung, verteidigt aber zugleich Koçaks Sprecherfunktion und lehnt Forderungen nach seiner Mandatsrückgabe ab. Über diese Position haben wir am 6. Oktober 2026 berichtet:
Ferat Koçak (Die Linke): Die Aufarbeitung ist offen. Das Ergebnis steht fest. Der Brief ist älter als Krachs aktuelle Forderung und keine Stellungnahme der gesamten Partei.
Eine frische Reaktion liefert dagegen die junge Welt. In ihrem bereits online verfügbaren Beitrag für die Ausgabe vom 9. Oktober 2026 schreibt sie, Steffen Krach habe „glatt“ Koçaks Ausschluss verlangt. Die Überschrift lautet: „Wer nicht spurt, fliegt“. Auch auf X verbreitet die Zeitung die Forderung.


Das kleine Wort „glatt“ erledigt dabei erstaunlich viel Arbeit. Dass ein möglicher Koalitionspartner nach eingeräumtem Fehlverhalten mehr verlangt als die Aufgabe eines Ausschusssitzes, erscheint schon als bemerkenswerte Zumutung.
Ob ein Fraktionsausschluss angemessen wäre, muss politisch begründet und innerhalb der Fraktion entschieden werden. Wolters Hinweis auf die laufende Aufarbeitung beantwortet diese Frage noch nicht.
Wer Vertrauen für eine Regierung gewinnen will, wird irgendwann Ergebnisse vorlegen müssen. Die Mitteilung, dass weiterhin gearbeitet wird, ersetzt sie nicht.
Auch dann nicht, wenn die Genossen dabei sehr solidarisch aussehen.
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