Die Band „The Restarts“ auf der Bühne. Screenshot: Andreas Wolf
Ein Mitglied der britischen Punkband „The Restarts“ trug bei einem Konzert ein Trikot einer „palästinensischen“ Fußballmannschaft, das den Spielernamen „October“ und die Nummer 7 aufgedruckt hatte – eine Anspielung auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am siebten Oktober 2023. Der Musiker ist außerdem Teil einer in den USA und in Großbritannien verbotenen Gruppierung und saß in der Vergangenheit wegen Aktionen gegen einen israelischen Rüstungskonzern auf der Anklagebank.
Netta Epstein, Ayelets 21-jähriger Sohn und Ronas Bruder, wurde bei dem Massaker ermordet. Der Abend eröffnet eine Dortmunder Veranstaltungsreihe zum dritten Jahrestag des 7. Oktober 2023.
Netta Epstein lebte im Kibbuz Kfar Aza nahe der Grenze zum Gazastreifen. Er war Fußballfan – und Anhänger von Borussia Dortmund.
Der stellvertretende BSW-Vorsitzende Michael Lüders erklärt, warum der Iran in weiten Teilen der Welt als Held gelte. Die Opfer des Regimes, seine Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine und die iranischen Drohnen kommen in der hübschen Geschichte nicht vor.
Beim BSW ist der Begriff „Frieden“ ausgesprochen elastisch. Greifen die USA oder Israel an, handelt es sich um Imperialismus. Greift Russland an, muss man zwar kurz bedauernd nicken, aber dann schnell über die Fehler des Westens sprechen. Und wenn der Iran Raketen, Drohnen und Milizen einsetzt, wird daraus „Widerstand“.
Michael Lüders beherrscht diese Dialektik inzwischen ziemlich gut.
Um das festzustellen, muss man ihm nichts unterschieben.
MdB Mirze Edis (Die Linke) tut es trotzdem. In seinem Instagram-Beitrag (und auf Facebook) macht er aus Ben-Gvirs Forderung nach „gezielten Tötungen“ eine Forderung, täglich 30 bis 40 „unschuldige Palästinenser“ zu ermorden. Das Wort „unschuldig“ fällt im Original nicht.
Am Ende des vollständigen Gesprächs spricht Ben-Gvir ausdrücklich von „Terroristen“.
Genau diese Passage zeigt Mirze Edis nicht.
Was, beim dauerempörtesten Mitglied des deutschen Bundestags wo gibt, natürlich Sinn macht:
Die Forderung, gezielt Terroristen auszuschalten, hat nicht denselben Skandalisierungswert wie „Der Faschist Ben-Gvir fordert, dass jeden Tag 30 bis 40 unschuldige Palästinenser ermordet werden sollten.“
Die Debatte um das Konzert ist inzwischen ein eigener Programmpunkt.
Mit organisierten Absageforderungen, einem konkreten Protestaufruf – und Reaktionen in den Kommentarspalten von Instagram und Facebook – bei denen niemand groß rätseln muss, was gemeint sein könnte.
Mirze Edis („Die Linke“) am 4. September 2021 in Duisburg (Foto, bearbeitet: Peter Ansmann)
Mirze Edis erklärt den umstrittenen Genozidvorwurf zur Gewissheit und israelische Politiker zu Feinden von uns allen. Die Opferzahlen, mit denen in der Debatte gearbeitet wird, stammen jedoch aus einer von der Hamas geführten Behörde. Was ist belegt – und was ist Propaganda?
Martin Sonneborn Foto (Ausschnitt): Ptolusque Lizenz: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Die Angeklagten der sogenannten „Ulm 5“ werden von ihren Unterstützern als friedliche Aktivisten und Idealisten dargestellt. Doch die Erzählungen rund um den Prozess erinnern auffällig an die Selbstinszenierung der RAF in den 1970er-Jahren. Auch Martin Sonneborn greift diese Parallelen auf und entlarvt sich damit selbst.
Onlinewerbung für das Spiel „Fursan al-Aqsa“. Screenshot: Andreas Wolf
In einem Videospiel kann man in die Rolle eines Hamas-Terroristen schlüpfen und gegen IDF-Soldaten kämpfen. Es ist voll mit antizionistischer Propaganda und erlaubt es dem Spieler sogar, die Terroranschläge auf Israel vom siebten Oktober 2023 nachzuspielen. Obwohl das Spiel mittlerweile von einigen Download-Plattformen entfernt wurde, lässt es sich immer noch herunterladen und spielen.
„Fursan al-Aqsa: The Knights of the Al-Aqsa Mosque“ wurde von Nidal Nijm, einem brasilianisch-„palästinensischen“ Spielentwickler, entwickelt, der in Brasilien lebt. Nijms Vater war Mitglied der „palästinensischen“ Partei „Fatah“ (arabisch für „Eroberung“ oder „Sieg“), die lange die dominierende Kraft innerhalb der „PLO“ (Palestine Liberation Organization) war und heute die wichtigste Partei der „Palästinensischen Autonomiebehörde“ im Westjordanland ist. Unter Jassir Arafat war sie an einem bewaffneten Kampf beteiligt, bei dem auch Zivilisten angegriffen wurden. Dazu zählen Flugzeugentführungen sowie Anschläge und Angriffe auf israelische Zivilisten. In diesem Sinne ist es vertretbar, von der Fatah als eine Organisation mit terroristischer Vergangenheit zu sprechen.
Demonstranten protestieren am 21. Januar 2023 vor einem Puma-Geschäft in London gegen das Sponsoring des israelischen Fußballverbands (IFA) durch den Sportartikelhersteller. Foto: Alisdare Hickson, Sponsors of Israeli Apartheid, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.
Die TAZ beklagte, dass die „Palästina“-Solidarität in den Fußballstadien während der Weltmeisterschaft zwar sehr präsent sei, die deutsche Presse sie jedoch totschweige. Dies sei ein Armutszeugnis. Allerdings fällt neben dem, was kritisiert wird, auf, was ungesagt bleibt.
Laut der TAZ sei die globale „Palästina“-Solidarität zur Tradition der Vorrunde der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft geworden. Als Beleg dafür wird das Spiel Bosnien-Herzegowina – Katar angeführt. Nachdem ich mir die Zusammenfassung angesehen habe, konnte ich lediglich eine „Palästina“-Fahne zählen. Allerdings sagte der Kommentator Martin Gräfe im Sportstudio des ZDF, Mahmud Abunada, der Torhüter der katarischen Nationalelf, habe nach der Qualifikation seiner Mannschaft für die WM Geld für den Bau eines Krankenhauses in Gaza gespendet, und bezeichnete dies als „schöne Aktion“. So ganz scheint der Vorwurf, die deutsche Presse würde die pro-„palästinensischen“ Proteste zensieren, also nicht zu stimmen.
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