Terrorsimulation – 10/7 als Computerspiel

Onlinewerbung für das Spiel "Fursan al-Aqsa". Screenshot: Andreas Wolf
Onlinewerbung für das Spiel „Fursan al-Aqsa“. Screenshot: Andreas Wolf

In einem Videospiel kann man in die Rolle eines Hamas-Terroristen schlüpfen und gegen IDF-Soldaten kämpfen. Es ist voll mit antizionistischer Propaganda und erlaubt es dem Spieler sogar, die Terroranschläge auf Israel vom siebten Oktober 2023 nachzuspielen. Obwohl das Spiel mittlerweile von einigen Download-Plattformen entfernt wurde, lässt es sich immer noch herunterladen und spielen.

„Fursan al-Aqsa: The Knights of the Al-Aqsa Mosque“ wurde von Nidal Nijm, einem brasilianisch-„palästinensischen“ Spielentwickler, entwickelt, der in Brasilien lebt. Nijms Vater war Mitglied der „palästinensischen“ Partei „Fatah“ (arabisch für „Eroberung“ oder „Sieg“), die lange die dominierende Kraft innerhalb der „PLO“ (Palestine Liberation Organization) war und heute die wichtigste Partei der „Palästinensischen Autonomiebehörde“ im Westjordanland ist. Unter Jassir Arafat war sie an einem bewaffneten Kampf beteiligt, bei dem auch Zivilisten angegriffen wurden. Dazu zählen Flugzeugentführungen sowie Anschläge und Angriffe auf israelische Zivilisten. In diesem Sinne ist es vertretbar, von der Fatah als eine Organisation mit terroristischer Vergangenheit zu sprechen.

Die „Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden“, die dem Spiel ihren Namen gaben, waren während der zweiten Intifada für zahlreiche Anschläge, darunter auch Selbstmordattentate, verantwortlich und werden von den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie gelten allgemein als der „Fatah“ nahestehend bzw. als ihre bewaffnete Fraktion, auch wenn die Führung der Partei eine direkte organisatorische Verantwortung teils bestritten hat.

Nijms Vater, der 1982 nach dem Libanonkrieg nach Brasilien immigriert ist, ermutigte seinen Sohn, Game Development zu studieren, um ein Videospiel entwickeln zu können, in dem der Westen nicht als Protagonist auftritt und stattdessen der „palästinensische“ Kampf gegen Israel dargestellt werden soll.

Nijm entwickelte das Spiel in einem Zeitraum von zehn Jahren. Er erklärte, er habe mit dem Spiel beabsichtigt, stereotype Darstellungen von Arabern als Terroristen in Videospielen zu unterlaufen und den Spielern zu ermöglichen, in die Rolle von Figuren zu schlüpfen, die er als Freiheitskämpfer betrachtete. Außerdem habe er eine palästinensische Perspektive auf den Konflikt vermitteln wollen und gibt sich selbst als „symbolischen“ Anhänger des radikalen Islam zu erkennen.

Eine erste Demo wurde im September 2021 veröffentlicht und ein Release Date für Dezember 2021 festgelegt. Noch vor diesem Datum verschwand das Spiel aus dem Programm des größten Spieleanbieters „Steam“. Dies geschah kurz nachdem das „International Legal Forum“, eine israelische Interessenvertretung, die „Valve Corporation“, ein US-amerikanisches Spieleentwicklerunternehmen, das auch für „Steam“ verantwortlich ist, darüber informiert hatte, dass das Spiel möglicherweise gegen Anti-Terror-Gesetze in den Vereinigten Staaten verstößt. Zwischenzeitlich scheint das Spiel doch auf „Steam“ erwerbbar gewesen zu sein, seit Dezember 2023 ist es dort allerdings endgültig nicht mehr zu finden.

Kurz nach 10/7 bekam das Spiel ein Update. In der neuen Version konnte man nun die Terrorangriffe auf Israel nachspielen. Spieler konnten dazu entweder in die Rolle eines Hamas-Terroristen schlüpfen oder in die eines Mitglieds der militanten Gruppe „Lion’s Den“, die im Westjordanland aktiv ist. Zu den Missionszielen gehören Selbstmord-Bombenattentate, das Köpfen von Gegnern und andere Angriffe auf das israelische Militär und die Polizei. Obwohl jeder weiß, dass sich die Angriffe vom 7. Oktober 2023 auch gegen Zivilisten – darunter Kinder, Babys, Senioren und Frauen – richteten, stellte sich Nijm in der Spielbeschreibung dumm und wies die Vorwürfe zurück, sein Spiel stachle zu Gewalt gegen Juden an oder propagiere Terrorismus.

Die Webseite, auf der dieses Statement veröffentlicht wurde, schließt mit dem Slogan „From the River to the Sea, Palestine will be free“ und einem Disclaimer, in dem betont wird, dass alle Charaktere und Story des Spiels rein fiktiv seien, es keine antisemitische Propaganda gebe und es lediglich eine virtuelle Repräsentation des „palästinensischen“ Widerstands gegen die „israelische Besatzung“ sei, die offiziell von den Vereinten Nationen (UN) anerkannt sei.

In einem Gameplay-Video eines YouTubers hat dieser Probleme, das Spiel überhaupt zum Laufen zu bringen. Die Spielfigur, die selbstredend mit dem Bluttuch der Judenvernichtung vermummt ist, lässt sich zunächst nicht bewegen und der Streamer braucht eine Weile, um dieses Problem zu lösen. Das Spiel beginnt mit einer Video-Szene, die zeigt, wie die Spielfigur mit einem Gleitschirm in eine israelische Militärbasis eindringt und einen Wachposten von hinten enthauptet. Tatsächlich benutzten Terroristen am 7. Oktober Gleitschirme, um die israelische Grenze zu überwinden und ein Blutbad anzurichten, das als das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust in die Geschichtsbücher einging.

Die Spielfigur dringt mit Hilfe eines Gleitschirms in eine IDF-Basis ein. Screenshot: Andreas Wolf
Die Spielfigur dringt mit Hilfe eines Gleitschirms in eine IDF-Basis ein. Screenshot: Andreas Wolf

Das Ziel der Mission scheint zu sein, alle Gegner zu töten. Am oberen linken Bildrand wird angezeigt, wie viele Gegner durch Kopfschüsse, „Super Headshots“ und „Stealth Kills“ getötet wurden und wie viele „Zionisten“ noch übrig sind. Der Streamer merkt im Video an, dass es sich nicht so anfühle, als hätte man eine andere Aufgabe zu erfüllen, als größtmöglichen Schaden anzurichten und möglichst viele Menschen zu töten.

Am oberen linken Bildschirmrand ist "21 Zionists left" eingeblendet. Screenshot: Andreas Wolf
Am oberen linken Bildschirmrand ist „21 Zionists left“ eingeblendet. Screenshot: Andreas Wolf

Die Bewegungen der Spielfiguren wirken unrealistisch; teilweise scheint eine Gravitation zu herrschen wie auf dem Mond. Das könnte ein Grund dafür sein, dass das Spiel nicht besonders beliebt ist. Laut der israelischen Nachrichtenseite Ynet brachen viele Spieler das Spiel nach dem Herunterladen schnell wieder ab. Newsweek berichtete, dass „Fursan al-Aqsa“ im Oktober 2023 einen Höchststand von zehn gleichzeitig aktiven Spielern erreichte.

Nachdem der Streamer an seiner Mission gescheitert ist und seine Spielfigur gestorben war, zeigt der Bildschirm „You became a martyr“ (Du wurdest zum Märtyrer) an. Ein weiterer Ausschnitt des Videos zeigt, wie im Spiel ein Raketenwerfer gefunden wird. Nach jedem Schuss, den die Spielfigur damit abgibt, sagt diese „Allahu akbar“ (arabisch für „Gott ist größer“).

Pro-„palästinensische“ Aktivisten – oder, wahrheitsgemäß, anti-israelische – benutzen jedes Mittel, um ihre Propaganda zu verbreiten. Doch gerade die Form des Computerspiels erscheint besonders gefährlich, denn die Zielgruppe hierfür sind größtenteils Jugendliche. „Fursan al-Aqsa“ steht in Deutschland auf keinem strafrechtlichen Index und ist nicht beschlagnahmt, aber es ist im Handel gesperrt, weil es keine deutsche Jugendschutz-Zertifizierung besitzt. Allerdings ist es ein Leichtes, an das Spiel zu gelangen. Im Internet genügt eine kurze Suche bei Google oder einer anderen Suchmaschine, und man gelangt an mehrere Anbieter, die das Spiel im Sortiment haben und bei denen es jederzeit heruntergeladen werden kann. Gerade Jugendliche sind leicht beeinflussbar, und das Spiel ist klar als Werkzeug zur antizionistischen Indoktrination zu erkennen.

Als Israel zwei Tage nach dem Terrorangriff der Hamas noch unter Schock stand, kommentierte ein Spieler auf der Webseite des Spiels: „They made this game in real life“ (Sie haben das Spiel zur Realität gemacht), worauf der Entwickler Nijm antwortete: „They made a Live Action Trailer“ (Sie haben einen Live-Action-Trailer gemacht).

Für manche mag die Gewalt, die das Spiel darstellt, ausschließlich virtuell und nicht real sein, für Israelis und Juden ist „Fursan al-Aqsa“ eine Erinnerung an das genozidale Ziel der Hamas und ihrer Verbündeten: die vollständige und totale Vernichtung Israels und der Juden auf der ganzen Welt.

 

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