
Der Moderator des Interview-Formats Jung & Naiv. sieht sich wieder einmal mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert.
Das Schema der Diskreditierung und des Ablenkens versucht er aktuell in den sozialen Medien, wie die folgenden Screenshots zeigen:



Er behauptet aus dem Kontext gerissen worden zu sein oder das eben nur Medien, die seine Bubble als das Böse empfindet ihn kritisieren würden. Dass Kritik auch von anderen Medien und Personen kam, wird dabei natürlich geflissentlich außen vor gelassen, um das ganze als Kampagne von rechts hinzustellen – oder eben von Leuten attackiert zu werden, die ja eigentlich auf seiner Seite stehen müssten, aber ihm in den Rücken fallen (Igor Levit).
Zudem zitiert er ausgerechnet Ilka Quinau, die eben das sagt, was Israelhasser auch immer sagen, wenn sie für israelfeindliche Äußerungen kritisiert werden: Wenn man die Regierung kritisiert, dann würde inflationär der Antisemitismusbegriff genutzt. Frau Quinaus merkwürdige Vorstellungen von Antisemitismus wurden hier bereits thematisiert. Auch kein Wort dazu, wo der Vortrag stattfand, im Jüdischen Museum Berlin. Dieses wurde bereits mehrfach wegen seines Umgangs mit dem Thema Antisemitismus und seiner Auswahl von Referenten kritisiert. Das auch Frau Ilka Quinau ausgerechnet dort auftritt, ist wenig verwunderlich. Es wird deutlich: Das Video wird nur geteilt, um sich in Opferpose zu bringen: Seht her, ich Tilo Jung werde diffamiert, ich armes Opfer! Diese Farce ist so langweilig wie durchschaubar.
Ebenso will er über Ethnonationalismus reden. Dafür führt er Kenneth Roth an. Kenneth Roth erhebt seit Jahren schwerwiegende Vorwürfe gegen Israel und gehört zu den prominentesten Vertretern der Apartheid- und Genozidthese. Bereits 2021 erklärte Roth als damaliger Direktor von Human Rights Watch, Israel begehe die Verbrechen der Apartheid und Verfolgung. Dass Kenneth Roth seit Jahren massiv kritisiert wird, hindert Tilo Jung nicht daran, ihn als Autorität für seine Rechtfertigung heranzuziehen.
Israel ist ein multiethnischer und multireligiöser Staat. Rund 76,6 % der Bevölkerung sind Juden. Etwa 20,9 % sind arabische Israelis bzw. Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft. Innerhalb dieser Minderheit bilden Muslime mit rund 18 % der Gesamtbevölkerung die größte Gruppe, hinzu kommen etwa 2 % Christen und rund 1,6–2 % Drusen. Darüber hinaus leben in Israel kleinere Minderheiten wie Beduinen, Tscherkessen, Samaritaner, Bahai sowie Angehörige weiterer Religionsgemeinschaften. Arabisch besitzt neben Hebräisch einen besonderen gesetzlichen Status und Minderheiten sind in Parlament, Justiz, Hochschulen und dem Gesundheitswesen vertreten. All das passt nicht zu Definitionen von Ethnonationalismus und Apartheid. Also muss man auch das nicht durchgehen lassen. Im Gegenteil ist es klar zu benennen, dass es sich hier ganz klar um projektiven Antisemitismus handelt – und aus Sicht des Autors verkennt Jung Herr Jung, dass Falschbehauptungen nicht wahr werden, wenn vermeintliche Autoritäten sie ständig wiederholen. Diese reproduzieren selbst projektiven Antisemitismus, ob es ihm ins Weltbild passt oder nicht.
Nun ist Jung vertritt nicht nur immer wieder die Behauptung Israel, sei ein ethnonationalistischer Staat, er hält weiterhin am Genozidvorwurf fest. Wie Jung vollkommen fanatisch an der Genozidlüge festhält und dabei komplett übergriffig ist und dabei sogar bereit ist es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, hat Tobias Huch bereits thematisiert, der diesen als Pro-Hamas Aktivist und Lügner einordnet. Auch U.M. ordnete die Sendung inhaltlich überzeugend ein.
Der Genozidvorwurf gegen Israel steht nicht isoliert, sondern wird von mehreren Antisemitismusforschern und Institutionen in die Tradition der historischen Ritualmordlegende (Blood Libel) eingeordnet. Die Anti-Defamation League (ADL) bewertet den pauschalen Genozidvorwurf gegen Israel als Form der Dämonisierung und weist darauf hin, dass der Begriff häufig ohne Erfüllung der völkerrechtlichen Voraussetzungen verwendet wird. Der Historiker Raphael Israeli beschreibt Genozid- und ähnliche Vernichtungsvorwürfe gegen Israel als moderne Ableger der mittelalterlichen Ritualmordlegende, die das historische Muster der Dämonisierung von Juden auf den jüdischen Staat übertragen. Auch der Soziologe David Hirsh bezeichnet die Behauptung, Israel begehe einen Genozid, ausdrücklich als moderne Form der Blood Libel, weil sie das traditionelle Motiv des vorsätzlich mordenden Juden auf den Staat Israel projiziere.
Nun ist Herr Jung nicht allein das Problem, denn er gehört einem Milieu an, dass sich für moralisch auf der richtigen Seite hält und ihm auch Legitimität zuspricht. Schaut man genau hin, findet sich dort ein wiederkehrendes Muster: Antisemitismus wird vor allem dann thematisiert, wenn er sich gegen andere politische Lager richten lässt. Geht es um antisemitische Narrative gegenüber Israel oder um problematische Aussagen aus dem eigenen politischen Umfeld, dominieren Relativierungen, Ausweichbewegungen oder der Verweis auf die israelische Regierung oder die Antisemitismuskeule gegen einen selbst. Diese Asymmetrie zieht sich wie ein roter Faden durch das beschriebene mediale und publizistische Umfeld. Wenn dies nicht geschieht, dann ist Schweigen die andere Option.
Jung ist zum Beispiel mit Georg Restle befreundet, jemand, der ebenfalls wegen antisemitischer Narrative in der Kritik steht. Ihm gegenüber durfte er sich auch als gefährlicher Investigativjournalist bezeichnen, der vom Mossad beobachtet wird (als hätte dieser nicht wichtigeres zu tun).
Auch Medien, die mal als Faktenchecker angefangen haben, meinen seine Videos teilen zu müssen. Besonders bemerkenswert, wenn es ausgerechnet das Video aus der Sendung ist, in der es zum Eklat kam, während man Jungs ganzen Behauptungen natürlich keinem Faktencheck unterzieht.
Dass in der kritisierten Sendung auch Ulrike Herrmann zu Gast war, die den Westend Verlag verließ, weil ein Buch von Julian Reichelt dort erschien. Dafür hatte sie all die Jahre davor kein Problem mit den Veröffentlichungen des Verlages. Sie verließ mit Hans Jessen die Sendung, weil ihr die Diskussion um den Genozid zu anstrengend ist. Sobald mal wirklich Haltung und Mut gefragt ist, sieht man da, wie dieses Milieu einknickt. Da kann man Albrecht von Lucke nicht genug danken, der Tilo Jung Gegenrede geliefert hat. Dass man in der Situation so vielen Nebelkerzen, Ablenkungsmanövern und Autoritätsargumenten es schwer hat, ist nachvollziehbar, man sollte aber eben Leuten wie Jung auch nicht auf Augenhöhe begegnen, schon das ist ein Fehler.
Tilo Jung und seine Bubble ist eben für Leute, die kritische Pose lieben, kritische Theorie aber hassen: USA böse, Politiker sind alle korrupt, faschistische Regime im Nahen Osten sind im Zweifelsfall besser als der Westen und Antisemiten das sind immer die anderen, Vorwürfe gegen einen selbst, sind nur Versuche Kritik an Israel abzuwenden und irgendwas mit Menschlichkeit ist wichtig und wenn man eben meint Israel stört das, was man mit Menschlichkeit meint wird man das ja wohl sagen dürfen, egal wie inhaltlich falsch es auch ist. Eben das, was Leute, die kritische Pose lieben, kritische Theorie aber hassen zu wissen glauben. Immerhin kann sich Tilo Jung sicher sein in so einem Milieu nicht kritisiert zu werden und für sein Gehabe vielleicht sogar noch Solidarität zu erfahren.
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