17.09.2019, ich laufe meine übliche Trainingsstrecke. 10,5 km, 47:47 Minuten, entspannter Puls. Ich bin topfit. Am 03.10. steht in Münster der Münsterland Giro an, das letzte Radrennen der Saison, 134 km. Vermutlich habe ich mich über die Zeit gefreut und war glücklich. Erinnern kann ich mich nicht mehr, dafür gibt es aber digitale Trainingstagebücher. Wirkliches Glück hatte ich 24 Stunden später.
Nach dem Revierderby am Samstag in Dortmund. Foto: Michael Kamps
Es war schon im Vorfeld klar, dass diese Woche für Borussia Dortmund eine wegweisende werden würde. Auswärts bei RB Leipzig und Manchester City, dazu das emotionale Revierderby gegen den FC Schalke 04. Da war keine seriöse Prognose über den Ausgang der Spiele abzugeben. Drei Siege? Drei Niederlagen? Nichts schien unmöglich. Die Leistungen der Dortmunder waren in den Wochen zuvor einfach zu wechselhaft um eine seriöse Vorhersage zu wagen.
Jetzt, nachdem die drei Begegnungen hinter der Elf von Trainer Edin Terzic liegen steht fest, dass der BVB nach wie vor nicht wirklich zu greifen ist. Zwei Pleiten in Leipzig (0:3) und Manchester (1:2) steht der knappe aber verdiente Derbysieg (1:0) vom Samstag gegenüber. Die Schwarzgelben mussten sich also zwei blaue Augen verpassen lassen, können aber nach dem Sieg im Derby trotzdem mit einem Lächeln im Gesicht in die zweiwöchige Pause gehen. Wirklich schlau wird man aus den Borussen in den ersten Wochen der Saison 2022/23 also noch immer nicht.
Auch der gefühlt längste Sommer seit Jahrzehnten geht irgendwann einmal zu Ende. Die Tage werden kürzer, man hat wieder mehr Zeit für ein paar gemütliche Stunden auf der heimischen Couch. Der nun anstehende Herbst ist traditionell die Jahreszeit zahlreicher Buchneuerscheinungen.
Nach zwei relativ mageren Corona-Jahren, ist der Kalender in diesem Jahr diesbezüglich wieder prall gefüllt mit interessanten Titeln. Die ersten beiden aus dem Sportbereich sind mir in dieser Woche auch schon ins Haus geflattert. Und wie könnte es unmittelbar vor dem Revierderby und der danach anstehenden zweiwöchigen Pause in der Fußball-Bundesliga passender sein, handelt es sich dabei um zwei aktuelle Chroniken der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04, der beiden großen Ruhrgebietsvertreter in dieser Sportart.
Pyrotechnik beim Duell St. Pauli gegen HSV. Archiv-Foto: Daniel Jentsch
Die Corona-Pandemie hat den Fußballfans in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Über viele Monate war der Zugang zu den Stadien hierzulande eingeschränkt, oder sogar völlig unmöglich. Die ungeliebten Geisterspiele verleideten einem lange den Spaß an diesem eigentlich so tollen Sport. Und auch Begegnungen mit Teilzuschauermengen, wie sie zwischenzeitlich durchgeführt wurden, waren für Fans und Spieler nicht der Hit. Stimmungstechnisch, aber auch aufgrund des unverändert hohen Gesundheits-Risikos für die Zuschauer.
Groß war daher die Freude, als diese Einschränkungen bei Großveranstaltungen zuletzt wieder wegfielen. Seit Saisonbeginn 2022/23 sind Corona-Einschränkungen im Fußball eigentlich jetzt schon gar kein Thema mehr. Obwohl das Virus natürlich noch immer da ist und auch eine Ansteckung mit dem Corona-Virus natürlich nicht nur noch immer möglich ist, sondern eben auch ganz konkret droht. Der Alltag hat uns auch in diesem Bereich des Lebens trotz allem inzwischen weitestgehend wieder, was das betrifft.
Leider sind damit zugleich aber auch viele unschöne Randerscheinungen des modernen Profifußballs auf die Tagesordnung zurückgekehrt. Manche sogar scheinbar mehr als vor der Pandemie. Fanrandale und die Debatten über Pyrotechnik in den Stadien zum Beispiel. Kaum noch ein Spieltag, egal ob in Bundesliga oder auf internationalem Parkett, an dem diese Unarten nicht zu beobachten wären. Fast hat man den Eindruck, einige Chaoten wollen hier derzeit nachholen, was ihnen seit dem Frühjahr 2020 meist durch die Restriktionen verwehrt blieb.
Erling Haaland und Aki Watzke einst in Dortmund. Archiv-Foto: BVB
Am Mittwochabend trifft der BVB in der UEFA Champions League auswärts auf Manchester City. Eigentlich ein Fußballfesttag, auf den sich jeder Dortmunder freuen müsste. In diesen Tagen ist das jedoch anders.
Collinas Erben haben Twitter einstweilen Verlassen. Screenshot: Twitter
Die Schiedsrichterexperten ‚Collinas Erben‘ um Alex Feuerherdt haben ihren Twitter-Account nach einer Welle von Beleidigungen und Hassbotschaften gelöscht. Das sorgt für Diskussionen. Auch bei den Ruhrbaronen.
Heute Mittag erreichte mich zwischen Tür und Angel die Nachricht von der Freistellung von Trainer Thomas Reis beim VfL Bochum. Ganz überraschend kam die Pressemeldung von der Castroper Straße natürlich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Dennoch stimmt einen die Info nachdenklich.
Zwar verlor der VfL am Samstag das von der Bild-Zeitung schon im Vorfeld spielerisch als ‚Entlassico‘ betitelte Duell beim FC Schalke 04 mit 1:3, rangiert damit auch nach Spieltag 6 in der 1. Fußball-Bundesliga ohne Punkte auf der Habenseite auf Rang 18, doch hätte man sich von den Bochumern als neutraler Beobachter den Entwicklung in der Trainerfrage etwas mehr Durchhaltevermögen gewünscht.
Die Stimmung beim VfL Bochum war nach der heutigen Trainer-Entlassung schon mal besser | Foto: Peter Hesse
Union Berlin und der SC Freiburg führen die Tabelle an, der FC Bayern „nur“ auf Platz 3, der BVB auf Platz 5. Was nach dem sechsten Spieltag ein bisschen nach 1. April klingt ist tatsächlich zur Realität geworden. Außerdem ist Thomas Tuchel bei Chelsea rausgeflogen und Max Kruse bekommt eine deutliche medienwirksame Abmahnung. Ja, ist denn schon die fünfte Jahreszeit angebrochen? Thommy Junga und Peter Hesse probieren ein paar Ereignisse klar zu stellen – und orakeln, wer neuer Trainer in Bochum werden könnte. Bitte nur niemand aus der Bruno Labbadia- oder Jürgen Klinsmann-Schublade…
Ex-Bochum-Coach Thomas Reis. Archiv-Foto: VfL Bochum 1848
Der VfL Bochum 1848 hat Cheftrainer Thomas Reis und Co-Trainer Markus Gellhaus von ihren Aufgaben entbunden und mit sofortiger Wirkung freigestellt. Heiko Butscher, Trainer der U19, übernimmt interimsweise die Aufgaben von Reis.
Nicht immer kann man im Leben so schön fröhlich bleiben. Foto: Robin Patzwaldt
Manchmal wundert man sich ja über die Sensibilität von Leuten, die eigentlich schon länger in der Öffentlichkeit stehen, und daher Widerspruch (auch in einem manchmal sehr rauen Ton) eigentlich gewohnt sein müssten. Als ich zwischen 2010 und 2012 noch in der Lokalpolitik unterwegs war, da stand unser damaliger Ortsverbandschef bei den Grünen häufig im Kreuzfeuer der Kritik. Sowohl lokal, als auch auf Landesebene. Als ich ihn einmal darauf ansprach, wie er das aushalten könne, da meinte er zu mir nur lapidar ‚Wer seinen Kopf aus dem Fenster hält, der muss mit Wind rechnen“.
Warum ich das heute hier erwähne? Weil ich seit dieser Aussage von vor gut zehn Jahren schon häufig daran zurückdenken musste. Erst heute wieder wurde ich mit einer aus meiner Sicht erstaunlichen Sensibilität von Medienschaffenden konfrontiert, die mich doch sehr verwundert.