Häme, Hochmut und harte Realität: Rot-Weiss Essen erlebt die ganze Brutalität des Fußballs

Vor dem Spiel in Fürth zeigte sich der Essener Fanblock noch selbstbewusst und gut gelaunt. Foto: Ruhrbarone

Die Bilder vom Dienstagabend in Fürth werden die Fans von Rot-Weiss Essen noch lange verfolgen. Spieler, die völlig entkräftet auf dem Rasen zusammensacken. Mitgereiste Anhänger, die fassungslos ins Leere starren. Und ein Klub, der den Aufstieg in die 2. Bundesliga nach 19 Jahren Sehnsucht auf dramatische Art und Weise verspielt hat.

Ausgerechnet jetzt fällt vielen Beobachtern wieder jene Szene vom Relegations-Hinspiel ein, als Essener Fans demonstrativ einen mutmaßlich aus Duisburg gestohlenen Torpfosten im Stadion präsentierten. Eine Aktion, die damals als kreativer Spott gefeiert wurde. Heute wirkt sie wie ein Sinnbild für die gefährliche Grenzüberschreitung zwischen Rivalität und Überheblichkeit.

Denn der Fußball hat seine ganz eigene Art, Rechnungen zu begleichen.

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Die Relegation, die eigentlich niemand gewinnen dürfte

Das kleine Stadion in Paderborn. Quelle: Wikipedia, Foto: Sunnysteffen, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt diese Fußballabende, an denen man als neutraler Zuschauer eigentlich nur verlieren kann. Der heutige gehört zweifellos dazu. Wenn der VfL Wolfsburg und der SC Paderborn ab 20:30 Uhr am Pfingstmontag um den letzten Platz in der Bundesliga kämpfen, geht es zwar offiziell um Millionen, Prestige und sportliche Existenz.

Für viele Fußballromantiker geht es aber vor allem um eine unangenehme Erkenntnis: Egal, wer gewinnt – so richtig freuen kann man sich darüber nicht.

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Relegation 1986: Als der BVB plötzlich vor dem Abgrund stand

Drei Jahre später kämpfte der BVB 1989 dann in Berlin um den DFB-Pokal. Foto: Patzwaldt

Es gibt diese Momente im Leben eines Fußballfans, die sich für immer einbrennen. Spiele, Tore, Niederlagen oder Triumphe, die Jahrzehnte später noch sofort Bilder im Kopf erzeugen. Für viele jüngere Anhänger von Borussia Dortmund sind das vermutlich Meisterschaften, Champions-League-Abende oder emotionale Duelle gegen Bayern München. Für mich aber war es etwas ganz anderes: der nackte Überlebenskampf im Frühjahr 1986.

Hätte der BVB kürzlich nicht selbst daran erinnert, ich hätte beinahe vergessen, dass diese dramatische Relegation gegen Fortuna Köln inzwischen tatsächlich schon 40 Jahre (!!!) zurückliegt. Vier Jahrzehnte! Und doch fühlt sich vieles daran für mich noch immer erstaunlich nah an.

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Ein Aufstieg von Rot-Weiss Essen wäre ein Lebenszeichen des gesamten Ruhrgebiets

Das Stadion in Essen. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Wenn an der Essener Hafenstraße am heutigen Freitagabend das Flutlicht brennt, geht es längst nicht mehr nur um zwei Fußballspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth. Für Rot-Weiss Essen geht es um die vielleicht wichtigste sportliche und wirtschaftliche Chance der vergangenen Jahrzehnte – und für das gesamte Ruhrgebiet um ein weiteres Stück Fußball-Identität auf großer Bühne.

Das Revier lebt vom Fußball. Es lebt von Rivalitäten, von ausverkauften Stadien, von Traditionsvereinen und von Geschichten, die weit über Tabellenplätze hinausgehen. Genau deshalb wäre ein Aufstieg von RWE in die 2. Bundesliga so bedeutend. Während Vizemeister Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 künftig wieder gemeinsam die 1. Fußball-Bundesliga mit ihrer traditionsreichen Rivalität bereichern werden, könnte die zweite Liga ebenfalls ein echtes Ruhrgebiets-Gesicht hinzubekommen.

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Elversbergs Bundesliga-Märchen: Sportlicher Triumph, struktureller Rückschritt?

Foto: Robin Patzwaldt

Die SV Elversberg hat geschafft, was noch vor wenigen Jahren selbst kühne Optimisten für ausgeschlossen gehalten hätten: Der Klub aus einem Ort mit gerade einmal rund 13.000 Einwohnern steigt direkt in die Bundesliga auf.

Nach dem souveränen 3:0 gegen Preußen Münster sicherten sich die Saarländer Platz zwei hinter Schalke 04 – und schreiben damit eines der außergewöhnlichsten Kapitel der jüngeren deutschen Fußballgeschichte.

Was dort geleistet wurde

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Düsseldorfs schwarzes Jahr 2026: Der Soundtrack einer Stadt verstummt

Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt Nachrichten, die weit über den Moment hinaus wirken. Meldungen, die sich wie ein Schatten über eine ganze Stadt legen. Für Düsseldorf dürfte 2026 genau ein solches Jahr werden.

Als kürzlich bekannt wurde, dass die Toten Hosen ihr letztes Album veröffentlichen und anschließend auf Abschiedstournee gehen werden, endete damit nicht nur ein bedeutendes Kapitel deutscher Musikgeschichte. Es bröckelte zugleich eines der wichtigsten kulturellen Fundamente der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Fast noch bitterer mutet an, was sich heute auf dem Rasen abspielte. Fortuna Düsseldorf, jener Verein, der wie kein anderer mit den Toten Hosen verbunden ist, vollendete am letzten Spieltag der Zweitligasaison 2025/26 das sportliche Desaster.

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Der Tag, an dem der MSV der Stadt Duisburg zumindest für ein paar Stunden neues Leben einhauchte

Endlich mal wieder was los in Duisburg. Foto(s): privat

Die große Duisburger Hoffnung auf eine Rückkehr auf eine größere Bühne zerplatzte an diesem Samstagmittag auf brutalste Weise – und das ausgerechnet in einem Moment, als die Rückkehr in höhere Fußballsphären zum Greifen nah erschien.

Der MSV Duisburg hatte sich über Monate hinweg in eine Position gearbeitet, in der der Traum von der lange ersehnten Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga endlich Realität werden konnte. Es brauchte nur noch einen Heimsieg und zumindest die Relegation wäre dem MSV nicht mehr zu nehmen gewesen. Gegen die Viktoria aus Köln, für die es in diesem Spiel schon um nichts mehr ging, sollte das doch doch wohl möglich sein. Die Stadt war elektrisiert, die Menschen euphorisiert, die Straßen rund um das frühere ‚Wedaustadion‘ überfüllt mit Hoffnung, Bierdunst und blau-weißer Leidenschaft. Duisburg lebte. Zumindest für ein paar Stunden.

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David gegen David – Wenn die Bundesliga-Relegation ihren Reiz verliert

Foto: Robin Patzwaldt

Die SV Elversberg gegen den 1. FC HeidenheimRelegation zur 1. Fußball-Bundesliga. Auf dem Papier klingt das nach einem durchaus spannenden Duell. Doch bei näherer Betrachtung wird klar: Dieses Aufeinandertreffen entlarvt die Relegation als das, was sie längst geworden ist – ein Format, das nur noch selten hält, was es verspricht. Denn wenn am Ende der Saison zwei fußballerische Leichtgewichte gegeneinander antreten, verliert das Spektakel seine Strahlkraft – und dadurch seine Anziehungskraft auf die Masse der neutralen Fans.

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Rettet am Ende ein Feuerzeugwurf dem VfL Bochum die Bundesligazugehörigkeit?

Ruhrstadion Bochum (Foto: Roland W. Waniek)

Am Donnerstag beförderte nicht nur die umstrittene vorzeitige Vertragsverlängerung von Sportdirektor Sebastian Kehl beim BVB die Diskussionen unter den Fußballfans hier im Ruhrgebiet. Noch stärker als diese Entscheidung sorgte ein Urteil des DFB-Sportgerichts für Aufsehen. Dieses hatte dem VfL Bochum erstinstanzlich alle drei Punkte aus dem Skandalspiel bei Union Berlin zugesprochen, welches eigentlich mit einem 1:1-Unentschieden geendet hatte.

Nachdem VfL-Torwart Patrick Drewes in der Nachspielzeit von einem Feuerzeug am Kopf getroffen wurde und das Spiel erst nach einer gut 20-minütigen Unterbrechung und ohne Drewes fortgesetzt werden konnte, erhielt der VfL am „Grünen Tisch“ einen 2:0-Sieg zugesprochen. Das Urteil kam für langjährige Beobachter der Szene nicht wirklich unerwartet, könnte uns alle aber noch für lange Zeit beschäftigen.

Man stelle sich nur einmal vor, die Bochumer hielten am Ende auch dank dieser zwei Zähler tatsächlich noch die Klasse. Die Entscheidung der Sportrichter in Frankfurt am Main hätte eine Dimension und Reichweite erreicht, wie sie keinem Fußballfan gefallen kann.

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