
Das Dahabflex-Konzert ist vorbei. Unter der Instagram-Werbung für die nächste Neuköllner Blockparty wünscht sich ein Kommentator schon Dahabflex und Erzin als Überraschungsact – bestätigt ist ein weiterer Auftritt nicht.
Für die weitere Selbstzerlegung braucht die Berliner Linke sowieso keine musikalische Begleitung mehr. Elif Eralp (Die Linke) möchte Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Die Linksjugend Neukölln fordert die eigenen Kandidierenden dagegen auf, eine Regierungsbeteiligung auszuschließen.
Die Spitzenkandidatin bewirbt sich ums Rathaus. Der Nachwuchs übt schon Opposition gegen ihren Einzug.
Die Revolution kennt keine Koalitionsverhandlungen
Im Instagram-Beitrag vom 6. September 2026 richtete sich die Linksjugend [’solid] Neukölln an Kandidierende in Berlin und im Oblast Sachsen-Anhalt.
Sie forderte sie auf, „euch klar gegen Regierungsbeteiligung zu stellen“. Stattdessen solle die Partei „Parlament und die Wahlen als Bühne des Klassenkampfes nutzen“. Den Text veröffentlichte auch Klasse gegen Klasse als Gastbeitrag der Jugendgruppe.
Die Begründung: Regierungsarbeit würde aus Sicht der Verfasser kapitalistische Eigentumsverhältnisse absichern und die Partei an die Staatsräson binden. Das stehe ihrer gewünschten Unterstützung der Schulstreiks entgegen. Eralp und dem Landesvorstand werfen sie politische Zugeständnisse gegenüber der SPD vor. Das sind Positionen der Jugendgruppe, keine Beschlüsse des Landesverbands.

Auch die Auflösung des Verfassungsschutzes verlangt der Aufruf. Eine neue programmatische Entdeckung ist das nicht: Schon das Bundestagswahlprogramm 2025 fordert, ihn durch eine unabhängige Beobachtungsstelle zu ersetzen. Der aktuelle Konflikt liegt im ausdrücklichen Nein zum Mitregieren.
Geschlossenheit mit Gegenprogramm
Eine bereits zuvor verbreitete separate Erklärung der Vernetzung „Linke in der Linken“ auf der Website der Berliner Linksjugend lehnt ebenfalls eine erneute Koalition mit SPD und Grünen ab.
Die Landesführung hält dagegen: „Dass wir ins Rote Rathaus einziehen wollen, daran besteht überhaupt kein Zweifel“, erklärte Landesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Bjoern Tielebein gegenüber WELT, wie die Zeitung am 8. September 2026 berichtete. Seine Antwort bezog sich auf die Anti-Regierungs-Kampagne insgesamt.

Die Wähler sollen also möglichst zahlreich den Regierungsauftrag erteilen. Ob die Partei ihn anschließend lieber zurückschickt, wird vorsorglich schon intern besprochen.
Die Vorgeschichte hat inzwischen gefühlt mehr Bände als die Marx-Engels-Gesamtausgabe
Der Streit trifft eine Partei, deren Verhältnis zu möglichen Koalitionspartnern bereits unter Beobachtung steht. Dazu gehören die Reaktionen auf Hannah Bruns (Ruhrbarone: Bruns und die Koalitionspositionen der anderen Parteien) und die am 9. September 2026 dokumentierten eher ausweichenden Antworten der SPD auf unsere Anfrage (Ruhrbarone: Zehn Fragen an die SPD). Eralps eigenes Auftreten haben wir am Beispiel ihres Festnahmeversprechens für Netanjahu geprüft (Ruhrbarone: Eralps Versprechen und die Rechtslage).
Dass Neukölln und die Landesführung unterschiedliche Botschaften senden, zeigte schon die Konzertaffäre: von der Künstlerauswahl über den Widerspruch zur Distanzierung bis zu den Warnungen aus der Partei (Ruhrbarone: Dahabflex und die Künstlerauswahl) (Ruhrbarone: Neuköllns Widerspruch zur Landesführung) (Ruhrbarone: Warnungen und weitere Eskalationen).
Weitere Texte dokumentieren Beiträge und Aktionen der Palästina-LAG und anderer beteiligter Gruppen.
Sie sind diesen Akteuren zuzurechnen, nicht pauschal dem Landesvorstand (Ruhrbarone: Solidarität mit dem verbotenen Palästina e.V.) (Ruhrbarone: Intifada-Parolen und Instagram-Reaktionen) (Ruhrbarone: Gemeinsame Aufrufe mit dem VPNK) (Ruhrbarone: Camp-Werbung mit Bruns, Doğru und Ragab).
Zur Vorgeschichte gehören außerdem unsere Prüfungen der Neuköllner Kommunikation über Islamismus (Ruhrbarone: Neuköllns Umgang mit Islamismus) und des gemeinsamen Nakba-Beitrags (Ruhrbarone: Nakba-Beitrag und Einstaatenforderung).
Ein Kreuz, zwei Gebrauchsanweisungen
Opposition ist eine legitime politische Entscheidung. Nur ist es ein eigenwilliges Angebot, gleichzeitig um das Rathaus zu werben und aus den eigenen Reihen vor dem Einzug zu warnen. Einigkeit besteht offenbar darin, dass die Wähler ein Kreuz machen sollen. Über dessen Verwendungszweck wird noch beraten.
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