
Die Berliner Linke hat für jeden das passende Angebot. SPD und Grüne bekommen Zusagen. Vanessa Emde bekommt Solidarität. Kurz vor der nächsten Beratung über die umstrittene Abgeordnete verbreiten die Palästina-Arbeitsgemeinschaften Rückendeckung von Landesvize Martha Kleedörfer.
Aus dem Pali-Flügel kommt eine weitere Nachricht: Die Aktivistin Nala meldet ihre Wahl zur Bundessprecherin. Die Führung sucht eine Regierungsmehrheit. Der Flügel baut seine Stellung aus.
Martha Kleedörfer liefert das Grußwort
Am 25. Oktober 2026 veröffentlichen die Berliner LAG Palästinasolidarität, die Bundesarbeitsgemeinschaft und Hannah Bruns’ Account gemeinsam ein Instagram-Reel. Zu sehen ist Martha Kleedörfer, stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Linken, bei einem Grußwort auf der Mitgliederversammlung der BAG Palästinasolidarität. Nach dem Begleittext fand der Auftritt am Vortag statt.
Die Verfasser heben ausdrücklich hervor, Kleedörfer (
Martha Kleedörfer spielt Enteignung – Berlin darf bezahlen) habe sich mit Hannah Bruns und Vanessa Emde solidarisiert. „Zusammenstehen gegen die rechte Hetze!“, schreiben die Accounts zu der Rede.

Solidarität mit einer Person bedeutet nicht automatisch Zustimmung zu jeder ihrer Aussagen. Aus dem Beitrag lässt sich auch kein Beschluss des Landesvorstands gegen einen Fraktionsausschluss ableiten. Politisch belanglos ist der Auftritt deshalb nicht. Hier spricht keine beliebige Zuschauerin am Rand der Partei. Hier steht eine stellvertretende Landesvorsitzende am Mikrofon – und der Flügel präsentiert ihren Auftritt als Rückendeckung.
Für die möglichen Koalitionspartner ist das ein aufschlussreicher Service: Die Partei zeigt schon vor dem Einzug ins Rote Rathaus, wie unterschiedlich ihre Zusagen intern ankommen.
Emde: Die Unterschrift und das Danach
Der Konflikt hat einen konkreten Anlass. Emde unterschrieb am 13. Oktober 2026 die Erklärung ihrer Fraktion mit dem Bekenntnis zu Israels Existenzrecht. Zwei Tage später bekräftigte sie öffentlich ihre bisherige Position, Staaten hätten kein Existenzrecht, sondern Menschen. Die Fraktionsspitze sah daraufhin keine Grundlage mehr für die Zusammenarbeit.
Am 15. Oktober 2026 erklärte Emde, keine ihrer Aussagen zurückzunehmen, und warf SPD und Grünen ein „Schmierentheater“ vor. Die Vorgeschichte zeigt, wie wenig ihre Unterschrift den Streit beendet hat.
Nach dem dpa-Bericht vom 25. Oktober 2026 soll der Umgang mit Emde am Dienstag, 27. Oktober 2026, erneut beraten werden. Ein Fraktionsausschluss ist damit noch nicht beschlossen. Am 31. Oktober 2026 steht außerdem die Entscheidung des Landesparteitags über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen an.
Das sind zwei verschiedene Entscheidungen. Politisch gehören sie trotzdem zusammen: Wer gegenüber SPD und Grünen Verbindlichkeit verspricht, muss erklären können, was die eigene Unterschrift innerhalb der Fraktion eigentlich bindet. Eine Erklärung, deren Bedeutung zwei Tage später wieder offen ist, taugt immerhin noch als Terminankündigung für die nächste Krisensitzung.
Auch aus der Bundesspitze kam Rückendeckung: Luigi Pantisano bekannte sich zu Israels Existenzrecht und verteidigte zugleich Emdes umstrittene Aussage. Die Berliner Fraktionsführung darf die Verbindlichkeit herstellen, während der Co-Parteichef den Auslegungsspielraum erläutert.
Nala meldet ihre Wahl – und mehr Druck
Am selben Sonntag meldet Nala auf ihrem Instagram-Account @nalaversum, sie sei zur Bundessprecherin der BAG Palästinasolidarität gewählt worden. Die Berliner LAG veröffentlicht das Reel mit. Nala bedankt sich bei ihren Wählern und kündigt an, die BAG weiter voranzutreiben. Ihr Versprechen: „Gemeinsam erhöhen wir den Druck!“

Das ist zunächst ihre eigene Mitteilung über die Wahl. Ihr politischer Anspruch ist dagegen schon länger dokumentiert: Mehr Mitglieder für die Arbeitsgemeinschaften zu gewinnen, um mehr Einfluss auf die eigene Partei auszuüben. Aus der Bewerbung wird nach ihrer Darstellung nun ein Amt.
Der Flügel beschränkt sich offenbar nicht darauf, der Führung gelegentlich die Laune zu verderben. Er organisiert sich.
Schon bei ihrer Kandidatur im September begründete Nala die Mitgliederwerbung ausdrücklich mit mehr Druck innerhalb der Linken. Die Berliner Palästina-LAG gab diesem Programm bereits damals eine gemeinsame Bühne.
Die Koalitionspartner dürfen sich gedulden
Die neuen Beiträge stehen neben dem längst öffentlichen Widerstand gegen den Regierungskurs. Sie ersetzen ihn nicht. Kleedörfers Auftritt liefert dem Flügel politische Rückendeckung aus dem Landesvorstand; Nalas Wahlmeldung steht für seinen weiteren organisatorischen Ausbau. Eine gemeinsame Steuerung aller Beteiligten belegt das nicht. Für SPD und Grüne macht schon das öffentlich Sichtbare die Sache kompliziert genug.
Die Palästina-Arbeitsgemeinschaften mobilisieren gegen den Regierungskurs und diskreditieren die möglichen Partner SPD und Grüne. Die Linksjugend hält linke Regierungspolitik gleich grundsätzlich für unmöglich. Die innerparteiliche Opposition arbeitet auf mehreren Ebenen.
Eine Koalition verlangt keine Partei, in der alle dasselbe denken. Sie verlangt aber Partner, die für ihre Zusagen einstehen. Ob die Berliner Linke dazu bereit ist, entscheidet sich nicht an der Schönheit der nächsten Erklärung. Es entscheidet sich am Umgang mit dem Widerspruch in den eigenen Reihen.
Für SPD und Grüne bliebe in einer solchen Koalition jedenfalls die anspruchsvolle Aufgabe, nach jeder neuen Provokation zu erklären, warum der Partner trotzdem verlässlich sei.
Die Linke könnte sich auf die Produktion der nächsten konzentrieren.
Eine Arbeitsteilung wäre das schon. Fehlt nur noch die Regierung.
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