„Death to the IDF“, ein „Sprengsatz auf den Bundestag“ und andere musikalische Perlen: Die stabile Künstlerauswahl der Linken in Berlin-Neukölln

Bühne des außerordentlichen Bundesparteitags der Linken in Berlin 2025
Die philosemitischen und israelsolidarischen Mitglieder von „Die Linke“ auf einem Foto, Januar 2025. (Foto: Sandro Halank/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Auf einer Wahlkampfveranstaltung der Linken in Berlin-Neukölln rappte Dahabflex am Samstag „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“. Der „Künstler“ war nicht unangekündigt auf die Bühne geraten: Der Bezirksverband hatte ihn zuvor ausdrücklich als Live-Act beworben. Nach Angaben des Tagesspiegels griff während des Auftritts niemand aus der Partei ein. Die Distanzierungen kamen am Sonntag. Glaubwürdig sind diese Distanzierungen nicht.

Die Überraschung von Die Linke über die Eskalation der Veranstaltung überrascht selbst: Der Instagram-Account des eingeladenen Rappers lässt keine Fragen zu seiner Einstellung offen.

In seinen „Songs“ geht es (unkritisch) um Stalin, Sprengsätze auf den Bundestag, Molotov-Cocktails und darum, die ganze Stadt in Brand zu setzen.

Dahabflex hat nicht all diese Stücke beim Wütend auf den Kapitalismus-Event der Linkspartei Neukölln aufgeführt.

Man hätte aber gewarnt sein müssen.

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Cello, Moskau und Stalinorgel: Matthias Moosdorfs ganz besondere Völkerverständigung

Matthias Moosdorf spricht am 13. März 2024 im Deutschen Bundestag
Matthias Moosdorf bei seiner Bundestagsrede über Waffenexporte am 13. März 2024. (Foto: Screenshot YouTube/AfD-Fraktion Bundestag; Bildquelle: Deutscher Bundestag, 3:04 Min.)

Man kann über Matthias Moosdorf  (AfD) vieles sagen. Dass der AfD-Bundestagsabgeordnete nichts von Musik versteht, gehört nicht dazu. Moosdorf war jahrzehntelang Cellist des Leipziger Streichquartetts, lehrte in Köln und ist bis heute als Musiker unterwegs. Wenn er über Russland spricht, klingt allerdings nicht nur das Cello mit. Dann wird aus Kultur schnell Außenpolitik – auch wenn Moosdorf darauf besteht, das eine habe mit dem anderen möglichst wenig zu tun.

Der aktuelle Anlass kommt aus dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Bei seiner Unterstützung für die dortigen Grünen warnte der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir vor einem russlandfreundlichen Kurs einer möglichen AfD-Regierung. Moosdorf nannte er nicht ausdrücklich; dessen Moskauer Verbindungen sind allerdings ein ziemlich anschauliches Beispiel für das, worauf Özdemirs Warnung zielt. Die Ruhrbarone berichteten.

Genau darin liegt die hübsche kleine Dissonanz seiner Moskauer Unternehmungen: Der Abgeordnete reist privat, der Musiker konzertiert unpolitisch, der Honorarprofessor lehrt versöhnlich und der Ehrenbotschafter des Weltchorverbandes redet mit einem Berater Wladimir Putins über ein Großereignis in Russland. Am Ende sitzt stets derselbe Matthias Moosdorf am Tisch.

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AfD Sachsen-Anhalt: Der rechtsextreme Rand sitzt längst in der Mitte

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund an einem Wahlkampfstand in Magdeburg
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beim Wahlkampf im Oblast Magdeburg, 28. Juli 2026. (Foto: Roy Zuo/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsuchen Ermittler Objekte von zwei AfD-Kandidaten. Es geht um den Verdacht, eine verbotene neonazistische Organisation fortgeführt zu haben. Das ist kein Urteil. Es ist aber ein guter Moment, sich anzusehen, wie viele angebliche Einzelfälle inzwischen nebeneinandersitzen.

Am Donnerstagmorgen rückten rund 250 Polizisten in fünf Bundesländern aus. 15 Objekte wurden durchsucht, Waffen, Datenträger und Unterlagen sichergestellt (SPIEGEL: Razzia bei zwei AfD-Landtagskandidaten aus Sachsen-Anhalt wegen verbotener Rassistensekte). Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt wegen des Verdachts, die 2023 verbotene „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“ fortgeführt zu haben. Zwei der Beschuldigten kandidieren am 6. September für die AfD: Sebastian Koch auf Listenplatz 8 und Simon Lansmann auf Listenplatz 19. (MDR, CORRECTIV, Landeswahlleiterin)

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BSW Hamburg: Ein alter Aufruf, „getarnte NATO-Soldaten“ und nukleare Präventivschläge

Taurus Marschflugkörper (Foto: axesofevil2000 Lizenz: Gemeinfrei)

Auf der Website des BSW Hamburg steht bis heute ein Aufruf aus dem Jahr 2025. Er warnt vor Taurus, vor angeblich als Friedenstruppe getarnten NATO-Soldaten und davor, Deutschland könne zum ersten Ziel nuklearer Präventivschläge werden.

Ursprünglich war dieser Beitrag auf Ruhrbarone für September 2025 vorgesehen – also vor beinahe einem Jahr.

Verschwunden ist der alte Beitrag allerdings auch nicht, weshalb es jetzt diesen aktualisierten Artikel hier im Blog gibt.

Wer am 29. August 2026 die Themenseite des Hamburger Landesverbands aufruft, findet dort weiterhin den Punkt „Stoppt den Völkermord in Gaza“. Die verlinkte Unterseite wirbt ausdrücklich für eine Kundgebung am 13. September 2025 vor dem Brandenburger Tor. Der Text gehört zeitlich also eindeutig ins vergangene Jahr. Das ist keine neue Hamburger BSW-Erklärung aus diesem Wochenende.

Relevant bleibt der Aufruf, weil der Landesverband ihn weiterhin öffentlich bereithält und in seine aktuelle Themenübersicht einordnet. Wer ihn heute liest, liest keine Archivnotiz mit Warnschild, sondern eine Seite, die noch immer Teil des politischen Schaufensters ist.

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„Matrjoschka“ vor den Wahlen: AfD und BSW fehlen in der MDR-Stichprobe

Mehrere ineinanderpassende russische Matroschka-Puppen aus Holz
Eine Matroschka (Foto: Original photo: User:FanghongDerivative work: User:Gnomz007, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Eine Desinformationskampagne muss eine Partei nicht loben, um ihr relativ zu nutzen. Es kann reichen, ihre Konkurrenten mit erfundenen Skandalen zu überziehen. Eine aktuelle MDR-Auswertung zeigt genau so ein auffälliges Muster. Sie beweist allerdings weder eine Zusammenarbeit mit AfD oder BSW noch Wissen, Billigung oder Steuerung durch diese Parteien.

Mutmaßlich russische Desinformation im deutschen Wahlkampf ist leider keine exotische Randerscheinung mehr. Interessant wird es bei der Frage, wen eine Kampagne angreift – und wen sie in einer konkreten Auswertung nicht angreift.

Zum Hintergrund: In unserem Beitrag „Russlands nützliche Netzwerke: Wo sich AfD, BSW und Kreml-Propaganda berühren“ haben wir dokumentierte Kontakte, politische Überschneidungen und bekannte russische Einflussnetzwerke getrennt voneinander aufgearbeitet. Auch diese Recherche ist kein Nachweis dafür, dass AfD oder BSW an „Matrjoschka“ beteiligt wären.

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Robert Farle und das BSW: Ein politischer Wanderer findet neuen Anschluss

Robert Farle im Landtag Sachsen-Anhalt
Robert Farle im Landtag Sachsen-Anhalt. (Screenshot: Landtag Sachsen-Anhalt)

Robert Farle war DKP-Funktionär und AfD-Abgeordneter. Bei der letzten Bundestagswahl trat er als parteiloser Direktkandidat an und erhielt 1,9 Prozent der Erststimmen.

Nun berichten mehrere ehemalige BSW-Mitglieder, er habe bei einer Veranstaltung des BSW Sachsen-Anhalt gesprochen und die Anwesenden begeistert.

Das ist kein erwiesener Erhalt eines neuen Parteibuchs. Für einen politischen Wanderarbeiter, dessen Parteien und Milieus häufig wechselten, ist es aber ein bemerkenswert passender Zwischenstopp. Denn während Farle sich ausdrücklich von seiner früheren Orientierung an der Sowjetunion distanziert hat, überlebten einige geopolitische Grundmuster seine politische Wanderschaft erstaunlich gut: Misstrauen gegen die USA und die NATO, Verständnis für russische Machtpolitik und die Neigung, hinter komplizierten Konflikten eine ziemlich übersichtliche Steuerzentrale in Washington zu entdecken.

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Frontdienst für Wadephul, Freistellung für Putin: Wagenknechts Kriegserzählung

Sahra Wagenknecht (Foto: Peter Ansmann)
Sahra Wagenknecht (2025) auf einer BSW-Veranstaltung in Duisburg  (Foto: Peter Ansmann)

Sahra Wagenknecht(BSW)  hat eine einfache Lösung für ein Ende des Ukrainekriegs gefunden: Wer den Angegriffenen weiter unterstützen will, soll sich gefälligst selbst an der Front melden. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat seinen politischen Gestellungsbefehl damit offensichtlich, direkt über Wagenknechts Sozial-Media-Kanäle, erhalten.

Wladimir Putin, der diesen Krieg begonnen hat, kommt in Wagenknechts Beitrag dagegen nicht einmal namentlich vor. So lässt sich Verantwortung sehr bequem entsorgen: Man streicht den Angreifer aus dem Bild und nennt das Ergebnis dann Friedenspolitik.

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Wahl-O-Mat Berlin: Müll, Feuerwerk, 38 Thesen – und kein Antisemitismus

Volker Beck (Foto: Peter Ansmann)
Volker Beck (Foto: Peter Ansmann)

Der Wahl-O-Mat zur Berliner Abgeordnetenhauswahl fragt nach illegalem Müll, privatem Silvesterfeuerwerk und Fahrradstraßen. Eine eigene These zu Antisemitismus, dem Schutz jüdischen Lebens oder dem Nahostkonflikt findet sich unter den 38 Fragen nicht.

Volker Beck (Deutsch Israelische Gesellschaft) kommentiert das mit „nicht Euer Ernst“ und greift zugleich Linke und BSW scharf an.

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Münster: Dağdelen bringt die Toten des Dreißigjährigen Krieges gegen die NATO in Stellung

Sevim Dagdelen, BSW
Sevim Dagdelen, BSW (Foto: Roland W. Waniek)

Das Bündnis Sahra Wagenknecht unterstützt eine Protestkundgebung gegen die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO. Aufgerufen wird für den 1. Oktober 2026 in Münster.

Sevim Dağdelen nennt die Auszeichnung eine „Verhöhnung“ des Westfälischen Friedens – und der bis zu sieben Millionen Opfer des Dreißigjährigen Krieges.

Die Angaben zur prominenten Jury lassen sich überprüfen. Die historische Großmunition bleibt trotzdem Dağdelens eigene politische Entscheidung.

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Friedrich Merz, der „Kanzler der Ukraine“

Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)
Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schreibt in den sozialen Medien zum ukrainischen Unabhängigkeitstag – am 24. August 2026 – „Slawa Ukrajini“.

Die AfD erkennt deshalb in Friedrich Merz einen „ukrainischen Kanzler“, BSW-Politikerin Sevim Dağdelen wenige Stunden später nur noch den „Kanzler der Ukraine“. und am Nachmittag erklärt Sahra Wagenknecht, wie man AfD-Forderungen nach russischem Öl und Gas im Landtag zu Mehrheiten verhilft.

Das Hufeisen war anscheinend nie weg. Es wurde wohl nur an eine russische Pipeline angeschlossen.

Es war offensichtlich ein ausgesprochen produktiver Montag für die politische Konvergenzforschung. Am 24. August 2026 veröffentlichte Friedrich Merz (CDU) um 9.10 Uhr auf X und Facebook ein knappes „Slawa Ukrajini! Слава Україні!“ samt Video zum ukrainischen Unabhängigkeitstag.

Das reichte. Wer in Deutschland beruflich aus Solidarität mit einem angegriffenen Land einen nationalen Verrat bastelt, hatte damit für den Rest des Tages Material.

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