
Es muss schön sein, reich zu sein. Man kann sich dann offenbar Gedanken darüber machen, ob Lebensmittel im Supermarkt vielleicht ein bisschen zu günstig sind. Für die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Christine Schneider von der CDU ist offenbar genau das ein Problem. Die Menschen würden in Umfragen zwar regionale und hochwertige Lebensmittel loben, an der Supermarktkasse aber trotzdem zum günstigeren Produkt greifen. Für Schneider ein Zeichen mangelnder Wertschätzung.
Ich muss gestehen: Bei solchen Aussagen reibe ich mir inzwischen verwundert die Augen. Natürlich kann man darüber diskutieren, wie Landwirtschaft in Deutschland vernünftig bezahlt werden kann. Natürlich haben regionale Produkte ihren Wert. Und natürlich ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, woher unsere Lebensmittel kommen. Aber zwischen dieser berechtigten Diskussion und der Aussage „Lebensmittel sind zu billig“ liegt ein ziemlich großer Unterschied.
Die Realität findet an der Supermarktkasse statt
Denn für viele Menschen ist der Griff zum günstigeren Produkt keine philosophische Entscheidung gegen die heimische Landwirtschaft. Er ist schlicht eine Frage des Geldes.
Wer am Ende des Monats feststellen muss, dass Miete, Strom, Versicherungen, Mobilität und andere laufende Kosten einen immer größeren Teil des Einkommens auffressen, der schaut beim Einkauf zwangsläufig auf den Preis. Da hilft es wenig, ihm mehr „Bewusstsein und Wertschätzung“ einzureden. Wertschätzung ist schön – bezahlen muss man den Einkauf trotzdem.
Und genau hier wird die Aussage der Ministerin so problematisch. Sie spricht über Verbraucher, als hätten diese einfach nur ihre Prioritäten falsch sortiert. Dabei gibt es in Deutschland genügend Menschen, die sehr genau wissen, was sie gerne kaufen würden, sich bestimmte Lebensmittel aber schlicht nicht regelmäßig leisten können.
16.500 Euro treffen auf ganz andere Sorgen
Besonders bemerkenswert wird die Angelegenheit, wenn man sich die finanzielle Situation derjenigen anschaut, die solche Forderungen öffentlich vertreten. Christine Schneider soll als Landwirtschaftsministerin rund 16.500 Euro monatlich verdienen. Da lässt es sich natürlich leichter erklären, warum Lebensmittel ruhig etwas teurer sein dürften.
Ich will der Ministerin daraus keinen persönlichen Vorwurf machen. Aber Politik sollte eben nicht nur aus der eigenen Lebenswirklichkeit heraus gedacht werden. Wer ein solches Einkommen bezieht, sollte vielleicht besonders vorsichtig sein, wenn er darüber spricht, dass Lebensmittel für andere Menschen noch nicht teuer genug seien.
Denn während sich darüber gestritten wird, ob die Kirschen im Regal ausreichend wertgeschätzt werden, überlegen andere, ob sie sich die Kirschen überhaupt noch leisten können. Das ist der entscheidende Unterschied.
Und dann wundert man sich über die CDU?
Mich erinnert diese Debatte leider an manche Aussagen aus der Union, die in den vergangenen Monaten ebenfalls den Eindruck vermittelt haben, dass die Verbindung zur Lebenswirklichkeit vieler Bürger zunehmend dünn geworden ist. Auch Friedrich Merz hat mit so mancher Äußerung schon erkennen lassen, dass zwischen politischer Führung und dem Alltag normaler Haushalte offenbar eine ziemlich breite Lücke klafft.
Dabei müsste die CDU gerade dort ansetzen: bei den Menschen, die arbeiten, ihre Rechnungen bezahlen und trotzdem jeden Monat rechnen müssen, ob das Geld bis zum Monatsende reicht.
Niemand verlangt billige Lebensmittel um jeden Preis. Aber wer höhere Preise fordert, sollte gleichzeitig erklären, wie sich Familien, Rentner und Geringverdiener diese leisten sollen. Sonst klingt „Wertschätzung für Lebensmittel“ schnell wie ein Luxusproblem aus einer anderen Welt.
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