Die Linke in Essen: Hitler wurde offenbar wegdiskutiert

Kampfpanzer Leopard II in Frontalansicht.
Kampfpanzer Leopard II. Symbolfoto, keine Aufnahme der EUDEX. (Foto: Peter Ansmann)

Wer in Essen eine Verteidigungsmesse veranstaltet, bekommt von der Linksfraktion im Essener Stadtrat erst einmal die Geschichte der NS-Rüstungsindustrie erklärt.

Krupp, Zwangsarbeit, Bombenkrieg. Alles gehört zur Geschichte dieser Stadt.

Nur beantwortet es noch nicht die Frage, wie sich eine angegriffene Demokratie heute verteidigen soll.

Angriffs- oder abwehrbereit?

Die Rüstung für Hitlers Angriffs- und Vernichtungskrieg ist zu verurteilen. Die Ausbeutung von Zwangsarbeitern ein Verbrechen. Da hat die Linkspartei Essen natürlich komplett Recht.

Nur macht es einen fundamentalen Unterschied, ob ein totalitäres Regime nach Weltherrschaft strebt oder eine Demokratie nach Jahrzehnten der Einsparungen ihre Verteidigungsfähigkeit wiederherstellt.

Wer beides unter „Aufrüstung“ abheftet, hat aus der Geschichte vor allem die Unterschiede entfernt.

Die Geschichte muss für die Absage reichen

Vom 22. bis 25. September 2026 findet in Essen die EURO DEFENCE EXPO statt. Die Essener Linksfraktion lehnt die Messe ab und unterstützt friedlichen Protest dagegen.

In ihrer Erklärung vom 4. September 2026 erinnert sie an Essens Rolle in der NS-Kriegswirtschaft, an ausgebeutete Zwangsarbeiter und die Zerstörung der Stadt. Co-Fraktionsvorsitzender Eliseo Maugeri erklärt: „Sicherheit entsteht nicht durch Wettrüsten, sondern durch internationale Zusammenarbeit, soziale Sicherheit und Abrüstung.

Überschrift, Datum und historische Begründung der Essener Linksfraktion gegen die EUDEX.
Die Essener Linksfraktion begründet ihre Ablehnung mit der Rüstungsgeschichte der Stadt. Erklärung vom 4. September 2026 (Screenshot: Linksfraktion-Essen.de )

Zusammenarbeit wäre schön. Sie funktioniert nur schlecht, wenn der andere gerade in einen anderen Staat einmarschiert ist (Ukraine) und einen hybriden Krieg gegen den Westen, auch gegen die Bundesrepublik, führt.

An der Rüstungsindustrie gibt es genug zu kontrollieren: Exporte, Empfängerländer, Preise, politische Einflussnahme. Daraus folgt aber kein vernünftiger Grund, eine gesamte Verteidigungsmesse abzulehnen. Die Erklärung der Fraktion liefert auch keinen Maßstab, mit dem sie Waffen für einen Angriffskrieg von Mitteln zur Verteidigung unterscheiden würde.

Eliseo Maugeri begründet die Ablehnung der EUDEX mit Abrüstung und internationaler Zusammenarbeit.
Maugeris Schlussfolgerung in der Erklärung vom 4. September 2026. (Screenshot: Linksfraktion-Essen.de)

Der historische Rückgriff macht diese Lücke nicht kleiner. Das NS-Regime wurde militärisch besiegt, nicht durch einen gewaltfreien Stuhlkreis mit Hafermilch und Redeliste.

Auch das gehört zur Geschichte, aus der die Essener Genossen ihre Lehren ziehen wollen.

In Osnabrück geht es um Arbeit und Luftverteidigung

Wie wenig das pauschale Gerede über Rüstung erklärt, zeigt der jüngste Streit um das VW-Werk in Osnabrück. IG Metall und Betriebsrat begrüßen eine Anschlussperspektive für die Beschäftigten. Linke-Palästina-Gliederungen beteiligten sich dagegen an einer Kampagne mit blutendem VW-Logo.

Laut Volkswagen-Mitteilung vom 7. September 2026 wird mit Rafael die Fertigung von Systemen und Komponenten für die Luftverteidigung Deutschlands und Europas geplant. Noch ist das keine laufende Produktion. Es ist eine Perspektive für einen Industriestandort und für den Schutz vor Angriffen.

Die Essener Fraktion ist nicht die Urheberin dieser VW-Kampagne. Das Beispiel zeigt aber, warum man genauer hinsehen muss: Was wird gebaut, für wen und zu welchem Zweck?

Die Abwehr einer Rakete lässt sich nicht sinnvoll beurteilen, indem man nur das Wort Rüstungsindustrie möglichst angewidert ausspricht. Für Menschen unter Beschuss macht es einen ziemlich großen Unterschied, ob die Abwehr funktioniert.

Essens Linke will aus der Geschichte lernen. Dann sollte sie offenabr noch einmal darüber nachdenken, weshalb auch friedliche Gesellschaften Mittel brauchen, um sich gegen ihre Feinde zu behaupten.

Die Absage an eine Messe wird diese Arbeit kaum übernehmen.

Autorenseite: Peter Ansmann
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