2. Bundesliga: Spektakulärer Jahresauftakt 2016 – Aber leider nur im medialen Schatten

Mit dem Top-Spiel Bochum gegen Freiburg startet heute auch 'Liga 2' in das Jahr 2016. Foto: Claudia Bender
Mit dem Spitzenspiel Bochum gegen Freiburg startet heute auch ‚Liga 2‘ in das Jahr 2016. Foto: Claudia Bender

Heute Abend ist es soweit: Auch das ‚Unterhaus‘ der Fußball-Bundesliga kehrt, zwei Wochen nach dem Oberhaus, endlich aus dem mehrwöchigen Winterschlaf zurück. Nur nimmt man das in der Öffentlichkeit eben dann doch vergleichsweise kaum jemand so richtig wahr. Sogar die Geschehnisse in der englischen Premier League scheinen inzwischen bei vielen Sportfans im Lande deutlich mehr beachtet zu werden als das Treiben in ‚Bundesliga 2‘.

Das ist so nicht nur extrem schade, sondern auch total ungerecht. Denn auch dort gibt es ja in den nächsten Wochen und Monaten wieder zahlreiche wunderbare, bunte Geschichten in den 18 Stadien quer durch die Republik mitzuerleben. Von der dort sportlich gebotenen Leistung der Profis einmal ganz abgesehen.

Und auch gerade aus Ruhgebietssicht stellen sich da aktuell so einige durchaus spannende Fragen: Kann der traditionsreiche VfL aus Bochum seinen Abwärtstrend nach furiosem Start nun langsam stoppen, vielleicht sogar tatsächlich noch in das Rennen um den Bundesligaaufstieg eingreifen? Fünf Punkte trennen die Verbeek-Truppe aktuell vom relegationsplatz, den derzeit der 1. FC Nürnberg innehat. Das scheint, zumindest theoretisch, nicht unüberwindbar in immerhin noch 15 verbleibenden Punktspielen.
Oder auch die Frage: Kann der Aufsteiger aus Duisburg, der schon die ganze Saison über am Tabellenende ‚herumkrebst‘ endlich beweisen, dass er zu Recht in dieser Liga spielt? Können die Duisburger am Ende tatsächlich doch noch die Klasse halten? Aktuell spricht ja nicht sonderlich viel dafür.

Und auch sonst stellen sich dem Fußballinteressierten aktuell in ‚Liga 2‘ so einige spannende Fragen.

Dass RB Leipzig und der Absteiger SC Freiburg die Tabellenspitze der 2. Liga im Winter zieren würden, das kommt sicherlich nicht sonderlich überraschend, waren beide Clubs vor der Saison doch auch schon zu den heißesten Favoriten auf einen erstligaaufstieg gehandelt worden.
Doch während Fußballdeutschland eine Rückkehr der Freiburger sicherlich mehrheitlich begrüßen würde, zählen die Breisgauer doch seit jeher zu den Clubs mit den höchsten Sympathiewerten, wäre ein Aufstieg der Leipziger für viele Fußballfans wohl am Ende eine bittere Nachricht, wird der ‚Kunstverein‘ RB doch vom Brausehersteller ‚Red Bull‘ gepusht. Eine Tatsache, die vielen Fans doch eher ‚bitter aufstößt‘. Sie sehen den fairen Wettbewerb der Clubs ausgehöhlt, ja regelrecht von großkapitalistischen Interessen unfair unterwandert. Aktuell deutet jedoch, so der so, vieles darauf hin, dass diese beiden Clubs das Rennen bis zum Saisonende anführen dürften.

Die anderen Favoriten von vor dem Saisonstart, Düsseldorf, Paderborn und Union Berlin, befinden sich aktuell in Tabellenhälfte Zwei, so dass eine Vielzahl von Clubs um den dritten Platz streiten, welcher zu berechtigten Hoffnungen zum Aufstieg berechtigen würde. Nürnberg, St. Pauli, Braunschweig, Bochum, die Liste der Traditionsclubs auf den Verfolgerplätzen ist lang.
Überhaupt fällt auf, dass das Mittelfeld in Liga 2 aktuell recht klein ist. Bis zu Platz 10 (Fürth) kann man sich aktuell wohl noch mit dem Thema Aufstieg beschäftigen. Acht Punkte Rückstand von Rang 10 auf Platz 3, das erscheint in Anbetracht der Inkonstanz aller Teams in diesem Bereich aufholbar. Zwei oder drei Siege in Serie reichen da jeweils schon um ein hoffungsvoller Aufstiegsaspirant zu sein.

Auch unten in der Tabelle scheint aktuell noch sehr vieles möglich.
Der MSV Duisburg und 1860 München, auf den Rängen 18 und 17, stehen naturgemäß derzeit am meisten unter Druck.
Sogar das von ‚Startrainer‘ Stefan Effenberg betreute Paderborn befindet sich in akuten Nöten. Mit Relegationsplatz 16 hätte man da vor Saisonbeginn bestimmt noch nicht gerechnet. Und auch über die Winterpause kam man in Ostwestfalen nicht zur Ruhe. Suspendierungen im Dezember, und auch im Januar dann die Proschwitz-Affäre. Disziplin scheint beim SCP ein Problem zu sein. Ein Problem, welches letztendlich auch auf die Trainerleistung durchschlägt. Präsident Finke erwartet im Februar Punkte, ansonsten dürfte es auch um Coach ‚Effe‘, dem großen Hoffnungsträger vom Herbst, schon bald sehr unruhig werden. Die Fortuna aus Düsseldorf kurz davor platziert, hatte eigentlich ebenfalls ursprünglich vor um den Auf- statt gegen den Abstieg zu spielen. Auch dort bleibt es im Umfeld des Vereins vermutlich noch eine ganze Weile sehr angespannt.

Dass die Arminia aus Bielefeld erst mit drei Niederlagen nach 19 Spielen dasteht, aber auf der anderen Seite auch erst vier Siege zu verzeichnen hat, darf hingegen getrost als extrem positive Überraschung der bisherigen Saison gewertet werden.

Viele spannende Themen und Diskussionsansätze also wohl auch für die nächsten Monate.
Direkt zur Sache geht es übrigens bereits heute Abend, ab 18.30 Uhr bei uns vor der Tür, in Bochum, wenn der SC Freiburg dort zu Gast sein wird. Die beiden Trainer Gertjan Verbeek und Christian Streich sind seit Jahren nicht gerade die besten Freunde, um es mal freundlich auszudrücken. Bestens in Erinnerung sind vielen Fußballfreunden da sicherlich noch die Schlagzeilen nach dem Treffen zwischen den beiden im Oberhaus im Jahre 2014, als Verbeek noch auf der Trainerbank der Nürnberger saß und nach dem Spiel eine Wut-Rede fast ohne Gleichen hielt, da er sich vom Schiedsrichter und von Trainerkollege Streich ungebührlich behandelt sah. Das Ganze mündete damals sogar in der Nichtteilnahme an der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Spiel. Ob es heute Abend wieder so emotional zugehen wird? Angesichts der durchaus vorhandenen sportlichen Drucksituation für die Bochumer nicht ganz auszuschließen. Jedenfalls kann man sich aktuell schon sehr auf diese Top-Begegnung an der Castroper Straße freuen.

Abgeschlossen wird der Premierenspieltag des Jahres 2016 im Unterhaus übrigens dann erst am kommenden Montag mit dem Auftritt des MSV Duisburg bei Arminia Bielefeld, dem anderen Aufsteiger des letzten Sommers. Auch eine Begegnung welche man sich gerade auch aus Ruhrgebietssicht sicherlich nicht entgehen lassen sollte.

 

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Thomas Weigle
Thomas Weigle
6 Jahre zuvor

Ja, der DSC ist eine echte Überraschung und scheint auch außerhalb des Spielfeldes in ruhigeren Gewässern zu segeln. Ansonsten wird es eine spannende Rückrunde, auch aus Riederwälder Sicht, liegt doch der Bornheimer Hang in Sichtweite und an beiden Orten das Abstiegsgespenst zu vertreiben ist.

jovan
jovan
6 Jahre zuvor

die "sportfans im lande" sorgen dafür, dass die 2. bundesliga weiterhin den höchsten zuschauerschnitt aller 2. ligen weltweit hat; aktuell über 18.000!
dass das in herne und lüdenscheid nicht wahrgenommen werden kann, wen juckt's?
und der derzeitige medienhype um bollo-klopp und den lfc (und eben nicht die premier-league insgesamt) ist boulevard-klimbim. kicker, 11freunde, ballesterer (okay, sind nur Ausländer), bfu, etc. haben sich schon immer um den englischen fußball gekümmert.
Euch rate ich, die 2. liga weiterhin zu ignorieren. artikel ohne das geringste interesse am thema, geraten nahezu immer uninteressant.

Klaus Lohmann
Klaus Lohmann
6 Jahre zuvor

@jovan: Ich liebe die 2. Liga, hab dieses Jahr anders als sonst schon ungeduldig die Spieltermine runtergezählt, wann es denn endlich losgeht. Nur – ich bin kein Paderborner (bei dem Bier und dem Trainer – gottseidank;-)), kein Bochumer, kein Duisburger etc., ich bin nun mal BvBler und diskutiere gern über meinen Verein. Punkt.

Trotzdem liefern die ersten Liga2-Spiele heute abend wieder reichlich Gesprächsstoff, wenn der Effe-SCP so langsam absäuft, Freiburg einen reinrassigen Fehlstart hinlegt und die roten Teufel nach den internen Turbulenzen und nach der Ära Kuntz ein starkes Spiel zeigen.

Das ist hier kein Fußballblog wie Deine genannten Beispiele, aber ab und an wird hier auch 2. Liga gebracht, also alles gut.

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