WM 2026: Der BVB bildet die Weltstars aus – und schaut ihnen anschließend beim Glänzen zu

Erling Haaland, hier noch im Dortmund-Trikot. Archiv-Foto: BVB

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist aus Sicht von Borussia Dortmund eigentlich ein Grund zur Freude. Zehn aktuelle BVB-Profis stehen bzw. standen in den Kadern ihrer Nationalmannschaften und vertreten bzw. vertraten Schwarzgelb auf der größten Fußballbühne der Welt. Soweit, so erfreulich.

Doch je mehr WM-Spiele man verfolgt, desto größer wird das mulmige Gefühl. Denn die eigentlichen Stars dieses Turniers tragen zwar die Trikots ihrer Nationalmannschaften – aber längst nicht mehr das des BVB. Stattdessen laufen sie für Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain oder andere europäische Schwergewichte auf. Und als Dortmunder Fan fragt man sich zwangsläufig: Warum eigentlich immer die anderen?

Der BVB – die beste Castingagentur Europas

Borussia Dortmund hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf erarbeitet, auf den man durchaus stolz sein kann. Der Verein erkennt Talente früher als viele Konkurrenten, entwickelt sie hervorragend weiter und macht sie fit für die absolute Weltspitze.

Das Problem? Genau dort spielen sie dann auch – nur eben nicht mehr in Dortmund.

Erling Haaland schießt Tore am Fließband. Jude Bellingham gehört zu den besten Mittelfeldspielern der Welt. Achraf Hakimi ist seit Jahren einer der stärksten Außenverteidiger überhaupt. Ousmane Dembélé gehört zu den Gesichtern der französischen Nationalmannschaft. Christian Pulisic führt die USA an. Mikel Merino spielt für Spanien, Giovanni Reyna ist ebenfalls bei der WM vertreten und selbst Axel Witsel erlebt noch einmal die ganz große Bühne.

Fast jedes Spitzenteam dieser Weltmeisterschaft verfügt über einen ehemaligen Dortmunder. Der BVB könnte daraus beinahe eine eigene Traditionself bilden. Nur leider spielen diese Fußballer eben nicht mehr im Westfalenstadion, sondern sammeln Titel und Trophäen anderswo.

Millionen auf dem Konto, aber Lücken auf dem Platz

Natürlich wird in Dortmund nach jedem prominenten Abgang erklärt, wie alternativlos der Verkauf gewesen sei. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten seien nun einmal begrenzt, heißt es dann regelmäßig. Das mag sogar stimmen.

Trotzdem darf man irgendwann die Frage stellen, ob der Verein sich in dieser Rolle nicht viel zu bequem eingerichtet hat.

Kaum entwickelt sich ein Spieler zum Weltstar, wird der Taschenrechner herausgeholt. Die Ablösesumme stimmt? Also wird verkauft. Anschließend beginnt der nächste Neuaufbau. Wieder Talente holen. Wieder entwickeln. Wieder verkaufen. Und wieder erklären, warum der nächste Abgang unvermeidbar war.

Das Geschäftsmodell funktioniert finanziell hervorragend. Sportlich fühlt es sich dagegen unzwischen wie eine Endlosschleife an.

Während andere Vereine ihre Stars halten und um sie herum Titelmannschaften formen, feiert sich Dortmund regelmäßig dafür, den nächsten spektakulären Millionen-Euro-Transfer vorbereitet zu haben. Irgendwann reicht das einfach nicht mehr.

Wo sind eigentlich die Weltklassespieler geblieben?

Der aktuelle Kader besitzt ohne Frage Qualität. Gregor Kobel gehört zu den besten Torhütern Europas, Nico Schlotterbeck kann auf höchstem Niveau mithalten und auch Maximilian Beier oder Julian Ryerson sind wichtige Spieler.

Aber Hand aufs Herz: Wer von ihnen gehört aktuell zur absoluten Weltelite? Wer entscheidet regelmäßig Champions-League-Halbfinals oder wird bei einer Weltmeisterschaft zum Unterschiedsspieler?

Genau dieser Spielertyp fehlt Borussia Dortmund inzwischen nahezu komplett.

Früher hatte der BVB Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus, Ilkay Gündogan oder später Haaland und Bellingham. Heute besteht die Hoffnung vor allem darin, dass sich der nächste Rohdiamant entwickelt – nur damit er wenige Jahre später wieder für einen anderen Verein aufläuft.

Die WM hält dem BVB einen unbequemen Spiegel vor

Diese Weltmeisterschaft zeigt nicht, dass Borussia Dortmund schlechte Arbeit leistet. Im Gegenteil. Wahrscheinlich bildet derzeit kein anderer Verein außerhalb der absoluten Finanzelite so konstant internationale Topspieler aus.

Sie zeigt aber ebenso schonungslos, woran der BVB seit Jahren krankt.

Der Verein ist zum perfekten Sprungbrett geworden – und scheint sich mit dieser Rolle inzwischen abgefunden zu haben. Anstatt selbst dauerhaft zur europäischen Elite gehören zu wollen, verwaltet man den eigenen Status als Talentschmiede. Das bringt Anerkennung, hohe Transfererlöse und regelmäßig Lob von Experten. Was es nur selten bringt, sind große Titel.

Für die Fans ist das auf Dauer frustrierend. Denn bei dieser WM laufen auch nach dem frühen Aus der DFB-Elf noch immer unzählige Spieler herum, bei denen man als Dortmunder unwillkürlich und etwas wehmütig denkt: Der hat doch mal für ‚uns‘ gespielt.

Und genau das ist das eigentliche Problem.

Borussia Dortmund produziert Weltstars am Fließband – aber die Glanzzeit dieser Spieler erleben die Fans fast immer in den Trikots anderer Vereine. Vielleicht sollte sich der BVB weniger darüber freuen, wie viele Ex-Spieler bei einer Weltmeisterschaft glänzen. Viel wichtiger wäre die Frage, warum kaum einer von ihnen lange genug geblieben ist, um genau das auch in Schwarzgelb zu tun.

Irgendwann muss Borussia Dortmund entscheiden, was der Verein eigentlich sein will: Europas beste Talentschmiede – oder endlich wieder ein Klub, der seine Weltklassespieler nicht nur hervorbringt, sondern mit ihnen auch die größten Titel gewinnt. Im Moment wirkt es so, als hätte man sich mit der Rolle des noblen Zulieferers für die europäische Elite viel zu sehr arrangiert.

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1 Kommentar
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1 Stunde vor

Die Lösung ist ja ganz einfach, bietet jedem abwanderungswilligem Spieler 20-25 Mio. Jahresgehalt, dann bleiben die auch.
/Ironie off
Sonst noch Lösungen parat?

Während andere Vereine ihre Stars halten und um sie herum Titelmannschaften formen, feiert sich Dortmund regelmäßig dafür, den nächsten spektakulären Millionen-Euro-Transfer vorbereitet zu haben. Irgendwann reicht das einfach nicht mehr.

Echt jetzt, in der Bundesliga? Da werden viele Titel geholt von anderen Mannschaften, oder nicht?

Die Schalker kennen das auch, alleine in der DFB-Elf hatte der halbe Kader zeitweise in der Knappenschmiede gespielt.

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