SDS Bochum: Der Hauptfeind ist das eigene Denkvermögen

Panzergrenadiere des Panzergrenadierbataillons 112 (Foto: Peter Ansmann)
Bundeswehrübung, Symbolbild (Foto: Peter Ansmann – Panzergrenadiere in der Bayerwaldkaserne)

Der SDS Bochum hat die Weltlage abschließend geklärt: Der Feind sitzt zu Hause. Die sozialistische Hochschulgruppe der Ruhr-Universität Bochum wirbt gemeinsam mit der Berliner Palästina-LAG gegen eine Bundeswehrübung und liefert Karl Liebknecht samt rotem Dreieck hinterher.

Andere studieren, um etwas herauszufinden. Hier steht das Ergebnis schon vor dem ersten Seminar fest.

Eine Parole ersetzt die Außenpolitik

Am 20. September 2026 erschien der Instagram-Aufruf von „Bridges of Resistance“: „Free Palestine heißt Kampf der NATO“. Schon zuvor hatte die Berliner Palästina-LAG Gaza mit dem Protest gegen die Hamburger Bundeswehrübung verknüpft. Die politische Gleichung ist übersichtlich: Israel gehört zum Westen, die NATO auch, die Bundeswehr zur NATO – fertig ist der Zusammenhang. Warum eine Übung zur Bündnisverteidigung in Hamburg der Befreiung eines Fantasiestaats im Weg stehen soll, bleibt offen. (Antisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv)

Instagram führt den SDS Bochum und die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linkspartei ausdrücklich als Mitautoren. Verwundern muss diese Verbundenheit nicht: Für den 20. April (passenderweise) bis zum 26. April 2026 hatte die Studentengruppe eine Israeli Apartheid Week der der Ruhr-Uni Bochum (RUB) geplant. Inklusive BDS-Symbolik und passenden Hashtag. Das Event wurde abgesagt (Ruhr-Uni Bochum sagt Veranstaltungsreihe im Kontext der „Israeli Apartheid Week“ ab).

Beworben werden aktuell „Aktionstage vom 23. bis 27. September 2026“ in Hamburg, die sich gegen „Red Storm Charlie“ richten.

Dabei handelt es sich um eine Bundeswehrübung zur NATO-Bündnisverteidigung.

Vollständiger Instagram-Aufruf gegen Red Storm Charlie mit Begleittext; fremde Kommentatorennamen und Profilbilder verpixelt
Vollständige Grafik und Begleittext des gemeinsamen Instagram-Aufrufs vom 20. September 2026. Namen und Profilbilder anderer Kommentatoren sind verpixelt; deren Kommentare sind nicht Teil des Aufruftextes (Screenshot: Instagram).

Der SDS Bochum hat den Feind jedenfalls schon ausgemacht:

Karl Liebknecht hat es schon erkannt, der Hauptfeind steht im eigenen Land!🔻💥🚩“

Praktisch. Wer den Hauptfeind per Wohnort bestimmt, muss sich mit dessen tatsächlichem Verhalten nicht mehr belasten. Ein alter Satz erledigt die Gegenwartsanalyse. Für einen Hochschulverband ein erstaunlich genügsamer Bildungsanspruch.

Friedensparole mit rotem Dreieck

Hinter dem Satz stehen ein nach unten gerichtetes rotes Dreieck, ein Explosionssymbol und eine rote Fahne. Das Dreieck ist politisch keineswegs unbelastet: Der Berliner Senat beschreibt seine Verwendung durch die Terrororganisation Hamas als Droh- und Zielmarkierung. (Zum Hintergrund ein anderer Fall aus Köln: „Palästina Solidarität Duisburg“ markiert Unterstützer Israels mit Zeichen der Hamas öffentlich als Terrorziele)

Aufruf gegen die NATO und Liebknecht-Kommentar des SDS Bochum mit rotem Dreieck, Explosionssymbol und roter Fahne
Ausschnitt aus dem Instagram-Aufruf vom 20. September 2026 und dem Kommentar des SDS Bochum mit rotem Dreieck (Screenshot: Instagram).

Ein Emoji allein beweist weder Hamas-Zugehörigkeit noch eine konkrete Drohung. Aber in diesem Palästina-Aufruf ist die Symbolwahl kritikwürdig: Wer für Frieden trommelt, könnte auf ein Zeichen verzichten, mit dem Terroristen Angriffsziele markieren. So viel Abstand zur Hamas-Ästhetik sollte selbst zwischen zwei revolutionären Seminaren möglich sein.

Die passende Gesellschaft

Die Berliner LAG war bereits Mitautorin eines Aufrufs, der betriebliche Stromausfallvorsorge im Umfeld von Red Storm Charlie zur Kriegspropaganda erklärte ( Linkspartei: Stromausfallvorsorge in Hamburg? Schon Kriegspropaganda!). Über die Mobilisierung gegen Red Storm Charlie und den Beifall der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität berichteten die Ruhrbarone ebenfalls ( Bundeswehrübung Red Storm Charlie: Linke-Arbeitsgemeinschaft bewirbt Aktionstage eines Bündnisses, das zur Sabotage aufruft). Die BAG ist nicht die Berliner LAG; konkrete Sabotagepläne des SDS ergeben sich aus dem jetzigen Beitrag nicht.

Bei Red Storm Charlie üben Bundeswehr, Behörden und Hilfsorganisationen vom 24. bis 26. September 2026 die Zusammenarbeit für Krisen und die Bündnisverteidigung. Dazu gehört die Verlegung von Truppen und Material an die NATO-Ostflanke.

Man darf das kritisieren. Der SDS liefert dafür vor allem Feindkunde und Emojis.

Die Bundeswehr übt für den Ernstfall.

Der SDS Bochum für die nächste Kommentarspalte.

Autorenseite: Peter Ansmann
Diesen Artikel beobachten
Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x