Linke will ins Rote Rathaus – eigene LAG warnt vor Sabotage und „antizionistischen Sektierer*innen“

Rotes Rathaus Berlin mit Turm und Berliner Flagge
Rotes Rathaus Berlin (Foto: Peter Ansmann)

Die Berliner Linke will nach ihrem Wahlsieg mit Grünen und SPD über eine Regierung sprechen. Doch ausgerechnet die parteieigene LAG Shalom warnt davor, Teile der Linken könnten die Gespräche durch neue Provokationen sabotieren. Ihre Sorge gilt den „antizionistischen Sektierer*innen“ in den eigenen Reihen.

Auf einem außerordentlichen Parteitag beschloss die Berliner Linke am 25. September 2026, Sondierungsgespräche aufzunehmen. Die Spitzenkandidatin Elif Eralp und der Landesverband verkündeten den Beschluss am Abend gemeinsam auf Instagram. Im Mittelpunkt ihres Beitrags stehen bezahlbare Mieten, soziale Sicherheit und der Wunsch, die CDU-geführte Politik in Berlin zu beenden.

Instagram-Beitrag von Elif Eralp und Die Linke Berlin zur Aufnahme von Sondierungsgesprächen
Screenshot: Instagram / Elif Eralp und Die Linke Berlin, 25. September 2026

Der innerparteiliche Konflikt, der die Gespräche belasten könnte, kommt darin nicht vor. Laut eines Berichts des RBB hatten die Grünen vor den Sondierungen deutlich gemacht, dass die Linke ihren Umgang mit Antisemitismus klären müsse. (Die Linke Berlin: Keine Angst vor Antisemitismus. Ist nur ein Gespenst.)

Die LAG Shalom formuliert das Problem noch schärfer. In einer Stellungnahme zum Wahlsieg schreibt sie: „Unser Landesverband muss sein Antisemitismusproblem in den Griff bekommen.“ Zugleich rechnet die Arbeitsgemeinschaft damit, dass Teile der Partei durch weitere Provokationen die Koalitionsverhandlungen sabotieren könnten, weil sie die Linke nicht in Regierungsverantwortung sehen wollten.

Die LAG fordert deshalb die „verantwortungsvollen Kräfte“ im Landesverband auf, die „antizionistischen Sektierer*innen nicht gewähren zu lassen“.

Instagram-Beitrag der LAG Shalom Berlin mit Warnung vor möglichen Sabotageversuchen gegen Koalitionsverhandlungen
Screenshot: Instagram / LAG Shalom Berlin, 22. September 2026

Wie konkret der Streit um antizionistische Strukturen und den Umgang mit antisemitischen Positionen ist, zeigt das Netzwerk marx21. (marx21: Für Israel die Abschaffung, von der Linken das Parteibüro) Das Netzwerk fordert in einer archivierten FAQ die Abschaffung und „Zerstörung“ des zionistischen israelischen Staates, beschreibt sich selbst als Teil der Linkspartei und verfügt über dokumentierte personelle und organisatorische Zugänge in die Partei. Das macht die gesamte Linke nicht zu marx21; es zeigt aber, warum die Warnung vor solchen Strukturen keine abstrakte Debatte ist.

Eine große Überraschung ist die aktuelle Warnung der LAG Shalom  nicht. Bereits nach dem Neuköllner Wahlkampfauftritt von Dahabflex warf die LAG Shalom dem Landesvorstand politische Mitverantwortung vor (Die Linke Berlin: Einige Genossen warnen, Dahabflex schmollt, Linksjugend Neukölln eskaliert) und erklärte, frühere Hinweise seien nicht ausreichend beachtet worden.

Nach dem Wahlsieg zeigte sich der Gegenkurs offen: Die Palästina-LAG fragte bereits vor den Sondierungen nach möglichem „Druck“ durch SPD und Grüne.

Das ist keine Analyse eines politischen Gegners, sondern eine öffentliche Warmung aus der eigenen Partei. (Die Linke will ins Rote Rathaus. Ihre Palästina-LAG bevorzugt betreutes Regieren.)

Damit sitzt der vielleicht unangenehmste Sondierungspartner der Berliner Linken nicht bei Grünen oder SPD, sondern im eigenen Haus. (Die Linke Berlin: Feind, Todfeind, Parteifreund) Wer ins Rote Rathaus will, muss nun zeigen, ob aus der Warnung Konsequenzen folgen – oder ob der Aufbruch schon vor dem ersten Verhandlungstisch im alten Streit stecken bleibt.

Autorenseite: Peter Ansmann
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