AfD und BSW: Für Russland gemeinsam. Für Besucher 15 Euro.

Moskauer Kreml hinter der Bolschoi-Kamenny-Brücke an der Moskwa.
Moskauer Kreml, Archivbild. Foto: Eden87; Helligkeitsbearbeitung: OsvátA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Für die Verständigung zwischen AfD und BSW braucht es offenbar keinen Koalitionsvertrag. Ein Hotel, zwei Abgeordnete und Russland als gemeinsames Gesprächsthema reichen vorerst. Am 5. November sollen Claudia Wittig und Rainer Rothfuß in Berlin über eine neue deutsche Außenpolitik diskutieren.

„Frieden mit Russland“ heißt das verlockende Angebot.

Der Vorverkaufspreis liegt bei 15 Euro. Politische Nähe muss schließlich nicht immer kostenlos vorgeführt werden.

Ein gemeinsames Podium, zwei Parteibücher

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuß wirbt auf X für den gemeinsamen Auftritt. Neben ihm wird Claudia Wittig angekündigt, BSW-Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt. Moderieren soll Florian Warweg von der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Als Termin nennt die Veranstaltungsseite den 5. November, 19 Uhr, im Hotel Eurostars Berlin.

Rothfuß versieht seine Einladung mit einem blauen Herzen. Die politische Paarung steht gleich darunter: AfD und BSW, gemeinsam auf einem Podium zur deutschen Außenpolitik. Dass die beiden Parteien deshalb schon eine Koalition vereinbart hätten, folgt daraus selbstverständlich nicht. Für die Feststellung, dass hier zwei ihrer Abgeordneten öffentlich Gemeinsamkeiten ausloten wollen, genügt allerdings die Einladung. Man muss ihnen nichts unterstellen. Die politische Annäherung ist bereits buchbar.

Rainer Rothfuß kündigt auf X das gemeinsame Podium mit Claudia Wittig an.
Rothfuß wirbt für das gemeinsame Podium. (Screenshot: X)

Das gemeinsame Projekt war schon angekündigt

Wittig hatte die Richtung bereits Anfang September beschrieben. Eine Koalition mit der AfD lehnte sie damals ab, gemeinsame Vorhaben hingegen ausdrücklich nicht. Ihr Beispiel lautete: „Das eine oder andere gemeinsame Projekt ist aber drin: Frieden mit Russland zum Beispiel.“ Nun hat dieses Projekt einen Veranstaltungsort und einen Termin. Die Distanz zur AfD lässt sich offenbar auch von einem benachbarten Podiumsstuhl aus verwalten.

Schon im September berichteten die Ruhrbarone über Wittigs Auftritt mit dem AfD-Politiker Oliver Kirchner und ihre Bereitschaft zu gemeinsamen Russland-Projekten. Das Nein zur Koalition ließ dafür genügend Platz.

Die Berliner Veranstaltung läuft unter der Überschrift „Für eine neue deutsche Außenpolitik“. Beim Ticketanbieter sind beide Abgeordneten samt Parteizugehörigkeit aufgeführt. 15 Euro kostet der Normalpreis im Vorverkauf; zusätzliche Zahlungsgebühren sind laut Anbieter möglich. Die Völkerfreundschaft hat ihren Tarif. Über ihren politischen Preis wurde andernorts bereits abgestimmt.

Veranstaltungsseite mit Wittig, Rothfuß, Warweg und dem Vorverkaufspreis von 15 Euro.
Besetzung und Eintrittspreis des Berliner Podiums. (Screenshot: happytix)

In Magdeburg blieb es nicht beim Gespräch

Am 14. Oktober beschlossen AfD und BSW im Landtag der Sachsen-Anhalt gemeinsam einen Antrag zur Russland- und Ukrainepolitik. Der offizielle Bericht des Landtags dokumentiert die Forderungen: Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollen sofort enden, die Unterstützung für die Ukraine soll auf humanitäre Hilfe beschränkt werden. Die Landesregierung soll sich über eine Bundesratsinitiative dafür einsetzen.

Das ist ein politischer Beschluss des Landtags, keine bereits vollzogene Änderung der deutschen Außenpolitik. Aber er zeigt, wie konkret die Gemeinsamkeiten inzwischen sind. Für Russland weniger wirtschaftlicher Druck, für die Ukraine keine militärische Unterstützung mehr: An dieser Stelle braucht die Verständigung zwischen AfD und BSW keinen Moderator.

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Der Krieg bekommt eine angenehmere Bezeichnung

Auch Rothfuß bringt seine eigene Vorgeschichte mit. Für eine andere Veranstaltung hatte er kürzlich mit der Formulierung eines seit 2014 währenden und 2022 eskalierten Ukraine-Konflikts geworben. In dieser Wortwahl verschwindet die Entscheidung Russlands zum großangelegten Angriff hinter einem Geschehen, das sich scheinbar von selbst verschärft hat. Ein Konflikt eskaliert. Verantwortliche wären da nur störende Details.

Wie Rothfuß den russischen Angriff sprachlich zum eskalierten Konflikt umbaute, haben die Ruhrbarone anhand seiner Veranstaltungswerbung dokumentiert. Das Berliner Podium folgt auf diese außenpolitische Selbstbeschreibung.

Was Wittig und Rothfuß am 5. November im Einzelnen sagen werden, steht noch aus. Ihre bisherigen Positionen und die gemeinsame Werbung stehen bereits fest. Für einen Abend der grundsätzlichen Neuorientierung ist das eine bemerkenswert vertraute Ausgangslage.

Die Eintrittskarte kostet 15 Euro. Der Rest dieser Friedensvorstellung würde vor allem die Ukraine etwas kosten.

Wie praktisch, dass sie dafür nicht an der Berliner Abendkasse gefragt werden muss.

Autorenseite: Peter Ansmann
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