Meine gute Freundin und Kollegin Elke Wittich hat am Sonntag in der taz einen Artikel über den Aufstieg von Schalke geschrieben. Sie stellte fest, dass in „der hässlichsten und ärmsten Stadt des Landes“ der Aufstieg von Schalke in die Bundesliga gefeiert wird, und fragte, ob man sich einfach mitfreuen sollte oder nicht. Mit Schalke sei es heute so, als ob
Der FC Bayern München ist raus aus der UEFA Champions League 2026. Nicht im Finale. Nicht Europas Krone. Kein Triple. Stattdessen: Ernüchterung nach dem Halbfinalrückspiel am Mittwochabend in der Allianz Arena, lange Gesichter auf den Rängen und hektische Schuldzuweisungen in alle Richtungen. Der Schiedsrichter? Natürlich. Das Pech? Selbstverständlich. Paris? Vielleicht einfach stark.
Doch womöglich liegt die unbequeme Wahrheit ganz woanders – nämlich tief verwurzelt im bayrischen Selbstverständnis.
Lange her: Ein entspannter Jürgen Klopp in Dortmund. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Borussia Dortmund steht einmal mehr in der Champions League, die sportlichen Ergebnisse der vergangenen Monate in der Bundesliga waren solide bis gut, bevor der Verein zuletzt nach der vorzeitigen Qualifikation den Fokus verlor. Dennoch bleibt rund um den Verein am Ende der Spielzeit 2025/26 ein seltsames Gefühl der Unzufriedenheit zurück. Der BVB gewinnt unter Trainer Niko Kovac ausreichend Spiele in der Liga, aber er begeistert seine Anhänger nur noch selten nachhaltig.
Die Identifikation vieler Anhänger mit der Mannschaft wirkt brüchiger als früher, die emotionale Bindung schwächer. Genau deshalb greift die aktuelle Debatte um eine Rückkehr zur „BVB-DNA“ so tief. Denn viele Fans sehnen sich nicht einfach nach besseren Resultaten – sie sehnen sich nach einem Verein, der wieder klar erkennbar für etwas steht.
Ein Land in Aufregung. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt
Während die Fußball-Saison 2025/26 auf Vereinsebene in ihren letzten Zügen liegt, macht sich so langsam ein Gedanke im Hinterkopf breit: Die WM kommt. Angeblich.
Irgendwo zwischen XXL-Kommerz, politischer Dauerkrise und der schleichenden Selbstentfremdung des modernen Fußballs soll im Sommer also in den USA, Kanada und Mexiko das nächste „größte Sportereignis der Welt“ steigen. Früher hätte allein die Nachricht von einem anstehenden Fußball-Großturnier bei mir gereicht, um Vorfreude auszulösen. Heute löst der Gedanke daran bei mir bestenfalls ein müdes Schulterzucken aus. Vielleicht werde ich alt. Vielleicht hat der Fußball ein Problem. Wahrscheinlich beides.
Der VfL Bochum ist zurück in seinem natürlichen Biotop: irgendwo zwischen gepflegter Zweitliga-Langeweile, rostigem Ruhrstadion-Charme und der erschütternden Erkenntnis, dass außerhalb der eigenen Stadtgrenzen kaum noch jemand Notiz von diesem Traditionsverein nimmt.
Während ringsum im Revier gerade die großen Fußball-Geschichten geschrieben werden, ist Bochum mal wieder das, was es über Jahrzehnte so zuverlässig war: die graue Maus des Ruhrgebiets.
Michael Kamps feiert den Aufstieg seiner Schalker im Stadion. Foto: privat
Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundesliga – und für Millionen Anhänger im Ruhrgebiet dürfte dieser Moment weit mehr bedeuten als nur einen sportlichen Erfolg. Nach Jahren voller Abstürze, Führungschaos, wirtschaftlicher Sorgen und sportlicher Enttäuschungen schafft einer der traditionsreichsten Vereine Deutschlands die Rückkehr ins Oberhaus. Entsprechend groß ist die Erleichterung rund um Gelsenkirchen.
Einer, der all das hautnah erlebt hat, ist Michael Kamps aus Waltrop, der uns bei den Ruhrbaronen seit Jahren dankenswerterweise mit seinen aktuellen Fotos rund um den Verein versorgt. Als Dauerkarteninhaber, Fanclub-Mitglied bei „Blau Weißes GEsocks Waltrop“ und regelmäßiger Beobachter der königsblauen Achterbahnfahrt blickt er auf eine Saison 2025/26 zurück, die selbst treue Optimisten überraschte.
Der Zusammenhalt stimmt derzeit in Gelsenkirchen. Foto: Michael Kamps
Mit einem hart erkämpften 1:0-Erfolg gegen den Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf hat der FC Schalke 04 am 32. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga am Samstagabend vorzeitig die Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus perfekt gemacht!
In Gelsenkirchen dürften nach Jahren voller Krisen, Abstiege, Chaos und Enttäuschungen sämtliche Dämme gebrochen sein. Millionen Fußballfans, insbesondere im Ruhrgebiet, feiern die Rückkehr eines der traditionsreichsten Klubs Deutschlands in die Bundesliga.
Auch wenn die Saison 2025/26 der Königsblauen über weite Strecken selten glanzvoll daherkam, erfüllt dieses Happy End genau jene Sehnsucht, die viele Fußballromantiker seit dem bitteren Absturz hegten: Schalke gehört emotional einfach zur Bundesliga. Das Ruhrgebiet bekommt damit ein weiteres Stück seiner fußballerischen Identität zurück – und allein diese Tatsache sorgt vielerorts für ehrliche Freude. Herzlichen Glückwunsch auch von den Ruhrbaronen an Schalke 04!
Bisschen übertrieben, okay, aber es trifft die Gemütslage manches Werksmitarbeiters. Grafik: DALL-E
Der Autobauer Volkswagen hat ein Problem. Nicht irgendeines, das sich mit ein paar neuen Modellen und freundlichen Worten aus der Vorstandsetage wegmoderieren ließe. Ein strukturelles, echtes Problem: Der Konzern ist noch immer ein Autogigant, aber einer mit schwacher Rendite, schweren Strukturproblemen und enormem Druck auf fast allen wichtigen Märkten. 2025 lag der Umsatz mit 321,9 Milliarden Euro zwar fast auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis brach aber um 53 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro ein, die operative Marge lag nur noch bei 2,8 Prozent.
Die Fans auf Schalke sind jetzt schon erstklassig. Foto: Michael Kamps
Beim FC Schalke 04 gehört Understatement traditionell eher nicht zum Repertoire. Malocher-Pathos, große Worte, große Emotionen – alles da. Nur: In dieser Zweitligasaison 2025/26 war „groß“ auf dem Platz erstaunlich selten zu sehen. Stattdessen hangelte man sich sehr häufig durch Spiele, die oft mehr Stückwerk als Fußball waren. Und trotzdem: Punkte fielen auf Schalke-Seite wie Kleingeld aus einer kaputten Parkuhr.
Der Sieg beim SC Paderborn vom vergangenen Wochenende ist dafür das perfekte Symbol. 0:2 hinten, defensiv wacklig wie ein Jenga-Turm kurz vor dem Kollaps – und am Ende steht ein 3:2. Comeback-Qualitäten? Sicher. Aber auch eine gehörige Portion Spielglück, das man sich zwar irgendwie erarbeitet, aber eben nicht jedes Wochenende gepachtet hat.
Marie-Louise Eta, hier noch als Spielerin. Quelle: Wikipedia, Foto: @el_loko74. Lizenz: CC BY 4.0
Beim 1. FC Union Berlin dachte man sich offenbar: Warum nicht einfach mal ein bisschen Chaos würzen und schauen, was passiert? Anders lässt sich die Entscheidung kaum erklären, ausgerechnet in einer heiklen Saisonphase den erfahrenen Steffen Baumgart durch eine Trainerin zu ersetzen, die auf dieser Bühne bislang eher Zuschauerin als Hauptdarstellerin war.
Zwei Wochen später wirkt das Ganze weniger wie ein mutiger Schritt und mehr wie ein klassischer Fall von „mal sehen, ob’s gut geht“. Spoiler: bisher eher nicht.