Die #WM2018 in Russland ist entgegen aller Erwartungen doch ein gelungenes Fußballfest

Der WM-Pokal. Foto: Robin Patzwaldt

Jetzt stehen sie also fest, die beiden Halbfinalspiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Mit den Kräftemessen der Teams aus Belgien und Frankreich, sowie zwischen England und Kroatien stehen vier durchaus würdige Vertreter in der Runde der letzten Vier.

Überhaupt muss man sagen, dass das Turnier, trotz aller Unkenrufe im Vorfeld, sicherlich insgesamt deutlich besser verlaufen ist, zumindest bisher, als es viele Skeptiker im Vorfeld von dieser Veranstaltung erwartet haben. Kaum noch kritische Stimmen in der Öffentlichkeit, nahezu kein Wort mehr über die selbsternannten Boykotteure oder gar eine echte Skandal-WM in ‚Putins Reich‘. Erstaunlich!

Gründe das Turnier in Russland kritisch zu sehen gab es ursprünglich ja mehr als genug. Dopingdiskussionen, Politik, die FIFA, der Videobeweis. Viele berechtigte Kritikpunkte sorgten dafür, dass die Vorfreude bei vielen Fußballfans weltweit zumindest arg gedämpft war.

Jetzt, nach gut drei Wochen und dutzenden Spielen, sind viele Kritiker lange schon verstummt. Abgesehen vom frühen Aus der DFB-Elf macht dieses Turnier der Masse der Fußballanhänger in diesem Lande offensichtlich doch überwiegend viel Spaß!

Die WM des Jahres 2018 wird sicherlich nicht als das beste und stimmungsvollste Turnier aller Zeiten in die Fußballgeschichte eingehen, doch ein völliger Flop ist sie eben auch nicht.

Wieder einmal haben sich die Unkenrufe der diversen Skeptiker als zumindest übertrieben herausgestellt. Damit reiht sich das Turnier übrigens nahtlos in die Reihe der letzten Weltmeisterschaften ein.

Kurz zur Erinnerung: Auch vor den Turnieren der Jahre 2010 und 2014 gab es zahlreiche Kritiker. Südafrika wäre gar nicht in der Lage so ein Turnier zu stemmen, die Stadien wären garantiert eine Katastrophe, die Infrastruktur völlig überlastet und überhaupt könne man eine Veranstaltung von Weltrang nicht nach Südafrika vergeben, hieß es vor dem Sommer 2010 vielfach.

Vergleichbar reagierten große Teile der Öffentlichkeit als bekannt wurde, dass Brasilien die WM des Jahres 2014 ausrichten würde. Auch hier wollten zahlreiche Fans mit einem Boykott reagieren, da die ‚Armen‘ Brasilianer unter den immensen Kosten zu leiden hätten, das Land die Ressourcen besser für soziale Zwecke eingesetzt hätte usw.. Grundsätzlich sicher alles richtig, doch ging auch dieses Turnier im Rückblick nicht als ‚Flop‘ in die Fußballgeschichte ein.

Ähnlich jetzt der Ablauf im Jahre 2018. Nahezu ausnahmslos Negativberichterstattung im Vorfeld. Böse Vorahnungen machten hierzulande die Runde. Allerdings eben nicht in Bezug auf die zu erwartender Leistung der DFB-Elf, sondern auf die Rahmenbedingungen des Turniers gerichtet. Es kam eher genau andersherum, wenn wir jetzt vor den letzten vier Spielen des Turniers schon einmal ein kurzes Zwischenfazit ziehen wollen.

Das Ganze geht sogar so weit, dass der aktuell massiv in der Kritik stehende DFB-Manager Oliver Bierhoff die sehr überzeugenden Einschaltquoten im TV sogar als Argument dafür benutzen kann, dass es keine Entfremdung der Fans zur Deutschen Mannschaft gebe, wie sie viele Beobachter festzustellen glauben.

Die Fraktion der verbliebenen Boykotteure muss demnach inzwischen verschwindend gering (geworden) sein, dass sie in der breiten Öffentlichkeit offensichtlich gar keine Rolle mehr spielt.

Trotz der desaströsen Leistungen der Löw-Truppe scheint die große Mehrheit der Deutschen mit dem Turnier bei Putin doch irgendwie ganz gut leben zu können.

Alles bloße Inkonsequenz der breiten Maße, oder letztendlich doch schlicht ein klares Indiz für ein deutlich besser als erwartet durchgeführtes Turnier? Eine eindeutige Antwort und von allen akzeptierte Erklärung wird es wohl nicht geben. Trotzdem eine interessante Entwicklung, wie ich finde.

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14 Kommentare

  1. #1 | Arnold Voss sagt am 8. Juli 2018 um 11:36 Uhr

    Robin, viele interessiert die WM nach dem Ausscheiden Deutschlands gar nicht mehr. Die, die Spaß am Fussball als solchem haben, wurde jedoch spielerische bestens mit Spannung und Toren bedient. Dazu tolle"David gegen Goliath" Nummern, bei den selbstgefällige Favoriten nach Haus geschickt wurden. Ich konnte deswegen meinen (politischen) Boykott einfach nicht durchhalten. Das ändert allerdings nichts an meiner Position zu den Verantwortlichen im Veranstaltungsland und beim DFB. Mafiosis bleiben sie für mich nachwievor.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Juli 2018 um 11:51 Uhr

    Klar, Arnold. Das ist ja das Diskussionswürdige, wie ich finde. Bis auf den Videobeweis sind die anderen Kritikpunkte ja alle noch da. Nur interessieren sie eben die große Mehrheit der Leute offenkundig plötzlich nicht mehr. Das war, wie gesagt, im Vorfeld von 2010 und 2014 ja schon ähnlich. Bin mal auf 2022 in Katar gespannt 😉

  3. #3 | Yilmaz sagt am 8. Juli 2018 um 16:47 Uhr

    Find die WM sogar besser als die vor 4 Jahren in Brasilien !

  4. #4 | Walter-Stach sagt am 8. Juli 2018 um 17:10 Uhr

    Einverstanden
    mit dem Inhalt aller vorangegangen Beiträge.
    Das bisher Gebotene rechtfertigt es, wenn wir Fußball-Fans Vorfreude empfinden mit Blick auf die noch ausstehenden entscheidenden Spiele.

    Frankreich, Belgien, Kroatien, England….
    "Würdige" Halbfinalsten.
    "Gut so", daß die von mir so genannten Antifußballer aus Schweden gegen England ausgeschieden sind.

    Und über " alles Andere", über alles im weitesten Sinne hier einschlägig Politische mag diskutieren wer das wann und wo auch immer für geboten hält . Ich werde mir jedenfalls dadurch meine Freude, meinen Spaß am WM-Fußball in Russland nicht vermiesen lassen.

  5. #5 | Klaus Lohmann sagt am 8. Juli 2018 um 23:46 Uhr

    Robin, Du findest wirklich, dass der Videobeweis bei dieser WM "gelungen" ist??? Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, da die im Nachhinein als "richtig" bewerteten VAR-Rücknahmen (die auch keine große Mehrheit in der Summe aller VAR-Entscheidungen bilden) meistens in Situationen geboren wurden, als der Schiri wirklich für alle sichtbar völligen Unsinn gepfiffen hatte. Das ist kein Beweis für die Anwendbarkeit in Fällen, wo wirklich die technischen "Detailaufnahmen" und deren Bearbeitung gefragt sind.

    Und damit wären dann *alle* Kritikpunkte an dieser WM immer noch unausgeräumt vorhanden – zurecht. Ich würde auch nur mit stärksten Bauchschmerzen aus einer tumben Einschaltquote herauslesen wollen, dass Zuschauen=Akzeptieren sein soll – die nicht mal ansatzweise abschwellende Kritik an DFB und Bierhoff/Löw spricht dagegen.

  6. #6 | Walter-Stach sagt am 9. Juli 2018 um 18:20 Uhr

    Klaus Lohmann,

    ich lasse 'mal alle denkbaren "Statistiken" weg, die sich mit der Zufriedenheit/der Unzufriedenheit bzw. mit deren graduellen Unterschieden befassen könnten, aber auch die sog. Einschaltquoten, die so oder so für mich kein Gradmesser sind für die "fußballerische Qualität der WM 2o18 in Russland.

    Als Fußball-Fan bin ich wie Robin und….-sh sein Kommentar, sh. dazu die Beiträge 1- und 3-, wie bereits unter -4- angemerkt, der Meinung, daß es sehr, sehr viele hochklassige, dramatische Spiele gegeben hat, so daß für mich diese WM insgesamt "fußballerisch" bemerkenswert Positives produziert hat: Spiele und Spieler, Aktionen und Abläufe, an die "wir" Fans des Fußball-Sportes uns noch lange begeistert erinnern werden. Für mich insgesamt eine positive Überraschung, weil
    ich das so nicht erwartet habe.

    Und ich bin mir "ziemlich sicher", daß auch für die noch anstehenden Halbfinal-Begegnungen und für das Finale mit hochklassigem, dramatischen Fußball gerechnet werden darf.

  7. #7 | Walter-Stach sagt am 9. Juli 2018 um 18:40 Uhr

    Bela Rethy
    kommentiert das Endspiel.

    Diese Meldung trübt , aber nur ein wenig, meine Vorfreude auf das Endspiel.

  8. #8 | Klaus Lohmann sagt am 9. Juli 2018 um 18:42 Uhr

    @#6 Walter-Stach: Ich gehe mit euch völlig d'accord, solange es um die rein fußballerische Qualität vieler Spiele bis zum Halbfinale geht. Das hat stellenweise richtig Spaß beim Zugucken gemacht, keine Frage. Aber das machen u.A. Bundesliga, Premier League und sogar Liga 3 und Amas auch so manches Mal.

    Ich habe allerdings die Ressentiments vor dieser WM in allen anderen Bereichen gemeint. Und Vorwürfe gegen das Regime Putin, um Doping-Verdacht, gegen DFB-Altherren-Ignoranz und ihrer (wie Arnold Voss schon schrieb) mafiösen Klebesubstanz und nicht zuletzt gegen geldgeile Profis, die ihren Rücken und Hintern für ein paar Lira an einen Despoten verkaufen und sich dann mit DFBs Segen feige verdrücken. Da ist nichts von entkräftet oder von der überbordenden Stimmung ins Nirwana entfleucht – das ist alles noch unwidersprochen da.

  9. #9 | teekay sagt am 9. Juli 2018 um 19:04 Uhr

    "Eine Fussball-WM im europäischen Winter machen die Fans nicht mit"…sollste mal sehen, gut Fussballschwein frisst alles und am Ende gibt es Public Viewing unter dem Heizpilz…wer bei Russland 0 Kritik äussert, der macht auch brav Katar mit-gibt ja auch die ganzen tollen Wuesten-Kalauer die man auspacken kann, wenn Deutschland Gegener in die Wueste schickt und wir tolle Spieler wie Sand am Meer haben…

  10. #10 | Walter-Stach sagt am 9. Juli 2018 um 19:10 Uhr

    Klaus Lohmann,
    alles klar -sh. konkret der Inhalt des 2. Absatzes.
    PS
    Bezüglich des Hinweises die Qualität der WM Spiele betreffend, und zwar mit Blick u.a. auf die Champ.lig, fällt mir die Feststellung ein, daß die Spitzenteams in der Champ.lig, vorne weg Real Madrid, den besseren, den erfolgreichen Fußball spielen als die besten WM-Teilnehmer. Ich meine, diese These in einem SPIEGEL-Artikel gelesen zu haben, und zwar zugespitzt in der Feststellung -oder nur in Frageform?- nach der die DFB-Auswahl absolut chancenlos gewesen wäre gegen Real.

    Leider kann ich mich momentan nicht an die exakte Quelle erinnern.

    Jedenfalls eine These, über die Fußball-Fans diskutieren könnten.
    Wenn ich an die französische oder die belgische Auswahl denke, neige ich jdazu, diese These zumindest kritisch zu hinterfragen.

  11. #11 | Klaus Lohmann sagt am 9. Juli 2018 um 19:40 Uhr

    @Walter Stach: Ich würde dieses Mal die Champions League qualitativ durch die Premier League ersetzen:

    Belgische Auswahl? Hat die meisten Premier-League-Spieler aller Nationen in ihrem Team – satte 12 (allein 4 bei Chelsea)! Und England sowie Frankreich haben die letzten Jahre mit PL-Spielern wieder nachgezogen, siehe M'bappe oder Kayne.
    (https://www.bild.de/sport/fussball/premierleague/premier-league-bei-der-wm-55971720.bild.html)

    Das würde die These der Überlegenheit von Vereinen insbesondere aus der finanziell weit vorne liegenden Premier League klar belegen und ich traue Belgien durchaus das Finale und den Titel zu. Aber auch ohne zahlenmäßigen Vergleich dürften Vereine, die übers ganze Jahr auf allerhöchstem Niveau trainieren und spielen, die mit Scheich-Kohle die jüngsten und besten Topspieler einkaufen und in denen auch junge Trainer mit frischen Ideen weit eher berücksichtigt werden als in den verkrusteten Verbänden, den Länderteams per se weit überlegen sein.

  12. #12 | Walter-Stach sagt am 10. Juli 2018 um 19:44 Uhr

    -11-
    Klaus Lohmann,
    einverstanden.

    Wie viele der Spieler der 4 Halbfinalisten sind der Premier
    League im Einsatz ?
    Wie viele der Spieler der 4 Halbfinalisten sind in der Bundesliga im Einsatz?

    Um das Dilemma des deutschen Fußballes aufzuzeigen, könnte es zudem interessant sein, 'mal festzustellen, wie viele Spieler deutscher Staatsangehörigkeit den Mannschaften angehörten, die die Halbfinales in der Champ.lig ausgetragen haben und wie viele von ihnen bei den 6/7 Spitzenclubs der Premier-Lig beschäftigt sind.

    Ich denke, solche Daten würden mehr über die Qualität des Fußballes in Deutschland bzw. über die Qualität von Spielern deutscher Staatsangehörigkeit im internationalen Vergleich aussagen, als es allein die Tatsache des Vorrundenaus bei der WM vermag oder die Kritik an dem einen oder dem anderen Einzelspieler in der DFB-Auswahl.

    Und der letzte Satz im Beitrag -11- provoziert geradezu die Frage, ob der Fußball-Fan, der an Wettkämpfen auf höchsten Niveau interessiert ist, einer EM oder einer WM bedarf. Und wenn es aus diesem Grunde keinen EM_/WM Bedarf geben sollte, wäre zu fragen, ob es denn andere Gründe für einen solchen Bedarf gibt.

    Aber….
    Ich will hier und heute nicht weiter kritisch/selbstkritisch -als Fußball-Fan- Fragen zum Fußball-Sport auf internationaler Ebene aufwerfen oder gar den WM-Bedarf bzw. die WM-Qualität im Vergleich zur Champ.lig oder Premier-Lig kritisch hinterfragen, sondern mich bis Sonntag weiterhin auf die WM konzentrieren, die für mich unerwartet viele hochklassige Spiele geboten hat und, da bin ich mir sicher, auch noch bieten wird.

  13. #13 | Walter-Stach sagt am 11. Juli 2018 um 19:19 Uhr

    Frankreich im Endspiel….

    "Verdient";
    die Franzosen waren in Gänze für mich (!) im Vergleich mit den Belgiern die "etwas Besseren".

    Während des Spieles ist mir mehrfach in den Sinn gekommen, die Leistungen der Franzosen und die der Belgier mit denen "unserer Gurkentruppe" zu vergleichen mit dem Ergebnis, daß mir die DFB-Auswahl ganz und gar als unfähig erschien, in einem Halbfinale eine vergleichbar gute Leistung zu erbringen. Die DFB-Auswahl ist insofern -zu Recht-schon vorher nach Hause gefahren.

    Im übrigen:
    Vor dem Spiel haben mein Enkel und meine Frau auf einen Sieg der Franzosen gewettet. Ich auf einen Sieg der Belgier -Risiko bewußt-. So kann das gehen, wenn "man" meint, fußballerisch Ahnung zu haben.

    Und gleich:
    England – Kroatien
    Ich wünsche mir einen Sieg der Engländer.

    Da ich die fußballerischen Qualitäten der Kroaten nach den bisherigen WM-Spielen allerdings etwas höher einschätze als die der Engländer, …………???

  14. #14 | Helmut Junge sagt am 11. Juli 2018 um 19:31 Uhr

    Genau genommen wäre es ein überaschendes Ereignis, wenn England und Frankreich ins Endspiel kämen, obwohl einige Experten sie vor der WM durchaus zum Favoritenkreis gezählt hatten
    Nachdem ich erst Uruguay und Kroatien für das Endspiel getippt hatte, dann Kroatien und Belgien, kommen mir die Kroaten plötzlich gar nicht mehr so stark vor. Merkwürdig, daß es immer auf das jeweilige Spiel ankommt, und nicht auf all die Spiele vorher. Das könnte der Reiz beim Sport sein. Ich tippe jetzt mal auf England.

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