Punk ist keine Religion – Die ideologische Vereinnahmung der Subkultur

Johnny Rotten während eines Konzerts 1977. Auch heute gehört er zu den bekanntesten Stimmen, die sich gegen ideologische Konformität innerhalb und außerhalb der Punkszene wenden. Foto: Koen Suyk / Nationaal Archief (CC0)
Johnny Rotten während eines Konzerts 1977. Auch heute gehört er zu den bekanntesten Stimmen, die sich gegen ideologische Konformität innerhalb und außerhalb der Punkszene wenden. Foto: Koen Suyk / Nationaal Archief (CC0)

Punk versteht sich als Gegenkultur. Er misstraut Autoritäten, Institutionen und Ideologien. Dennoch wirken Teile der heutigen Punkszene erstaunlich ideologisch geschlossen. Wie konnte aus einer Bewegung, die das Denken gegen den Strich kultivierte, eine Szene werden, in der manche Positionen kaum noch hinterfragt werden?

Der Festivalsommer läuft auf Hochtouren. Bei bestem Wetter könnte man jedes Wochenende woanders hinfahren, um schon frühmorgens Bier zu trinken, sich vor der Bühne einen Sonnenbrand zu holen und die Nächte in einem unbequemen Zelt zu verbringen. Zeitgleich geistern Meldungen von den überall stattfindenden Festivals durch Social Media: Diese Band soll dort nicht auftreten dürfen, ein Mitglied einer anderen Band habe etwas Falsches gesagt, oder die Crew baut die Bühne bei über 30 Grad im Schatten auf und zieht dabei ihre Shirts aus. Längst gibt es auf vielen Festivals sogenannte „Awareness-Teams“, die die Einhaltung der Regeln überprüfen, die die Besucher einzuhalten haben und die von Jahr zu Jahr zahlreicher werden. Doch wie kam es dazu, dass Punk zu einer Bewegung wurde, die ihre Mitglieder in ein enges Korsett eines Verhaltenskodex zwängt und sogar deren Gedanken kontrollieren möchte?

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Die antisemitische Hardcore-Punk-Band „End It“ ist gerade auf Europatour.

Die Band „End It“ auf der Bühne. Screenshot: Andreas Wolf

Vor einigen Tagen ging ein Video auf Social Media viral, in dem die Band „End It“ das Publikum dazu aufruft, einen Konzertgänger zu attackieren, der ein Bananenkostüm trägt. Dies sorgte für großes mediales Interesse. Der unsägliche Antisemitismus der Band löste hingegen keine Empörung aus.

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Die Toten Hosen haben den Absprung verpasst

Hosen-Sänger Campino hat früher mehr riskiert. Quelle: Wikipedia, Foto: Libertinus Yomango, Lizenz: CC BY-SA 2.0

In diesen Tagen kommt man den Toten Hosen kaum noch aus dem Weg. Parallel zur Veröffentlichung ihres offiziell letzten Studioalbums (und dem Abstieg ihrer geliebten Fortuna in die 3. Liga) startet die große Abschiedstournee der Düsseldorfer Punkrock-Institution. Die Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren, die Medien überschlagen sich mit Würdigungen, Rückblicken und Lobeshymnen. Kaum ein Radiosender, kaum eine Talkshow, kaum eine Kulturseite verzichtet derzeit auf einen Beitrag über Campino und seine Mitstreiter.

Das überrascht wenig. Wenn jemand seinen Abschied ankündigt, dominieren meist die positiven Stimmen. Kritik gilt schnell als unangebracht. Doch gerade deshalb lohnt es sich aus meiner Sicht, einen etwas anderen Blick auf die Toten Hosen zu werfen. Einen Blick, der nicht von Nostalgie verklärt ist.

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Bis zum bitteren Ende – Die Toten Hosen hören auf

Ein Konzert der Toten Hosen. Foto: Andreas Wolf
Ein Konzert der „Toten Hosen“. Foto: Andreas Wolf

Die Düsseldorfer Band verkündete, dass sie am 29. Mai 2026 ihr letztes Studioalbum veröffentlichen wird, das von einer großen Abschiedstournee begleitet wird. Diesen Anlass nutze ich, um auf die Geschichte der Band und auf meine Geschichte mit der Band zurückzublicken.

Angetrieben von der Punkexplosion 1977, gründete sich ein Jahr später die Band „ZK“ im Umfeld des Düsseldorfer Ratinger Hof. Am Mikrofon stand der damals 16-jährige Andreas Frege, auch bekannt unter Campino. 1980 stieg Andreas von Holst, der auch Kuddel genannt wird, an der Gitarre ein. Nach 2 LPs und zwei Singles spielten ZK am 21. November 1981 ihr letztes Konzert in Neuss. Gemeinsam mit einem der Roadies, Andreas Meurer, gründeten Frege und von Holst eine neue Band, die unter dem Namen Die Toten Hosen bekannt werden sollte. Außerdem gingen „Die Mimmi’s“ und die „Panhandle Alks“ aus der Trennung von „ZK“ hervor.

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Iggy Pop in Köln – Ein echt legendärer Abend am Tanzbrunnen

Es gibt Musiker, die will man in seinem Leben einfach unbedingt mal live erlebt haben. In diese Kategorie gehört für mich persönlich Iggy Pop, den ich schon seit den 1980er-Jahren intensiv begleite, bisher aber noch nie im echten Leben habe live spielen hören.

Am 1. Juli 2025 war es dann endlich soweit. Iggy brachte den Tanzbrunnen in Köln zum Beben, und ich war trotz Rekordhitze von bis zu 39 Grad live dabei. Für die Leser der Ruhrbarone habe ich aus dem Rheinland ein paar Eindrücke von einem Konzertabend mitgebracht (Fotos siehe unten), den ich so schnell nicht vergessen werde.

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Alles außer Pop – Warum ich die Toten Hosen nicht vollständig hassen kann

Es ist einfach und auch ein bisschen selbstverständlich, die Toten Hosen zu hassen oder mindestens peinlich zu finden. Und wenn sie jetzt in Chemnitz spielen, gibt es genug Leute, die darüber lästern. Dabei ist es gut, wenn berühmte Leute gegen Rechts spielen. Argumente für oder gegen so ein Konzert wurden bei uns hier bereits ausgetauscht.

Die Toten Hosen nicht vollständig zu hassen, fühlt sich für mich ein bisschen an, wie ein Outing. Ich bin ja hier für alles außer Pop zuständig und Nähe zum Mainstream sägt freilich an meiner narzisstischen Homöostase.

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Alles außer Pop – Rollator Rock Rebellion

Die neue SUICIDAL TENDENCIES („Get Your Fight On“) ist schon ein paar Monate alt, aber ich bin eben auch nicht mehr der Schnellste. Außerdem ist diese Platte gar kein Album, sondern laut Selbstauskunft eine 10-Song-EP. Das ist ungefähr so gaga, wie die Tatsache, dass das angekündigte nächste Album („Still Cyco Punk After All These Years“) so heißt, als wäre es ein Remake des Klassikers „Still Cyco After All These Years“, tatsächlich aber ein Remake von Mike Muirs Solo-Debut „Lost My Brain“ ist.

Normalerweise suche ich ja lieber nach neuen Bands, als mich durch die Spätwerke abgetakelter Legenden zu quälen. Aber bereits die letzte BODYCOUNT hat mich vollends überrascht und mit der neuen SUICIDAL ist es dasselbe Spiel.

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Ach und Krach – Gespräche über Lärmmusik

 

 

Foto: R. v. Cube

In eigener Sache!
Musikliebhaber aufgepasst: Ruhrbaron Robert und sein Kumpel Jochen haben einen neuen Podcast. Alle Freunde harter und härterer, schräger und diagonaler, krachender und krakeelender Musik dürfen gerne bei „Ach und Krach – Gespräche über Lärmmusik“ reinhören. In jeder Folge werden vier Alben besprochen und außerdem drei Lieder blind gehört.

In Folge 1 ging es um YC-CY, RORSCHACH, LIARS und CRADLE OF FILTH.

Soeben erschienen ist Folge 2 mit Alben von HAIL SPIRIT NOIR, TOKEN ENTRY, THE BAD PLUS und IMPETUOUS RITUAL.

Den Podcast findet ihr hier.
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