
Mirze Edis hat ein großes Herz. Die Zuständigkeit wird politisch geprüft.
„Andere verbreiten Hass und Hetze, wir die Liebe“, verkündet der Duisburger Bundestagsabgeordnete der Linken auf Instagram.
Die Gebrauchsanweisung findet sich unter seinem Solidaritätspost für Elif Eralp.
Nächstenliebe mit Zugangskontrolle

In dem Solidaritätsbeitrag für Eralp kritisiert Edis die Veröffentlichung ihrer privaten Nachrichten als Grenzüberschreitung.
Was war passiert?
Die Panne lag zunächst im eigenen Haus: Eralps Büro schickte die Interviewfassung nach der von dpa berichteten Darstellung des SPIEGEL versehentlich mitsamt internen Anmerkungen an die Redaktion zurück. Für dieses handwerkliche Versagen der Pressearbeit kann der SPIEGEL nichts. Über die anschließende Veröffentlichung entschied er selbst. An der Abwägung zwischen Vertraulichkeit und öffentlichem Interesse gibt es Kritik.
Das öffentliche Interesse liegt bei der Sicherheit Berlins. Nach dem Bericht über die internen Anmerkungen wollte Eralp eine Interviewpassage über einen Hamas-Sympathisanten aus Sorge vor dessen Reaktion oder der seiner Unterstützer streichen lassen. Wenn eine mögliche Regierungschefin solche Sorgen äußert, betrifft das ihre politische Handlungsfähigkeit. Die Berliner müssen beurteilen können, wie eine künftige Regierung Extremismus entgegentritt – auch im Umfeld der eigenen Partei.
Eralp hat öffentlich angekündigt, gegen organisierte Kriminalität, Gewalt und Terror vorzugehen und sich nicht einschüchtern zu lassen. Daran ist sie zu messen. Sie und ihre Familie verdienen Schutz. Die Sicherheitsfragen für Berlin verdienen Antworten. Eine Beschwerde über den Überbringer ersetzt beides nicht.
Unter seinem Solidaritätsbeitrag diskutiert Edis auch mit Nutzern, die seine Sicht nicht teilen.
Eine Nutzerin beklagt dort, alle seien täglich in Gefahr und niemand interessiere sich dafür. Edis antwortet persönlich: „nöööööööö, bei euch Faschos juckt es mich nicht😂“.

Das lachende Emoji übernimmt die Empathie.
Eine andere Kommentatorin verweist auf den Umgang mit AfD-Politikern. Edis’ Antwort: „die Nazis verdienen das auch😂“. Eine Erklärung, welche Maßstäbe für die Veröffentlichung vertraulicher Informationen gelten sollten, fällt damit erfreulich kurz aus.

Unter seiner Liebeserklärung ergänzt Edis in seinem Instagram-Beitrag in einem eigenen Kommentar:
Hass trennt Menschen, Liebe verbindet sie. Hass baut Mauern, Liebe öffnet Türen.
Die Türen stehen also offen. Bei der Begrüßung wird offenbar noch nach politischer Zugehörigkeit sortiert.
Die Frage reicht über den Ton in der Kommentarspalte hinaus: Wem gilt Edis’ Empörung – und wem seine Bewunderung? Wer sich selbst zum Botschafter der Liebe erklärt, darf sich an seinen politischen Auftritten messen lassen. Das rote Herz allein erledigt diese Prüfung nicht.
Die große Liebeserklärung verdient einen Blick ins Ruhrbarone-Archiv:
Menschenliebe mit Erschießungskommandos bleibt ein erklärungsbedürftiges Sortiment.
Auch diese musikalische Zärtlichkeit passt schlecht zur aktuellen Selbstdarstellung.
Die Gewerkschaft musste schließlich auch an die Arbeitsplätze denken. Für die diskutierte Kooperation hatte Edis jedenfalls keine Liebeserklärung übrig.
Aber wenigstens hatten die Aktionäre einen schlechteren Tag.
Niemand muss Edis mögen. Er muss auch seine Kommentatoren nicht mögen. Wer sich öffentlich zum Lieferanten der Liebe erklärt, sollte allerdings mit einem Blick auf die gelieferte Ware rechnen.
Die Liebe ist für den Beitrag.
Für die Kommentarspalte reicht ein Feindbild.
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Die Linke im Eralptraum: Schuld ist der böse Wecker. Wie die eigenen Notizen beim SPIEGEL landeten und die Partei anschließend die Berichterstattung zum Gegner erklärte, haben wir hier dokumentiert. Die Empörung über Journalisten beantwortet keine der politischen Fragen an die Linke.
