Die Linke Berlin: Die Genossen machen Probleme. Schuld ist die Kritik.

Satirische Karikatur: Ferat Koçak mit schwarzer Mütze und rot gefärbter Bartspitze sitzt rechts unter einem Solidaritätsschirm. Fiktive Linke-Genossen rollen eine rote Linie beiseite.
Die roten Linien sind transportabel, die Solidarität steht. (KI-Karikatur: Ruhrbarone / OpenAI; Ferat Koçak rechts als Karikatur; übrige Figuren, Szene und Sprechblase sind fiktiv. Koçak-Fotovorlage: PIC-ONE/Stefan Müller, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; KI-bearbeitet.)

Die Berliner Linke will regieren. Ihre Palästina-LAG kümmert sich derweil um die Rückendeckung für Hannah Bruns und Ferat Koçak. Zwei neue Instagram-Beiträge vom 22. September 2026 zeigen, wie Arbeitsteilung in dieser Partei funktioniert:

Die Spitze sucht Vertrauen, die eigenen Gliederungen erklären, warum die Kritik an den Genossen das eigentliche Problem ist.

Bruns kämpft, die Gliederungen teilen

Ich werde den Kampf gegen diesen Ausschlussantrag auf mich nehmen und ich werde ihn gewinnen.“ Das steht im Begleittext eines neuen Reels von Hannah Bruns. Viele Genossen teilten ihre Positionen oder fänden zumindest, dass diese in einer sozialistischen Partei Platz haben müssten, erklärt sie.

Hannah Bruns im Instagram-Reel neben ihrem Begleittext zum Kampf gegen einen Ausschlussantrag.
Hannah Bruns kündigt im Begleittext des Reels an, gegen einen Ausschlussantrag zu kämpfen. Ausschnitt des Beitrags vom 22. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Instagram führt die Berliner Palästina-LAG, die Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, die Linksjugend Berlin und „Keine Linke ohne Palästinasolidarität“ als Mitautoren. Das sind keine beiläufigen Bildmarkierungen. Die Accounts verbreiten die Kampfansage gemeinsam.

Der Ausschlussantrag ist inzwischen mehr als nur eine Ankündigung: Nach einem Bericht des Tagesspiegels vom 22. September 2026 liegt der Antrag mehrerer Parteimitglieder seit dem 19. September 2026 bei der Landesschiedskommission. Die Zeitung beruft sich auf übereinstimmende Angaben aus Parteikreisen. Über einen Ausschluss ist damit noch nicht entschieden. Die beteiligten Gliederungen sind mit ihrer Solidarität weniger zurückhaltend: Andere Parteien müssen ihre roten Linien verteidigen. Hier bekommen diejenigen Rückendeckung, um deren Aussagen sich der Streit dreht. Bruns forderte 2025, Tel Aviv müsse „wieder in der Hand von Palästina“ liegen. Etwas über ihre frühere Bochumer Parteikarriere, ihren Austritt 2018 und der später bekannt gewordene Entwurf eines Ausschlussantrags stehen hier: ( Antisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv).

Die Berliner LAG bewarb anschließend noch ein Sommercamp-Podium mit Hannah Bruns und Hüseyin Doğru: ( Die Linke Berlin: Antisemitismus im Gepäck, das Freizeitprogramm steht).

Bei Koçak ist die Kritik die Kampagne

Fast zeitgleich erschien eine Solidaritätserklärung für den Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Hintergrund ist die Debatte über einen veröffentlichten Instagram-Chat mit Firas Remmo.

Instagram-Reel der BAG Palästinasolidarität mit dem Begleittext zur Solidarität mit Ferat Koçak.
BAG Palästinasolidarität und weitere Mitautoren erklären Ferat Koçak ihre Solidarität und bezeichnen die Kritik als Kampagne. Ausschnitt des Beitrags vom 22. September 2026. (Screenshot: Instagram)

Dabei war die Fraktionsführung schon am Nachmittag einen Schritt weiter: Nach RND/dpa vom 22. September kündigte Sören Pellmann, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, an, Koçak werde bis zur vollständigen Aufklärung vorerst nicht mehr öffentlich auftreten und nicht an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses teilnehmen. Über weitere Konsequenzen solle danach entschieden werden. Sein Bundestagsmandat legt er damit nicht nieder. Die Fraktionsführung verlangt Transparenz. Die Solidaritätsabteilung liefert vorsorglich einen Sichtschutz.

Der Begleittext bezeichnet die Kritik als Kampagne, die Menschen wegen ihrer Herkunft und ihres Namens unter Generalverdacht stelle. Statt über den Chat solle offenbar über die 59 Prozent für Vergesellschaftung gesprochen werden.

Auch eine Methode der Aufklärung: Bei unangenehmen Fragen einfach die Immobilie wechseln.

Neben der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität und der Berliner LAG sind diesmal auch die NRW-LAG und das Netzwerk Palästinasolidarität Niedersachsen als Mitautoren ausgewiesen. Nicht die gesamte Linkspartei erklärt hier ihre Position, sondern diese beteiligten Accounts. Aber eine Kritik ist nicht schon dadurch erledigt, dass man ihren Adressaten Solidarität erklärt.

Die SPD möchte vorher noch etwas klären

Der Streit betrifft längst die Regierungsbildung. Wie DIE ZEIT am 23. September berichtet, fordern die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf von der Linken eine klare Abgrenzung von Antisemitismus und organisierter Kriminalität. Elif Eralp und Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner bekennen sich dem Bericht zufolge zum Existenzrecht Israels und zum Schutz jüdischen Lebens. Daran müssen sich auch die eigenen Gliederungen messen lassen. Für eine Regierungspartei wäre das keine Schikane, sondern die Mindestausstattung. Ein Solidaritätsschirm ersetzt keinen politischen Kompass.

Die Parteispitze kann ja weiter Abgrenzung versprechen.

Ihre Gliederungen kümmern sich um die Anschlussverwendung der roten Linien.


Was bisher geschah

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